MAIN-SPESSART

Klinik-Verluste: Erst war's ein Loch - jetzt sind's zwei

Das Klinikum Main-Spessart hat sich 2008 erfolgreich behauptet – trotz ungünstiger gesundheitspolitischer Rahmenbedingungen. Das erwartete Defizit von 580 000 Euro verringerte sich auf rund 290 000 Euro. Dafür klafft seither ein neues Loch: Die Seniorenheime produzierten erstmals einen ebenso hohen Verlust.

Eigentlich hätten Landrat Thomas Schiebel, die Kreisräte und die Beschäftigten im Eigenbetrieb Klinikum Main-Spessart Grund zur Freude: Die unter Ex-Landrat Armin Grein 2004 begonnene Reform der Kreiskrankenhäuser Lohr, Karlstadt und Marktheidenfeld, die im Klinikum Main-Spessart zusammengefasst wurden, hat Erfolge gezeitigt. Dafür erging ein ausdrückliches Lob an das engagierte Personal.

Die Defizite halten sich seit 2005 in engen Grenzen und das trotz ständig steigender Personal- und Sachausgaben, mit denen die Zuweisungen von Staat und Kassen nicht Schritt halten. 2008 hat das Klinikum statt geplanter 580 000 Euro nur 290 000 Euro (hochgerechnet) drauflegen müssen. Dem Landkreis gelang es – nicht zuletzt durch seine Kooperationspartner – mehr Einnahmen zu erzielen als erwartet und so die Verluste zu begrenzen. Doch inzwischen kämpfen die Verantwortlichen an einer zweiten Front: Der wachsende Wettbewerb mit den nicht nach Tarif zahlenden Seniorenheimen in der Region setzt die Kreis-Einrichtungen unter finanziellen Druck.

Der Landkreis, der Tariflöhne zahlt, darf seinen Bewohnern nicht seine tatsächlichen Personalkosten in Rechnung stellen, sondern nur die durchschnittlichen Personalkosten aller Heime in der Region – darunter sind tarifliche wie nicht tarifliche. Das sorgte dafür, dass der Landkreis 2008 ungeplante Verluste von insgesamt rund 290 000 Euro bei seinen Seniorenheimen in Gemünden und Marktheidenfeld einfuhr, die sich 2009 sogar noch auf rund 300 000 Euro erhöhen werden. Dieses Jahr sollte aber nach bisheriger Planung ein ausgeglichenes Ergebnis unterm Strich stehen. So setzt sich der Landkreis wenigstens für das Klinikum das ehrgeizige Ziel stark steigender Erlöse.

Die schwarze Null bei den drei Kreiskrankenhäusern schafft er trotzdem nur, weil er 2009 hohe nicht benötigte Rückstellungen in Höhe von 405 000 auflösen kann. Sonst wäre das Defizit unvermeidlich gewesen. Für die Zukunft setzt der Landkreis optimistisch auf weitere Erlössteigerungen.

Die ständigen Verschlechterungen der Finanzlage der Krankenhäuser geißelte Landrat Thomas Schiebel am Montag im Werkausschuss des Kreistags im Kreiskrankenhaus Karlstadt mit klaren Worten: Das aktuelle Krankenhausreformgesetz sei in einer „krankenhausfeindlichen Atmosphäre“ entwickelt worden. Das Bundesgesundheitsministerium in Berlin habe darin „weitere Lasten für Krankenhäuser“ vorgesehen. Von einem „chaotischen“ Verhalten des Ministeriums war die Rede, das „durchweg Verschlechterungen“ erbracht habe.

Konkretes Beispiel: Während der Landkreis 2009 eine Budgetverbesserung von maximal 1,4 Prozent erhält, zahlt er für sein Klinikpersonal rund sechs Prozent und für die Sachkosten etwa vier Prozent mehr. Die Schere geht weiter auseinander.

Der Werkausschuss empfahl dem Kreistag abschließend einstimmig, dem Wirtschafts- und Stellenplan 2009 des Eigenbetriebs zuzustimmen.

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