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Klinik soll verlustfrei und konkurrenzfähig sein

Notaufnahme       -  Wie beurteilen die Landtagskandidaten die Pläne zur Umgestaltung der medizinischen Versorgung im Landkreis und zum Klinik-Neubau in Lohr? Unser Bild ist ein Beispielfoto.
Wie beurteilen die Landtagskandidaten die Pläne zur Umgestaltung der medizinischen Versorgung im Landkreis und zum Klinik-Neubau in Lohr? Unser Bild ist ein Beispielfoto. Foto: Hauke-Christian Dittrich, dpa

Am Sonntag, 14. Oktober, ist Landtagswahl. Im Stimmkreis Main-Spessart bewerben sich 14 Kandidaten um das Direktmandat für den Landtag, zwölf von ihnen aus dem Landkreis Main-Spessart. Von den hiesigen Kandidaten wollen wir wissen, wie ihre politischen Vorstellungen zu zentralen Themen im Landkreis sind. Neun Fragen haben wir ihnen gestellt. Bei Frage 9 geht es um das Thema Krankenhaus.

Frage: Wie beurteilen Sie die Pläne zur Umgestaltung der medizinischen Versorgung im Landkreis? Ist der Neubau in Lohr der richtige Weg?

Joachim Hubrich (Die Franken): Grundsätzlich muss man sagen, dass ein (gut erreichbares) Krankenhaus im Landkreis besser ist, als zwei oder drei am Limit „rumkrebsende“. Von daher ist eine gut ausgestattete Klinik in Lohr in Ordnung. In Oberbayern jedoch, wo die Frage der Finanzierung nicht so im Vordergrund steht wie im ärmeren Franken, wird im Regelfall kein Kreiskrankenhaus geschlossen. So zum Beispiel in Pfaffenhofen an der Ilm, hier gibt es gleich zwei Krankenhäuser und im Umkreis noch mal drei. Die Partei für Franken will dies ändern.

Peter Sander (FDP): Wirtschaftlich gesehen ist die Umgestaltung notwendig, hätte bei früherer Umsetzung Millionen an Subventionen erspart. Das ZK in Lohr hat Synergieeffekte mit dem BKH. Die medizinische Rundumversorgung muss mit Ärztehäusern gesichert sein, Kooperationen mit niedergelassenen Ärzten angedacht werden. Ich fordere eine zukunftsorientierte regionale Bedarfsplanung und Entbudgetierung, eine Deregulierung für Ärzteniederlassungen sowie für das ZK eine Station für Gynäkologie und Geburtshilfe.

Mirco Lukas (Piraten): Das Karlstadter Krankenhaus hätte nicht geschlossen werden sollen, da Lohr von Zellingen, Himmelstadt etc. aus schlechter zu erreichen ist. Die Umgestaltung ist daher in meinen Augen abzulehnen und es sollte stattdessen versucht werden, die medizinische Versorgung in Karlstadt zu gewährleisten.

Heinz Grosshans (V-Partei): Der Neubau in Lohr ist für mich nicht der richtige Weg, auch hier gilt: Kleine, funktionierende Einheiten schaffen. Ein Krankenhaus darf niemals ein profitorientiertes Unternehmen sein, das ist gegen Mensch und Patient. Der „gemeine“ Steuerzahler zahlt letzen Endes sowieso alles, dann sollte er wenigstens auch eine gute Gegenleistung dafür bekommen.

Matthias Herberich (BP): Schließungen von Krankenhäusern sind menschlich gesehen immer problematisch, wenn auch manchmal wirtschaftlich unabdingbar, allerdings könnte man eine gewisse Grundsicherung der Bevölkerung durch 24 Stunden Notfallambulanzen an den Standorten der bisherigen Kliniken erhalten.

Gregor Münch (Grüne): Das Thema ist entschieden. Uns bleibt, die längeren Versorgungswege durch die zentrale Koordinierung medizinischer Notfalldienste zu verbessern. Den Standort Lohr müssen wir stärken, etwa durch enge Kooperation mit anderen Häusern. Gleiche Leistungen bei Kassen- und Privatpatienten sollten gleich abgerechnet werden, das macht Allgemeinarztpraxen gegenüber Privatpraxen in der Stadt attraktiver. Krankenhäuser sollten nicht gewinnorientiert wirtschaften müssen, sondern verlustfrei arbeiten können.

KURT Schreck (AfD): Ich fürchte, dass die gesundheitliche und medizinische Versorgung durch ein Zentralklinikum eher abnehmen wird. Für die Häuser in Karlstadt und Marktheidenfeld gibt es keine konkreten Nachnutzungskonzepte. Viele Bürger werden sich vermutlich eher nach Aschaffenburg, Wertheim oder Würzburg orientieren, sodass lange nicht feststeht, inwieweit sich ein Zentralklinikum auch unter dem Gesichtspunkt immenser Kosten rentiert. Außerdem ist mit der Schließung von Arztpraxen zu rechnen, aufgrund höheren Alters ausscheidender Ärzte und nicht geregelter Nachfolge. Die Gesundheitsversorgung wird nicht besser, sondern eher schlechter werden.

Thorsten Schwab (CSU): Der Schritt zu einem zentralen Neubau ist die einzige Chance auf Dauer noch ein Klinikum im Landkreis zu haben. Nur mit einem zukunftsfähigen Haus wird es gelingen, auf dem umkämpften Markt Ärzte für Main-Spessart zu gewinnen. Wünschenswert wäre es gewesen, alle drei Häuser zu halten, bis der Neubau steht, das war leider auf Grund fehlender Fachärzte nicht möglich. Mit der beschlossenen Förderung von knapp 100 Millionen Euro haben wir die Chance, ein konkurrenzfähiges Klinikum im Landkreis zu bekommen.

Sven Gottschalk (SPD): Die Entscheidung für den Neubau war richtig. Menschen nehmen heute für eine optimale Gesundheitsversorgung weite Wege auf sich. Eine Aufwertung der drei Standorte auf ein vom Bürger akzeptiertes Niveau kann sich der Landkreis nicht mehr leisten. Die Alternative einer Bereitstellung der Krankenhauslandschaft über einen privaten Investor lehne ich entschieden ab. Dass das Krankenhaus in Karlstadt in Form eines Gesundheitszentrums als Baustein der medizinischen Versorgung erhalten bleibt, ist sehr erfreulich.

Svenja Sänger (Tierschutzpartei): Angesichts der klammen Situation vieler Kliniken erscheint ein Neubau diesen finanziellen Ausmaßes wenig sinnvoll. Noch dazu, wenn es zu einem Gerangel um die Patienten zwischen Lohr, Marktheidenfeld und Würzburg käme. Ganz wichtig wären auch Anreize für Ärzte, sich im Landkreis verstärkt niederzulassen.

Anna Stolz (Freie Wähler): Der Bau eines neuen Krankenhauses war aufgrund der rechtlichen Vorgaben leider der einzige Weg, um in Zukunft noch ein Krankenhaus im Landkreis halten zu können. Die zentrale Lage und Nähe zum Bezirkskrankenhaus sind in Lohr ideal. Die Verwirklichung des Gesundheitszentrums in Karlstadt ist ein weiterer wichtiger Baustein für die Gesundheitsversorgung im Landkreis. Das Konzept für Marktheidenfeld mit medizinischem Stützpunkt ist gut. Hier muss mit Nachdruck an der Umsetzung gearbeitet werden.

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