MAIN-SPESSART

Klinikneubau als T, H oder Doppel-Null

So wie in diesem Modell-Beispiel könnte sich das neue Klinikum Main-Spessart in das BKH-Gelände auf dem Lohrer Sommerberg einfügen. Die Gebäudeform wird noch in einem Architektenwettbewerb ermittelt. Unten und rechts: Stallungen und Hallen der BKH-Reittherapie.Skizze: Klinikum Main-Spessart

Der Neubau des Klinikums Main-Spessart liegt im Plan. Noch immer gilt 2023 als Jahr der Eröffnung. Klinikreferent Gregor Bett stellte dem Werkausschuss des Kreistags am Mittwoch den aktualisierten Zeitplan und erste Skizzen einer denkbaren Gebäudehülle vor.

Für den Main-Spessart-Kreis erfreulich: Sein Raum- und Funktionsprogramm stieß in München auf Zustimmung. Das Konzept für den Neubau sei „1:1 bestätigt“ worden, erklärte Bett. Am Montag, 24. Juli, wird das Klinikum seinen Bebauungsplan im Lohrer Stadtrat vorstellen. Danach will man in München detailliert das Massenmodell erläutern und die Kosten dafür ermitteln. Im Herbst soll der Auftrag für die Aufnahme ins Krankenhaus-Bauprogramm folgen. Zwischen Februar und Mai 2018 müsste sich dann der Ministerrat damit befassen.

Architektenwettbewerb im Jahr 2019

Läuft alles glatt, ist für das Jahr 2019 ein Architektenwettbewerb geplant. Die Skizzen vom Neubau, die Bett in die Werkausschuss-Sitzung mitbrachte, sollen nur den Umfang des Baukörpers und seine Lage im Gelände darstellen. Ob er am Ende eine T-, H- oder Doppel-Null-Form erhält, ist noch offen.

Kompromiss bei der Zufahrt

Klar ist, dass der Landkreis vom Bezirk Unterfranken etwa sieben Hektar Fläche in Erbpacht übernimmt. Der Neubau soll auf dem BKH-Gelände am Lohrer Sommerberg entstehen, neben den Hallen und Wiesen der Reittherapie. Das Gelände fällt von oben bis unten um 22 Höhenmeter ab, so dass der obere Teil des Klinikums im Hang liegt, der untere frei steht. Der Zufahrtsweg ist vom Bezirk, dem Landkreis und der Stadt Lohr unter sieben denkbaren Varianten ausgesucht worden. Ein Kompromiss, wie Bett sagte, der die Lärmbelästigung der Anwohner und die Durchschneidung der BKH-Fläche möglichst gering halten soll.

Das Haus selbst wird sich in fünf Ebenen gliedern: Diagnose im Erdgeschoss, Therapie und OP im 1. Obergeschoss, Pflege in den beiden Stockwerken darüber. Im Untergeschoss soll der Wirtschaftshof untergebracht werden.

Platz für ein privates Ärztehaus

Ein Ärztehaus auf dem Klinikgelände sei denkbar und werde in der Flächenaufteilung berücksichtigt. Der Klinikreferent stellte aber klar, dass der Landkreis es weder bauen noch betreiben werde. Dafür müssten sich bei Bedarf private Investoren und Ärzte finden.

Offen ist noch die Platzierung des nötigen Hubschrauber-Landeplatzes. Der Landkreis würde aus Kostengründen eine Wiesenfläche vorziehen; zur Not käme aber auch die teurere Dachlösung dafür in Frage.

Strukturen dem neuen Konzept angepasst

In seinen Strukturen hat sich das Klinikum dem Neubau schon angenähert: Alle Chefarztposten sind inzwischen besetzt, die Zentrale Notaufnahme mit einer Leitenden Ärztin eingerichtet. Bis Oktober werden alle stationären Leistungen von Karlstadt nach Lohr übertragen und die Bereitschaftsdienst-Praxis der Kassenärztlichen Vereinigung am Klinikum ihren Betrieb aufnehmen.

In fünf Wochen ist der Brandschutz im Kreiskrankenhaus Lohr auf den Stationen erneuert, so dass alle wieder geöffnet werden können. Das medizinische Spektrum ist oder wird erweitert um ein Trauma-Center, eine Schlaganfall- und eine Herzinfarkt-Einheit, eine Sektion für Onkologie, ein Zentrum für Schmerztherapie (alle Lohr) und Geriatrie (Marktheidenfeld). Parallel laufen die Bemühungen, akademisches Lehrkrankenhaus zu werden.

Wie geht es in Marktheidenfeld und Karlstadt weiter?

Der Klinikreferent informierte auch über den Stand möglicher Nachnutzungen für die Standorte Karlstadt und Marktheidenfeld. Die 131 Mitarbeiter des Kreiskrankenhauses Karlstadt würden bis Oktober überwiegend neue Stellen im Klinikum antreten, in den Ruhestand oder in Elternzeit gehen. 24 haben gekündigt.

Optionen für die Nachnutzung

Für Räume im Karlstadter Krankenhaus hätten Prof. Peter Langmann und zwei weitere Ärzte Interesse angemeldet, Dr. Michael Schneider an einem ambulanten OP. Die Ärztehaus Karlstadt GmbH mit den Dres. Weigand und Kromczynski hat am Mittwoch ihre Vorstellungen nichtöffentlich im Werkausschuss erläutert. Das neben dem Krankenhaus gelegene Altenheim der Herold-Stiftung möchte sich ausweiten, und die Caritas will ebenfalls mit dem Landkreis über frei werdende Flächen verhandeln.

Wenig Interesse an Krankenhausflächen haben bislang die niedergelassenen Ärzte in Marktheidenfeld. Dort setzt sich Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder nach Worten Betts mit großen Engagement für eine Nachnutzung zum Beispiel in Form eines Ärztehauses ein. Sollte es verwirklicht werden, so Bett, dann möglichst nicht in kommunaler, sondern in privater Trägerschaft. Allerdings ist ein kommunales MVZ mit Beteiligung der Stadt Marktheidenfeld noch nicht vom Tisch.

Gute Chancen hat das Berufszentrum für Pflegeberufe, in Marktheidenfeld bleiben zu können, sagte der Klinikreferent. Außerdem werden wie berichtet Akutgeriatrie und geriatrische Reha aufgestockt. Auch das Kreisseniorenheim wird künftig Räume des Krankenhauses belegen.

Oben: die Zufahrt zum neuen Klinikum. Unten: der Gebäudekomplex im Vergleich zur umgebenden Wohnbebauung.Skizze: Klinikum Main-Spessart

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