Karlstadt

Klinikum: Aus Eigenbetrieb ein Kommunalunternehmen machen?

Das Defizit des Klinikums Main-Spessart wird heuer voraussichtlich niedriger als geplant ausfallen. Die Fallzahlen dagegen zeigen steigende Tendenz.
Das Jahresdefizit 2019 des Klinikums Main-Spessart (im Foto das Kreiskrankenhaus in Lohr) fällt voraussichtlicher etwas niedriger aus als geplant.
Das Jahresdefizit 2019 des Klinikums Main-Spessart (im Foto das Kreiskrankenhaus in Lohr) fällt voraussichtlicher etwas niedriger aus als geplant. Foto: Wolfgang Dehm

Aufgrund positiver Entwicklungen im ersten Halbjahr wird das Jahresdefizit 2019 des Klinikums Main-Spessart voraussichtlich rund 6,5 Millionen Euro betragen und damit eine knappe halbe Million niedriger liegen, als zunächst prognostiziert.

Wie Karl Gerhard, Leiter Finanzwesen des Eigenbetriebs Klinikum Main-Spessart, in der Werkausschusssitzung am Montag erläuterte, soll das Defizit im Krankenhausbereich mit 6,22 Millionen Euro um 365 000 Euro niedriger als geplant ausfallen. Im Bereich Senioreneinrichtungen geht er davon aus, dass sich der ursprünglich mit 370 000 Euro angesetzte Verlust um 75 000 Euro auf 295 000 reduzieren wird.

Im ersten Halbjahr 281 Fälle über Plan

Besser als gedacht entwickeln sich auch die Fallzahlen der Krankenhäuser. Insofern rechnet Gerhard zum Jahresende mit 12 300 Fällen (Lohr: 11 300; Marktheidenfeld: 1000) statt der angesetzten 11 819 (Lohr: 10 734; Marktheidenfeld: 1085). In beiden Krankenhäusern zusammen wurden seinen Worten nach im ersten Halbjahr 6194 Fälle gezählt, geplant waren 5913.

Seit rund drei Jahren befassen sich die Kreisräte mit einer möglichen Änderung der Rechtsform des Klinikums, das aktuell als Eigenbetrieb des Landkreises geführt wird. Als Alternative dazu steht ein selbstständiges Kommunalunternehmen im Raum.

"Es gibt nicht die richtige oder falsche Rechtsform", sagte Jan Hacker von der aufs Gesundheitswesen spezialisierten Beratungsfirma Oberender (Bayreuth) in der Werkausschusssitzung. Fasst man seinen Vortrag in aller Kürze zusammen, kann man sagen, dass die Kreisräte bei einem Eigenbetrieb größeren Einfluss ausüben können als bei einem Kommunalunternehmen; bei einem Kommunalunternehmen hingegen kann die größere Freiheit der Verantwortlichen letztendlich zu besseren Ergebnissen führen.

Krankenhäuser unternehmerischer führen

Allerdings machte Hacker auch deutlich, dass man die Befugnisse des Managements bei einem Eigenbetrieb per Satzung erweitern beziehungsweise bei einem Kommunalunternehmen auch einschränken könne.

Auch wenn sich nach längerer Diskussion keine Mehrheit für die eine oder andere Rechtsform abzeichnete, erkannte Hacker dennoch eine Tendenz, die er aus den Äußerungen der Kreisräte ableitete: Das Klinikum Main-Spessart solle künftig unternehmerischer geführt werden.

Auf Basis der Meinungsäußerungen im Werkausschuss will Hacker nun einen Vorschlag zur künftigen Rechtsform des Klinikums erarbeiten und diesen nach der Sommerpause vorstellen. Der Kreistag soll dann im ersten Quartal 2020 eine endgültige Entscheidung treffen.

Falls diese ergeben sollte, dass der bestehende Eigenbetrieb in ein Kommunalunternehmen umgewandelt werden soll, muss laut Hacker dafür mit Kosten "im eher unteren sechsstelligen Bereich" gerechnet werden.

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