Karlstadt

Kommentar: Gewichtung bei Bauplatzvergabe erzeugt nur eine Illusion von Fairness

Die Zeit drängt, trotzdem sollte die neue Vergaberichtlinie von Bauplätzen noch einmal überdacht werden.
So sah's 2017 im Wurzgrund aus. Im nächsten Bauabschnitt gibt's 190 Bewerber auf 20 Plätze. Foto: Karlheinz Haase

Die Vergaberichtlinie – so wie sie vom Bauausschuss dem Stadtrat zum Beschluss empfohlen wurde – erzeugt nur die Illusion von Fairness. Aus mehreren Gründen.

Die Gewichtung der Kriterien lässt sich nie so lösen, dass hundertprozentige Fairness entsteht. Ob einer, der seit zehn Jahren dreimal die Woche Jugendsportler trainiert oder Migranten Deutschunterricht erteilt (0 Punkte), wirklich weniger zum Gemeinwohl beiträgt, als jemand, der seit drei Jahren Schriftführer in einem Verein ist (fünf Punkte)? Oder ob die Betreuung eines Kindes mit 50-prozentiger Behinderung (0 Punkte) viel einfacher ist als die eines Elternteils mit 60-prozentiger Behinderung (sechs Punkte)? Und was hat das überhaupt damit zu tun, ob jemand einen Bauplatz erhalten soll oder nicht?

Gerade weil den Räten anfangs klar war, dass hundertprozentige Gerechtigkeit auch mit den diffizilsten Gewichtungen nicht erreichbar sein wird, sollten immer auch einige Bauplätze verlost werden. Diese Verlosung empfehlen die Bauausschussmitglieder nun zu streichen – ein Fehler. Auch eine grundsätzliche Einzelfallvergabe von zehn Prozent der Bauplätze empfahlen die Ausschussmitglieder zu streichen, weil sie Willkür fürchten. Dabei lässt sich die Einzelfallvergabe auch als Option in die Richtlinie schreiben. Diese lässt sich nutzen oder auch nicht, das haben die Räte selbst in der Hand.

Und das größte Problem: Jeder Interessent darf sich von vornherein nur auf höchstens zwei Bauplätze bewerben. Möglich also, dass sich jemand auf Grundstück 2 und 14 bewirbt und leer ausgeht, für Grundstück 3 oder 15 aber den Zuschlag erhalten hätte (und das liebend gern genommen hätte). Was ist daran gerecht? Viel sinnvoller wäre es, anhand der Punkte eine Interessentenreihenfolge zu erstellen und dann erst die Vergabe einzelner Grundstücke anzugehen.

Noch ist die Vergaberichtlinie nicht in Kraft getreten. Der Stadtrat sollte vor dem Beschluss nochmal darüber nachdenken. 

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