Lohr

Kommentar: Wie die MSP-Landratskandidaten beim Wahlforum ankamen

Wenn die Ziele sich oft nur um Nuancen unterscheiden, zählt die Persönlichkeit. Eine vorsichtige, subjektive Betrachtung inmitten eine kräftezehrenden Wahlkampfs.
Podiumsdiskussion mit den Landratskandidaten für den Landkreis Main-Spessart in der Aula der Nägelseehalle in Lohr. Veranstalter sind Main Post und Main Echo. Foto: Thomas Obermeier

Die erste gute Nachricht vorweg: Main-Spessart hat fünf ernst zu nehmende Kandidaten für den Landratsposten. Fünf wählbare Kandidaten, keine Pflaume, kein Extremist dabei.

Die zweite gute Nachricht hinterher: Respektable 350 Main-Spessarter, darunter etliche Kreistagskandidaten und Landratsamtbeschäftigte, machten sich ein Bild von ihrem potenziellen Sitzungsleiter beziehungsweise Chef. Die dritte erfreuliche: auch kommunale Erstwähler waren dabei. Geschätzt ein Dutzend - immerhin.

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Die politische Ziele unterscheiden sich oft nur um Nuancen. Bleibt die entscheidende Frage: Welcher Persönlichkeit trauen die Wähler am ehesten zu, die 541 Beschäftigten im Landratsamt zu führen, die Interessen des Landkreises nachhaltig zu vertreten und sich mit 40 Bürgermeistern und 60 Kreisräten zu arrangieren?

"Sitter plus X" – egal, wen man fragt: Das ist die Prognose für eine Stichwahl, die bei fünf Kandidaten sehr wahrscheinlich ist.

Sabine Sitter scheint gesetzt: Die jüngste aller Kandidaten mit der stärksten Partei im Rücken hat ihre Polit-Lehre nach sechs Jahren als Stellvertreterin des Landrats absolviert. Mit Erfahrung und Herz, zukunftsorientiert und leidenschaftlich zeigte sie sich, zum Schluss gar emotional.

Nur wenig älter: Pamela Nembach. Sie weiß sich auszudrücken, hat sich erkennbar in den Landkreis eingearbeitet, spielte mehrfach sozialdemokratische Karten aus.

Christoph Vogel, der smarte Mann der Wirtschaft. Mancher hörte zu viele Worthülsen heraus, andere klare Positionen. Ein politischer Quereinsteiger, dem manche Führungsqualitäten zutrauen. Ob das auch in einer Behörde funktioniert, bleibt abzuwarten.

Christoph Baier, der spätberufene Grüne, stand wie ein Fels in der Brandung. Ruhig, bestimmt, sachlich, unaufgeregt, analytisch, technikaffin. Ein Mann mit Erfahrung und guten Argumenten. Mit 60 zu alt? Bedenkenträgern zog er den Zahn: Nicht für sechs, sondern für zwölf Amtsjahre tritt er an. Das darf er, das will er. 

Hubert Fröhlich, gewissermaßen der liberale Exot, hat durchaus ernste Ansätze, wurde aber seinem Namen mit fortschreitender Zeit immer mehr gerecht. Sorgte für die größten Lacher, nicht immer freiwillig. Unterhaltungswert garantiert. 

Ernst wird es am 15. März. Dann entscheiden die gut 100 000 Wähler, wer Nachfolger von Erwin Amann, Armin Grein und Thomas Schiebel wird - zumindest, wer in die Stichwahl dafür kommt.

Anmerkung der Redaktion: Die Gesamtzahl der am Landratsamt Beschäftigten wurde nachträglich korrigiert.

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