GÖSSENHEIM

Kommunikation zwischen Pferd und Reiter: Auf die richtigen Signale kommt es an

Erste Schritte: „Lernen, wie ein Pferd denkt, reagiert und wie es sich mitteilt“, das ist für Cindy Schwind (links) die ... Foto: Herbert Hausmann

„Ein Pferd satteln, draufsetzen und sofort richtig losreiten – das wäre das Ideal“, sagt Cindy Schwind. Doch meistens müssen sich Pferd und Reiter erst finden. „Pferde sind die edelsten Geschöpfe der Welt – wenn wir sie verstehen und motivieren können, werden wir gemeinsam alle Ziele erreichen“, sagt die Pferdetrainerin, die einen zweitägigen Grundkurs in der Reitschule Gold leitete.

„Lernen, wie ein Pferd denkt, reagiert, und wie es sich mitteilt“ ist für Schwind die Grundvoraussetzung für den richtigen Umgang mit den Vierbeinern. Die vertrauensvolle Partnerschaft beginnt für sie am Boden und nicht erst auf dem Rücken des Pferdes. Ihr Ziel: „ein vertrauensvolles Reiten, das beiden Spaß macht – Pferd und Reiter“. Dabei legt sie großen Wert auf eine gute Kommunikation zwischen beiden. „Wenn ein Pferd blinzelt, schleckt oder kaut bedeutet dies, ,ich denke nach‘“, sagt die Expertin.

Sie ist mit Pferden aufgewachsen. Ihre Eltern haben über viele Jahrzehnte lang Pferde gezüchtet. „Durch die elterliche Pferdezucht, sowie den Beritt und die Korrektur von Jung- und Problempferden durch meine Eltern, konnte ich bereits früh umfangreiche Kenntnisse auf dem Gebiet Pferdetraining sammeln.“ So war schon immer klar – genau das will ich auch mal machen.“ Gerade der Umgang mit sogenannten Problempferden, dem sich ihr Vater besonders gewidmet hat, war für Cindy Schwind eine reizvolle Aufgabe.

„Jedes Pferd gibt seinen Ausbildungsweg vor, man muss nur genau hinfühlen, hinschauen und hinhören“, sagt die 27-Jährige. Deshalb entwickelte sie für sich das „natürliche Pferdetraining“, bei dem die meistens jungen Reiter zunächst die „Körpersprache erlernen, Ursachen erkennen, Probleme und Ängste lösen sowie gemeinsam mit dem Pferd alle Möglichkeiten entdecken“.

„Viele Pferd-Mensch-Paare kommen nicht miteinander klar – meist liegt es aber am Menschen“, hat Cindy Schwind festgestellt. Oft werden auch die Signale, die das Pferd gibt, nicht erkannt oder falsch gedeutet. Im Gössenheimer Kurs ist der schwarze Don Camillo ein lebendes Beispiel. Natalie Neubauer gibt sich alle Mühe, den Wallach rückwärts zu führen. Mit ein paar einfachen Griffen und dem leichten Druck auf eine bestimmte Körperstelle funktioniert dies nach einiger Zeit.

„Alles, was hinter der Schulter liegt, bringt das Pferd nach vorne, was davor ist, nach hinten“, erklärte Cindy Schwind. Das ist wichtig für später wichtig, wenn die Reiter auf dem Pferd sitzend dieses nur durch den Druck ihrer Schenkel führen wollen. Doch nicht nur Reiterin Natalie Neubauer hat in den beiden Tagen viel gelernt, sondern auch Don Camillo.

Am ersten Tag wollte der Vierbeiner sich nicht so bewegen, wie gefordert. „Er war nicht fähig, dies vom Kopf her umzusetzen“, sagt die Pferdetrainerin, die im Zivilberuf als Industriekauffrau arbeitet. Bei Problemen trat er sofort die Flucht nach links oder rechts an. „Don Camillo braucht schnell kleine Erfolgserlebnisse“, erkannte die Trainerin. Gelegenheit dazu verschaffte sie ihm innerhalb kurzer Zeit.

„Man muss bei jedem Pferd schauen, was für das jeweilige Tier am besten ist.“ Das gilt auch für Pony Rico, mit dem Patricia Stadtmüller am Kurs teilnimmt. Jedes Pferd hat seinen eigenen Charakter. So gelten Ponys oft als stur und eigenwillig. Mit wenigen Handgriffen bringt Cindy Schwind das Tier dazu, rückwärtszugehen. Dabei warnt sie davor, zu schnell aufzugeben. „Das Pferd lernt immer dann, wenn der Mensch aufhört, etwas zu tun“, sagt sie. Auch bedarf es keiner großen Kraftanstrengung, ein Tier zu einem bestimmten Verhalten zu bewegen: „Die richtigen Signale müssen sein“.

Dabei spielt das Alter eines Pferdes fast gar keine Rolle. Unabhängig davon kann das Tier bis ins hohe Alter dazulernen. „Es gibt kein schwieriges oder gar ein Problempferd“, betont die Pferdetrainerin. „Diese Pferde sind nur anders“, sieht Cindy Schwind jede Trainingseinheit als Herausforderung an. Ihren Schülerinnen in Gössenheim vermittelte sie zunächst das Grundwissen, gab ihnen gleich „ein Päckchen zum Üben“ mit auf den Weg. Das Erlernte sollen sie in Aufbaukursen oder Workshops vertiefen.

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