KARLSTADT

Kraftakt beim Straßenbau in den nächsten zwölf Jahren nötig

Wie wirkt sich der schrittweise Bau der B 26n auf das nachgeordnete Straßennetz im Landkreis Main-Spessart aus? Und wie wollen Bund und Freistaat dies kompensieren? Diese Fragen versuchte in der Kreistagssitzung am Freitag in Karlstadt der Leiter des Staatlichen Bauamts Würzburg, Dr. Michael Fuchs, zu beantworten. Erwartungsgemäß fiel die Resonanz auf seine Ausführungen je nach parteipolitischer Couleur und Einstellung zum Projekt bei den Kreisräten unterschiedlich aus. Von „Stückwerk“ und „ganz viel Nebel“ sprach Gerhard Kraft (Grüne), von „so viel Konzept wie noch nie“ der CSU-Landtagsabgeordnete Thorsten Schwab.

Dass im staatlichen Straßenbau im Landkreis etwas geschehen muss, darin waren sich jedoch alle einig – der Referent ebenso wie die Kreisräte. Und dass es durch das Bauprojekt in manchen Bereichen mehr Verkehrsbelastung geben wird, das zeigten die Zahlen der Prognose, die Fuchs präsentierte. Doch Kraft und Wolfgang Rupp (Grüne) hätten viel lieber „über eine innere Ertüchtigung des Landkreises geredet“ und sehen in der B 26n eine Transitautobahn für den Güterverkehr. Die Kreistagsmehrheit aber nickte zustimmend beim Hinweis von Landrat Thomas Schiebel: „Zur Innenentwicklung des Landkreises gehören auch die überörtlichen Anbindungen.“

Ab 2023 Entlastung für Arnstein

Was den ersten Abschnitt der B26n von Arnstein bis Müdesheim anbelangt, so informierte Michael Fuchs,dass man kurz vor der Planfeststellung stehe. Und er machte deutlich: „Wenn wir in die Planfeststellung gehen, dann bauen wir auch.“ Bis 2023 soll dieser Abschnitt fertig sein. Und mit ihm, auf Kosten des Bundes, die Anbindung von Müdesheim zur geplanten Anschlussstelle Arnstein-West. Bis zu 4200 Fahrzeuge (300 Lkw) sollen dann täglich weniger durch Arnstein fahren.

Stärker als ohnehin schon belastet werden Thüngen–Retzbach (plus 600/400) und Zellingen–Duttenbrunn (plus 700/300) sowie der Raum Karlstadt (300 bis 500), den es nach Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts bis Karlstadtab 2030 allerdings deutlicher trifft (plus 5100/1000). Dann wird auch die B 26 zwischen Lohr und Rechtenbach (plus 1200/400) schwer betroffen sein. Für Bauamtsleiter Fuchs ist mit Blick auf 2030 klar: „Bis dahin müssen wir die Achse Lohr–Marktheidenfeld fertig haben und das Verkehrskonzept für den Raum Lohr muss stehen.“ Dazu zählt Fuchs unter anderem die Entlastung für die Stadtteile Sendelbach und Steinbach. Ende Juni 2018 will er dazu Überlegungen vorstellen.

Viele Achsen „extrem hoch belastet“

Dass es reichlich Baustellen gibt und geben muss, das ist Fuchs bewusst. Schon heute seien viele Verkehrsachsen „extrem hoch belastet und der Ausbauzustand sowohl innerorts wie außerorts nicht befriedigend“. Konkret sprach er die Staatsstraße im Maintal zwischen Lohr und Marktheidenfeld an, wo die Weichen für die Umgehung Hafenlohr nun gestellt sind und man auch in Neustadt jetzt offensiv an die Situation herangehen“ müsse. Handlungsbedarf bestehe zudem, unabhängig von den Prognosen, für die Strecke Billingshausen–Zellingen – allein schon der Verkehrssicherheit wegen. Westlich Karbach werde ab Ende Juli ausgebaut.

Sorgen mache angesichts der Prognosen auch Rechtenbach, räumte Fuchs ein. „Das muss Thema werden. Der Bund muss wissen: es gibt diese Ortschaft Rechtenbach.“ Dann bestehe die Chance, hier in die Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans ab 2030 zu kommen. Die Umgehung Rieneck werde Mitte 2019 fertig, die Planfeststellungsunterlagen für Schaippach seien in Arbeit. Und auch in Gemünden werde eine Umgehung gebaut, auch wenn man hier nach Fertigstellung der Mainbrücke mit Blick auf die Förderung dann noch drei Jahre warten müsse.

Transitverkehr verbieten? Chancen gering

Die Umgehung von Wiesenfeld, die die Stadt Karlstadt baut, sei mit oder ohne B 26n erforderlich, so Fuchs. Hier sind für das Jahr 2025 täglich 5300 Fahrzeuge (500 Lkw) prognostiziert. Lohrs Bürgermeister Mario Paul fragte nach dem Antrag der Gebietsverkehrswacht Lohr, die Staatsstraße über Wiesenfeld nach Lohr für Transit-Lkw zu sperren. Hier machte ihm Landrat Schiebel wenig Hoffnung, da es ja keine Umfahrungsmöglichkeiten gebe.

Elmar Kütt (CSU) erinnerte an die ursprüngliche Planung, mit der B 26n eine Verbindung von der A 7 zur A 3 zu schaffen. „Wie es da weitergeht, das wollen die Leute wissen.“ Michael Fuchs machte deutlich, dass hier nicht geplant werde, bevor nicht der Abschnitt bis Karlstadt fertig gestellt sei. Und er betonte abschließend, dass in den Landkreis Main-Spessart überdurchschnittlich viel Geld fließe und viele Maßnahmen angestoßen wurden.

Kraft vermisst ein Gesamtkonzept

„Ich bin mir nicht sicher, dass Ihren hehren Worten auch Taten folgen“, bezweifelte Gerhard Kraft die Ausführungen. Er fürchtete: „Wenn dieses Ding (B 26n, d. Red.) da oben beginnt, dann beginnt das Chaos für MSP.“ Er könne nicht erkennen, dass die nachgeordneten Staatsstraßen bis zur Fertigstellung der B 26n so ertüchtigt wären, dass sie den Verkehr dann aufnehmen könnten. Er vermisse das schon lange geforderte Gesamtkonzept. Thorsten Schwab widersprach: „Noch nie waren wir so weit, dass wir so wie heute sehen konnten, wie es weitergeht.“

Rückblick

  1. 350 Menschen bei Protestspaziergang in Hausen gegen B26n
  2. B26n: Auch kritische Stimmen im Lohrer Stadtrat
  3. Entlastung Lohrs vom Verkehr unsicher
  4. BI gegen die B26n: „MSP-Politiker kaufen die Katze im Sack“
  5. Kommentar: Verkehrsplanung so formbar wie Knet
  6. Ziel für MSP: Straßenbauvorhaben sollen 2035 fertig sein
  7. B 26n bringt mehr Verkehr in die Bücholder Straße
  8. B 26n: Weiterführung bei Karlstadt zunächst vom Tisch
  9. Steinfelder Rat gegen B 26n: Unverständnis über Haltung Lohrs
  10. B26n-Gutachten: Gebietsverkehrswacht sieht sich bestätigt
  11. Karlstädter Stadträte stritten heftig über Verlauf der B26n
  12. MdL Celina: Prognosen weisen auf B26n als Transitstraße hin
  13. Scheiner: Zahlen belegen, dass B26n dem Landkreis nicht nutzt
  14. Bei der B26n zeitlich voll im Plan
  15. Verkehrschaos in Arnstein: Menschen leiden unter Belastung
  16. Bürgerinitiative: Noch immer alles offen in Sachen B26n
  17. B 26n: „Kein Ausbaubedarf für nachrangige Straßen“
  18. Bau der B 26n bleibt Zankapfel
  19. Verbindungsstraße durchs Buchental
  20. Kraftakt beim Straßenbau in den nächsten zwölf Jahren nötig
  21. Rund 16 000 Fahrzeuge täglich auf Ortsumgehung Karlburg
  22. Verschläft Karlstadt Mitsprache bei B 26n?
  23. B 26n: Trasse führt durchs Naturschutzgebiet
  24. Eck zu B26n: Baubeginn Ende 2019
  25. Straßenbauprojekte und ihre Auswirkungen auf den Landkreis
  26. Täglich sollen 10 000 Fahrzeuge hinterm Saupurzel rollen
  27. IHK drängt auf Bau der B 26n
  28. BI: Die B26n könnte trojanisches Pferd werden
  29. Höchste Priorität für die B 26n
  30. Alle Mittel gegen den Bau ausschöpfen
  31. B 26n: Beschwerde in Brüssel
  32. Bundesumweltamt: B 26n soll auf Streichliste
  33. B 26n: gegensätzliche Hoffnungen
  34. Verkehrswegeplan hat Umweltprüfung nicht bestanden
  35. Prioritäten beim Verkehr setzen
  36. B26n: Kritik an Straßenplanung
  37. Bundesverkehrswegeplan: Bürger können mitreden
  38. Verkehrswegeplan: Freud und Leid je nach Bedarf
  39. Hoffmann: Finanzierung der B 26n ist gesichert
  40. Neue Pläne: B26n hat kräftig abgespeckt
  41. Nach Mahnfeuern gegen B 26n: IHK reagiert
  42. Feuriger Widerstand gegen eine Westspange
  43. Vollbremsung bei der B 26n?
  44. Bürgerentscheid über Autobahnausbau in Würzburg
  45. A3-Ausbau: Bürgerentscheid voraussichtlich am 13.April
  46. B 26n: Privat gebaut und vom Staat gemietet?
  47. B 26n-Gegner sehen optimistisch in die Zukunft
  48. Neues Angebot steht im Raum
  49. Gegner der B 26n versammeln sich für Berichte und Wahlen
  50. B 26n: Planer prüfen Alternativen

Schlagworte

  • Karlstadt
  • Marktheidenfeld
  • Arnstein
  • Lohr
  • Gemünden
  • Joachim Spies
  • Bundesstraße 26n
  • CSU
  • Gerhard Kraft
  • Mario Paul
  • Michael Fuchs
  • Stadt Karlstadt
  • Straßenbau
  • Thomas Schiebel
  • Thorsten Schwab
  • Verkehrsachsen
  • Westumgehung Würzburg
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
4 4
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!