Marktheidenfeld

Krankenhaus Marktheidenfeld: Gleichwertiger Ersatz nicht möglich

Wie sehen die Landratskandidaten die Zukunft des Krankenhauses in Marktheidenfeld und was ist aus ihrer Sicht ein gleichwertiger Ersatz nach der bevorstehenden Schließung?
Das Krankenhaus und Kreisseniorenzentrum in Marktheidenfeld. Foto: Luftaufnahme Kremen

Fragen über Fragen. Längst nicht alle konnten bei der Oldtimerbustour der Main-Post von den Landratskandidatinnen und Landratskandidaten beantwortet werden. Einige offene Leserfragen von Gewicht hat die Redaktion deshalb Pamela Nembach (SPD), Sabine Sitter (CSU), Christoph Vogel (Freie Wähler), Christian Baier (Grüne) und Hubert Fröhlich (FDP) im Nachgang noch vorgelegt. Hier geht es um das Krankenhaus in Marktheidenfeld.

Wie sehen Sie die Zukunft des Krankenhauses in Marktheidenfeld und was ist aus Ihrer Sicht ein gleichwertiger Ersatz nach der bevorstehenden Schließung?

Sabine Sitter: Wir werden für das Krankenhaus Marktheidenfeld einen zukunftsorientierten Ersatz finden. Das Gesundheits- und Sozialwesen ist eine schnell wachsende Branche. Die analoge und digitale Vernetzung der stationären und ambulanten Leistungen im Landkreis ist notwendig. Auf der Grundlage „Was braucht der Mensch in Main-Spessart, um so lange als möglich gesund zu Hause zu leben?“, werden wir nachhaltige Lösungen finden. Es geht um Wohnen, Sozial- und Gesundheitsdienstleistungen für alle Generationen. Hier dürfen keine Schnellschüsse gemacht werden, es muss eine nachhaltige und durchdachte Entwicklung sein, die den Bürgern dient. Wir sind mitten im Prozess. Haben Sie Vertrauen.

Christoph Vogel: Es wird keinen gleichwertigen Ersatz geben. Dieser Wunsch wird nicht in Erfüllung gehen. Stattdessen müssen wir das Beste aus der Situation machen und hier schnellstmöglich in der Nachnutzung ein MVZ aufbauen mit einer möglichst breiten medizinischen Versorgung. Hierzu laufen ja bereits erste, sehr vielversprechende Gespräche mit möglichen Interessenten. Daneben wird das Krankenhaus natürlich auch weiterhin als Geriatrische Klinik genutzt und ausgebaut werden. Damit ist die Versorgung der älteren Bürger im Raum Marktheidenfeld gut sichergestellt.

Christian Baier: Das Marktheidenfelder Krankenhaus wird mit Eröffnung des Zentralklinikums im Neubau geschlossen und auch aus dem Krankenhausplan Bayern gestrichen. Es wird keinen gleichwertigen Ersatz geben.

Hubert Fröhlich: Im Krankenhaus Marktheidenfeld haben wir Innere Medizin, Akutgeriatrie, Geriatrische Rehabilitation und Physiotherapie, alle vier dieser Bereiche würde ich weiter entwickeln und zum Kompetenzzentrum ausbauen, für die Menschen im eigenen Landkreis sowie im Verbund mit den benachbarten Landkreisen. Freie räumliche Kapazitäten können für Arztpraxen und Einrichtungen der Gesundheitspflege zur Verfügung gestellt werden. In Lohr führen wir Fachkräfte und Medizintechnik zusammen, damit sind die strukturellen Voraussetzungen für stationäre, medizinische Therapien verbessert. In größeren Häusern kann die personelle Präsenz von Ärzten und Pflegepersonal leichter garantiert werden, Spezialisierung führt zu einem tieferen Wissen und Können. Wir bauen ein neues Krankenhaus neben der Psychiatrie, damit wird das Angebot erweitert und es entstehen synergetische Effekte.

Pamela Nembach: Hier muss man ehrlich sein – ein gleichwertiger Ersatz, das heißt eine umfassende stationäre klinische Versorgung wie sie in der Vergangenheit in Marktheidenfeld zur Verfügung stand, wird nicht mehr möglich sein. Allein die hohen Anforderungen an eine den Qualitätsstandards entsprechende Ausstattung mit medizinischen Geräten und der Bedarf an entsprechendem medizinischen Personal ist nicht mehr zu leisten. Dennoch bleibt Marktheidenfeld als überörtlicher Gesundheitsstandort auch nach 2024 wichtig – Schwerpunkte können hier im Bereich der Geriatrie und der Rehabilitation gelegt werden, denn mit der geriatrischen Rehabilitation, der seit Oktober laufenden Geriatrischen Institutsambulanz und der Pflegeschule vor Ort verfügt der Standort Marktheidenfeld hier über einen exzellenten Ruf und große Expertise. Über die Gesundheitsregion plus muss zudem die Neuansiedlung von medizinischen und gesundheitsnahen Dienstleistungen forciert werden.

Wie wollen Sie die Situation im Raum Marktheidenfeld hinsichtlich Akutversorgung nach der Schließung der Notaufnahme verbessern?

Christoph Vogel: Diesbezüglich muss differenziert werden zwischen akuten Notfällen, die in eine entsprechende Klinik gehören und der Akutversorgung, die in einer Hausarztpraxis gewährleistet werden kann. Akute Notfälle gehören dann in die Klinik nach Lohr und sind dort bestens aufgehoben. Für die Akutversorgung in Marktheidenfeld, die keine Notfälle betrifft, muss auf Dauer eine gute HausärztInnen-Versorgung, gegebenenfalls auch über ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) gewährleistet werden. Zu überlegen wäre auch die Etablierung einer Bereitschaftspraxis, die insbesondere an den Wochenenden eine Versorgung in Marktheidenfeld garantiert. So wäre insgesamt die ärztliche Versorgung in Marktheidenfeld auf hohem Niveau gesichert.

Pamela Nembach: Während der üblichen Sprechzeiten sind akut erkrankte Patienten oft gut beraten, einen niedergelassenen Arzt aufzusuchen, denn nicht jeder Patient muss notfallmedizinisch betreut werden. Für Fälle, in denen tatsächlich eine notärztliche Behandlung notwendig ist, sollte die Zusammenarbeit mit der BRK-Bereitschaft in Marktheidenfeld ausgebaut werden. Generell darf jedoch die KVB nicht aus ihrer Verantwortung entlassen werden, eine Akutversorgung der Patienten zu gewährleisten. Hier müssen sowohl die Gesundheitsregion plus als auch ich als Landrätin am Ball bleiben.

Christian Baier: Die stationäre Akutversorgung in Marktheidenfeld wird mit Eröffnung des Neubaus geschlossen. Ambulant kann der Landkreis nur über das Modell MVZ oder Zweigstelle MVZ eine ambulante Versorgung im Sinne einer Anlaufstelle betreiben. Man kann zum Beispiel eine Bereitschaftspraxis betreiben mit eigenen Öffnungszeiten analog der Bereitschaftspraxis in Lohr bei geschlossenen Allgemeinpraxen. Dies erfordert dezentral jedoch einen erheblichen finanziellen und personellen Aufwand und macht nur Sinn mit einer entsprechenden Facharztkooperation. Dazu müsste die entsprechende Bereitschaft der handelnden Personen vorher geklärt werden.

Weiterhin gibt es die Möglichkeit sogenannter PORT-Zentren zu etablieren (Patientenorientierte Zentren zur Primär- und Langzeitversorgung) deren Konzept zur Versorgung im ländlichen Raum nach internationalem Vorbild (Kanada) funktioniert. Die Digitalisierung mit Telemedizin spielt hier eine große Rolle. Es handelt sich hier um ein innovatives, sektorenübergreifendes Konzept das durch entsprechende Fördergelder unterstützt werden kann. Aber auch hier müssen die personelle Bereitschaft und die finanziellen Bedingungen geklärt sein.

Sabine Sitter: Gerade die Schließung der stationären Notaufnahme trug zur Qualitätsverbesserung bei. Stationäre Notfallversorgung ist klar gesetzlich definiert und braucht seine Qualitätsstandards. Wenn es um Menschenleben geht, wird nicht diskutiert. Bürgerinnen und Bürger wollen Sicherheit. Sicherheit, dass im Notfall alles für sie getan wird. Wir tun das bestmögliche für unsere Bürgerinnen und Bürger. Unterstützt von unseren Blaulichtorganisationen.

Hubert Fröhlich: Kranke Menschen brauchen in der Akutphase einen Hausarzt, der den Patient kennt und zur bedarfsgerechten Behandlung weiterleiten kann. Die Zulassung für einen Hausarzt erteilt die Kassenärztliche Vereinigung, ein System wie die Zunft im Mittelalter, dies würde ich gerne frei geben. In lebensbedrohlichen Situationen brauchen wir den Notarzt und den Rettungsdienst, der zum Notfall hin fährt, da wird der Patient vor Ort versorgt und in die nächste geeignete Klinik gebracht, von Marktheidenfeld ist Lohr in 20 Minuten mit dem Auto erreichbar.

Rückblick

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