Marktheidenfeld

Krankenhaus-Nachnutzung: Marktheidenfeld könnte Vorzeigeprojekt werden

Bayerns Gesundheitsministerin ist es wichtig, den Menschen in der Region zu sagen, wie es mit dem Krankenhaus weitergeht. Die Idee, sie sie am Freitag präsentierte, hat es in sich.
Sophie Schwab von der DAK stellte im Speisesaal des Marktheidenfelder Krankenhauses das Konzept für ein Regionales Kompetenzzentrum vor, wie es in Marktheidenfeld denkbar wäre. Aufmerksame Zuhörer waren unter anderem (von links) Klinikumreferent René Bostelaar, stellvertretende Landrätin Sabine Sitter, Gesundheitsministerin Melanie Huml, Landtagsabgeordneter Thorsten Schwab und Landrat Thomas Schiebel. Foto: Wolfgang Dehm

Wird Marktheidenfeld zu einem Vorzeigeprojekt bei der Gesundheitsversorgung? Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml hält dies durchaus für möglich. Nach vielen und seit Monaten geführten Gesprächen im Hintergrund präsentierte sie am Freitagnachmittag gemeinsam mit der Leiterin der Landesvertretung Bayern der DAK Gesundheit, Sophie Schwab, und dem Landtagsabgeordneten Thorsten Schwab die Idee für ein Regionales Kompetenzzentrum für Pflege und Gesundheit. Viele Bausteine im Hinblick auf die mögliche Nachnutzung des Krankenhauses hat man schon gehört, nun aber kamen neue hinzu und vor allem auch der notwendige finanzielle Anschub: 200 000 Euro hat der Freistaat für die Projektentwicklung in den Haushalt gestellt.

"Das ist auch ein für den Freistaat interessantes Projekt", begründete Huml diese Förderung, nachdem Sophie Schwab zunächst ihr Konzept kurz vorgestellt hatte. Das Geld soll für einen Projektmanager verwendet werden, kann zum Beispiel aber auch eine zusätzliche Machbarkeitsstudie ermöglichen. Wichtig ist der Ministerin "ein Kümmerer vor Ort, jemand, der die Leute zusammenbringt, der die Netzwerke nutzt und das DAK-Konzept vorstellt". Eingeladen werden alle örtlichen Protagonisten, sagte der Abgeordnete Schwab, "von der Apotheke über die Fußpflege bis zum mobilen Zahnarzt".  

Regionales Kompetenzzentrum schaffen

Das DAK-Konzept sieht über einer Technikgestützten Infrastruktur fünf Säulen: Pflegeberatung, Ambulante Pflege, Stationäre Pflege, Medizinische Versorgung (Arztpraxen) und Mobilitätsdienstleistungen (wie Wäscherei, Bürgerbus, Essen auf Rädern). Gebündelt wird all dies im Regionalen Kompetenzzentrum (REKO), gesteuert und verteilt über ein Case Management. Dass ein solches REKO keine Luftnummer ist, sondern funktioniert, zeigt das im Oktober eröffnete Haus in Nordhorn. Auch hier wurde ein ehemaliges Krankenhaus umfunktioniert, berichtete Sophie Schwab. Hier gebe es unter anderem Ärzte, Apotheke, Lebenshilfewerkstätten, eine Pflegeschule und ein Café.   

Gesundheitsministerin Melanie Huml will, dass es in Marktheidenfeld vorangeht. Foto: Wolfgang Dehm

Beim Projekt in Marktheidenfeld werde sich die DAK "mit Manpower einbringen", es begleiten und voranbringen. Manches, was in Nordhorn gut laufe und vorhanden sei, könnte übertragen werden – so etwa die IT-Plattform oder die Schulung des Case Managements. Was die Finanzierung betrifft, so hält Ministerin Huml eine Förderung wie in Nordhorn aus Bundesmitteln für denkbar, aber auch aus dem Krankenhaus-Strukturfonds. "Mir ist es auch persönlich wichtig, dass es hier in Marktheidenfeld vorangeht", betonte sie.  

"Ich finde, das passt in unser Beuteschema", meinte Landrat Thomas Schiebel. Was er gehört habe, "ist gut für den Landkreis und den Bereich Marktheidenfeld".  Das Konzept habe "einen großen Deckungsbereich" mit dem, was der Kreistag an Zukunftsvorstellungen für Marktheidenfeld definiert habe. Main-Spessart sei Gesundheitsregion 50plus – hier könne man auch den Projektmanager anbinden. Schiebels Stellvertreter Sabine Sitter und Harald Schneider waren zuversichtlich, dass der Kreistag dem Konzept zustimmen werde. Schneider äußerte die Hoffnung, dass das Projekt "für Befriedung im Landkreis und insbesondere im Raum Marktheidenfeld" sorgen werde.  

Schmidt-Neder: Nachnutzung mit Mehrwert für die Bürger

"Es geht endlich voran", freute sich Marktheidenfelds Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder, die auch Vorsitzende der Allianz im Raum Marktheidenfeld ist. Deren 14 Bürgermeister hätten die Botschaft mit Freude aufgenommen. Schmidt-Neder: "Das ist eine Nachnutzung, die für unsere Bürger einen Mehrwert hat." 

Das Krankenhaus in Marktheidenfeld. Foto: Joachim Spies

Dass das Marktheidenfelder Krankenhaus "gut in Schuss ist" und neue Nutzer nicht viel investieren müssen, das machte Klinikreferent René Bostelaar beim Rundgang vor der Pressekonferenz deutlich. "Wenn wir es schaffen, hier zwei oder drei Facharztpraxen reinzubringen, dann wird das ein Magnet sein für die Region", zeigt er sich zuversichtlich.

Gespräche mit Orthopäden und Radiologen

Die OP-Räume könnten in kurzer Zeit reaktiviert werden, betonte er und erwähnte, dass es Gespräche mit einem Orthopäden gebe. Zudem gebe es "eine hochmoderne Röntgenabteilung". Bostelaar weiter: "Wir haben die Möglichkeit, hier ein MRT zu entwickeln." Auch diesbezüglich liefen Gespräche. Und weiterhin im Raum steht die Idee, auf dem Krankenhausgelände Platz anzubieten für einen Neubau der BRK-Wache, bestätigte Landrat Schiebel auf Anfrage

Zurück zur Entwicklung des REKO und dem Projektmanager. Wann soll der seiner Arbeit beginnen? Klinikreferent Bostelaar drückt aufs Tempo: "Jeder nicht genutzte Tag ist ein verlorener Tag". Gesundheitsministerin Melanie Huml formulierte es nicht so drastisch, meinte aber: "Noch 2020 damit zu starten wäre geschickt."

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