Rohrbach

Kranker Ahorn auch für Menschen gefährlich

Förster Werner Trabold zeigt Bohrmehl des Eichensplintkäfers in der Eichenrinde. Foto: Irmgard Hamann

Rund 70 Waldbesitzer folgten den Einladungen der Forstbetriebsgemeinschaft Arnstein nach Obersfeld und Rohrbach. Laut Pressemitteilung informierte Forstamtmann Werner Trabold mit Bildern und Anschauungsmaterial über die aktuellen Probleme im Wald, um die Eigentümer zu informieren, zu sensibilisieren und notwendige Maßnahmen zum Waldschutz vorzustellen.

Nach jetzt zwei trockenen und warmen Jahre gibt es Trabold zufolge kaum noch eine Baumart, die nicht in ungewöhnlich hohem Maß unter Schadinsekten, Pilzen oder Trockenstress leidet. Vor allem bei der Fichte, aber zum Teil auch bei Lärche und Kiefer komme es zu Massenvermehrungen von Borkenkäfern, die Kiefer werde zusätzlich von einem Pilz namens Diplodia heimgesucht, der häufig zum Absterben führe. Von Borkenkäfern befallene Bäume müssten umgehend aus dem Wald entfernt werden, um die weitere Ausbreitung zu stoppen.

Käfer vernichten Bäume

Auch die Laubbäume seien stark geschädigt, so der Forstfachmann: Buchen weisen abtrocknende Kronen und Schleimfluss an den Stämmen auf; Buchenborkenkäfer machen sich breit. Das Holz sei meist nicht mehr für die Säger verwendbar, sondern nur noch als Brennholz. Höchste Vorsicht sei bei der Fällung von Laubbäumen mit dürren Kronenteilen geboten, da jederzeit dürre Äste herunterbrechen können. Hier solle nur ein Fachmann mit Hilfsmitteln wie Funkwinde oder Funkkeil fällen oder ein Harvester eingesetzt werden, riet Werner Trabold. Man könne die Bäume auch als Biotopbäume stehen lassen, jedoch müssten gefährliche Bäume in der Nähe von Wegen, vor allem Straßen, gefällt werden.

Auch wenn die Eichen laut Trabold widerstandskräftiger seien als Buchen, zeigen auch viele Eichen Kronenverlichtungen, Schleimfluss und Käferbefall. Der Eichenprachtkäfer (zu erkennen an ovalen Einbohrlöchern) führe zum allmählichen Absterben des Baumes, wohingegen beim Eichensplintkäfer, erkennbar am Bohrmehl und Spechtabschlägen in der Krone und am Stammfuß, das Ende schnell nahe. Auch hier sollten befallene Bäume aus dem Wald geschafft und Brennholz nicht in Waldnähe gelagert werden.

Gefährliche Rußrindenkrankheit

Als relativ neues Übel trete seit zwei Jahren in Unterfranken die Rußrindenkrankheit am Ahorn, vor allem am Bergahorn auf, meist auf trockenen Standorten. Erkennbar ist die Rußrindenkrankheit an Welkeerscheinungen in der Krone, die Rinde schwillt bläschenartig an, platzt auf, es kommt zu schuppen- oder streifenförmigen Rindenabplatzungen. Darunter sind schwarzbraune, pulverartige, rußähnliche Sporenbeläge zu erkennen. Hier warnte Trabold: Die Sporen können beim Menschen Lungenbläschenentzündungen hervorrufen. Die Aufarbeitung sollte am besten mit Harvester oder bei Regenwetter und mit Mundschutz und Schutzkleidung erfolgen. Das Holz müsse aufgrund der Gefahr für den Menschen ausschließlich in Großfeuerungsanlagen entsorgt werden.

In manchen Gebieten drohe Kahlfraß durch Schwammspinnergelege - so etwas hatte der erfahrene Förster noch nicht erlebt; im vergangenen Jahr seien manche Waldabteilungen vollständig kahlgefressen worden. Die am meisten gefährdeten Bestände werden der Landesanstalt für Wald – und Forstwirtschaft (LWF) gemeldet. Dort wird in Absprache mit den betroffenen Waldeigentümern über eine mögliche Insektenbekämpfung aus der Luft entschieden.

Nadelholzmarkt verfällt weiter

Anschließend stellte die FBG Försterin Irmgard Hamann den aktuellen Holzmarkt vor. Sie hatte eine gute Nachricht: Die Preise für frisches, nicht geschädigtes Buchen- und Eichenstammholz und Brennholz bleiben in diesem Winter auf dem Vorjahresniveau und seien somit bei der Eiche sehr gut und bei der Buche passabel. Edellaubholz werde weiterhin nicht stark nachgefragt. Der Nadelholzmarkt verfalle zusehends, je nach Sortiment lägen die Preise um zwölf bis 20 Euro je Festmeter unter den bereits schlechten Vorjahrespreisen, führte die Försterin aus.

Hamanns Ratschlag: Wenn möglich, sollten Kleinprivatwaldbesitzer aus Fichten-, Lärchen- und Kiefernschadholz derzeit Brennholz machen, ansonsten biete die Forstbetriebsgemeinschaft ihre Unterstützung an. Pflege, Naturverjüngung und Pflanzung würden weiterhin durch das Amt für Ernährund, Landwirtschaft und Forsten gefördert. In Duttenbrunn, Retzstadt und Binsfeld finden Sammelhiebe statt. Interessenten für Polter- und Kronenholz können sich bei Försterin Irmgard Hamann (Tel. 0160/96369711) melden, ebenso wer Beratung bei Waldschäden oder Hilfe bei der Waldbewirtschaftung braucht.

Schwammspinnergelege und Puppenhüllen an einer Buche Foto: Irmgard Hamann

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