Lohr

Kreisbrandmeister Harald Hein: Einer, der für die Feuerwehr brennt

Harald Hein ist seit einem Jahr Kreisbrandmeister in Lohr. Foto: Pat Christ

Es bedeutet, noch einmal eine Schulung zu durchlaufen, noch mehr Zeit zu investieren. Und noch mehr Verantwortung zu tragen: "Als ich gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte, Kreisbrandmeister zu werden, bat ich mir deshalb erst mal Bedenkzeit aus", sagt Harald Hein. Würde er die zusätzliche Arbeit neben dem Job stemmen können? Der 54-Jährige aus dem Lohrer Stadtteil Wombach rang sich zu einem "Ja" durch.

Unter acht Kandidaten wurde gewählt. Seit 1. Februar 2019 ist Hein Kreisbrandmeister für den Bereich Lohr. Harald Hein rückt jedes Jahr zu rund 50 Einsätzen aus. Diese hohe Zahl kommt auch zustande, weil er gleich zwei Wehren angehört. Für die Wombacher Feuerwehr ist er seit 2006 als 1. Kommandant verantwortlich. Außerdem gehört Hein seit fast 20 Jahren auch der Lohrer Wehr an.

In seiner neuen Funktion als Kreisbrandmeister hat er darüber hinaus auch Feuerwehren im Lohrer Umland im Blick. "Das sind insgesamt zehn", sagt er. Zu den Freiwilligen Feuerwehren in Lohr und den sieben Stadtteilen kommen die Wehren in Neustadt am Main, Bergrothenfels und Erlach.

Aufgabe: Koordinieren

Bei jedem Einsatz heißt es, nach einer bestimmten Taktik vorzugehen. Je größer der Einsatz ist, umso kompliziertere Überlegungen sind anzustellen, was die Einteilung der Feuerwehrleute anbelangt. Als Kreisbrandmeister muss Harald Hein imstande sein, Einsätze zu führen, an denen alle zehn Wehren mit vielleicht 40 oder 50 Kräften beteiligt sind. Zum Glück kommen solche Einsätze selten vor. Zuletzt war das am 29. Mai 1991 der Fall. Damals kam es bei Partenstein zu einem Zugunglück, das ein Großaufgebot an Rettungskräften auf den Plan lief. Bei einem Lehrgang für "Verbandsführer für besondere Führungsdienstgrade" lernte Hein 2019, solche Einsätze zu managen.

Schön: Kameradschaft erleben

"Seine" Feuerwehr ist für Harald Hein eine Quelle der Freude. Der Floriansjünger "brennt" für die Organisation, der er mit 16 Jahren beigetreten ist. Vor allem die Kameradschaft zu erleben, sei schön. Und bei Einsätzen und Übungen hilft man einander. "Schon mein Vater und mein Onkel waren bei der Feuerwehr", erzählt der Mechatroniker, der bei Bosch-Rexroth tätig ist. Deshalb durfte er schon als Kind hinter die Kulissen der Wehr spitzen. Damals gab es jedoch noch keine Kinderfeuerwehr. Erst mit 16 Jahren durfte man Mitglied werden. Das, sagt Hein, ist heute zum Glück anders: Schon Sechsjährige lernen spielerisch, was ein Feuerwehrmann respektive eine Feuerwehrfrau tut.

Herausforderung: Mitgliederzahl

Vieles ist Übungssache. Man kann etwa lernen, mit der Spritze umzugehen. Manches jedoch muss man mitbringen. Ein Feuerwehrmann sollte robust sein. Körperlich wie seelisch. Unglücke richten sich nicht nach "genehmen" Tages-, Uhr- oder Jahreszeiten. Die Sirene geht in Frostnächten oder bei sengender Hitze. Auch gehört einiges dazu, die 30 Meter hohe Drehleiter zu erklimmen. "Das kann auch nicht jeder an jedem Tag", sagt Hein. Wer zerschlagen vom Dienst nach Hause kommt und spätabends zum Einsatz geholt wird, lässt das lieber bleiben.

Auf dem Programm der Wombacher Wehr steht 2020 intensive Mitgliederwerbung, weil es dringend Quereinsteiger braucht, um die Wehr zukunftssicher aufzustellen. "Schon jetzt liegen wir unter der Sollstärke", sagt Hein. 27 Aktive sollte die Wombacher Feuerwehr haben. Dann wäre jeder Platz im Feuerwehrauto sicherheitshalber dreifach besetzt – so, wie es angeraten ist. Tatsächlich sind nur 24 Wombacher aktiv. Die Crew um Hein entwickelt gerade einen Flyer, der, verbunden mit persönlicher Ansprache, zur Wehr locken soll. Außerdem wird ein Infoabend vorbereitet. Für viele Wehren ist Aktivenwerbung eine vordringliche Aufgabe. Als Kreisbrandmeister hat Hein auch die Situation in Halsbach, Ruppertshütten, Steinbach und den anderen Lohrer Stadtteilen im Blick. Wichtig wäre es, Männer und Frauen zu gewinnen, die an ihrem Heimatort arbeiten. Denn gerade die "Tagesalarmsicherheit" zu gewährleisten, wird immer schwieriger. Die heutige Arbeitswelt macht den Freiwilligen Feuerwehren zu schaffen. Hein: "Die Menschen sind immer stärker beruflich eingespannt." Sich neben der Arbeit und der Familie Zeit für die Wehr abzuzwacken, fällt zunehmend schwerer.

In Sachen Kinderfeuerwehr läuft es in Wombach im Moment optimal, freut sich Hein: "Wir haben 19 Kinder." Seit zehn Jahren gibt es die Abteilung für die Kleinen. Schon sechsmal gelang der Übertritt in die Jugendfeuerwehr. Kritisch wird es, wenn die Jugendlichen in das Alter kommen, in dem sie sich für einen Beruf entscheiden müssen. Viele wollen studieren. Und sind dann mehrere Jahre weg. Nur bei denjenigen, die wiederkommen, hat sich am Ende das langjährige Engagement der Aktiven für die Kinder- und Jugendfeuerwehrarbeit gelohnt.

Was die Feuerwehrleute im Altlandkreis sehr wurmt, ist, dass die Menschen mit immer weniger Verständnis auf "Unannehmlichkeiten" aufgrund von Einsätzen reagieren. "Man merkt daran, dass die Leute immer stärker unter Druck stehen", sagt Hein.

Kritik an Dränglern und Gaffern

Einmal kam es vor, dass einem Feuerwehrmann, der gerade mit der Absicherung beschäftigt war, bewusst über den Fuß gefahren wurde: "Der Autofahrer hatte es offenbar eilig und sah nicht ein, warten zu müssen." Ganz schrecklich findet Hein außerdem die wachsende Sensationslust, die sich darin äußert, dass von Unglücken Fotos gemacht werden, die man dann in digitale Netze stellt.

Kreisbrandmeister
Kreisbrandmeister (KBM) sind besondere Führungskräfte der Kreisbrandinspektion. Sie gestalten überörtliche Übungen und stehen den Feuerwehren in ihrem Kreis als Berater zur Seite. Insbesondere sind sie dafür ausgebildet, einen Abschnitt mit mehreren Feuerwehren zu leiten.
Rangordnung: Der Kreisbrandmeister untersteht dem Kreisbrandinspektor und dem Kreisbrandrat. Im Landkreis Main-Spessart ist Peter Schmidt aus Gemünden der Kreisbrandrat. Für den Bereich Lohr ist Harald Merz aus Wiesthal der Kreisbrandinspektor.
Zuständigkeit: Als Kreisbrandmeister von Lohr ist Harald Hein für zehn Freiwillige Feuerwehren im Altlandkreis zuständig. Die Aufgabe als Kreisbrandmeister im Bereich Lohr teilt er sich mit Edgar Karl aus Neuhütten.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Lohr
  • Pat Christ
  • Bergrothenfels
  • Bosch Rexroth AG
  • Feuerwehren
  • Feuerwehrleute
  • Freiwillige Feuerwehr
  • Jugendfeuerwehren
  • Kinder und Jugendliche
  • Kreisbrandinspektoren
  • Kreisbrandmeister
  • Kreisbrandräte
  • Peter Schmidt
  • Ruppertshütten
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!