Lohr

Krippen erinnern an Familienweihnacht

Mathilde Lembach mit der Krippe ihrer Eltern und einem ganz alten Schaf in der Hand. Foto: Henrietta Hartl

Im Pfarrheim herrscht vor dem Wochenende eifriges Treiben für den Aufbau von Weihnachtskrippen für eine kleine Ausstellung. Viele Kartons stehen herum, in denen die Krippen und die Figuren dazu das Jahr über sorgfältig eingepackt auf Dachböden, in Kellern oder Garagen schlummern.

Hier sollen, so der ausdrückliche Wunsch der Pfarrgemeinde beim Aufruf an Aussteller, auch einfache Familien-Krippen zu sehen sein. Also Krippen, deren Wert nicht unbedingt im Künstlerischen oder Historischen liegt, sondern darin, dass sie an Weihnachten das christliche Familienleben bereichern.

Für die Kinder der Familie

Michael Schecher meint: "Wenn man so eine Krippe aufbaut, da kommen dann immer die Erinnerungen hoch an all die Weihnachten früher." Er holt gerade einen Miniatur-Brunnen aus dem Karton, den er von seinem Großvater geerbt hat. Die Krippe allerdings hat er sich selber vor über 30 Jahren zugelegt: "Als ich eine Familie gegründet habe, da habe ich die ersten Teile für die Krippe gekauft. Denn ich wollte, dass meine Kinder das erleben und damit groß werden." Er entschied sich für die Figuren einer niederrheinischen Künstlerkrippe aus Kunstharz, die ihm besonders gut gefielen.

Drei Meter im Wohnzimmer

Dazu suchte er ein Krippengebäude, in das seine Figuren passen, denn die sind ziemlich hoch, 18 Zentimeter messen die Hirten oder Könige. Schecher fand dann auf einem Weihnachtsmarkt einen schlichten, offenen Stall in der geeigneten Größe. Für seine Kinder baute er drumherum jedes Jahr eine schöne Krippenlandschaft auf. "Gut drei Meter lang mit einem Bachlauf habe ich einmal gestaltet, aber das mache ich inzwischen nicht mehr." Schechers Figurenpark ist über Jahrzehnte gewachsen, es kamen immer mal wieder andere Tiere und Menschenfiguren dazu. Und natürlich hat der Brunnen vom Großvater jedes Mal einen Ehrenplatz.

Der geliebte Esel

Mathilde Lembach baut gerade die Krippe ihrer verstorbenen Eltern auf. Klara und Anton Gabel führten das Fachgeschäft Soeder, das eine lange Tradition im Krippenverkauf hat. Lembach erzählt, dass sie zuhause zunächst eine einfache Krippe hatten, als sie selber ein Kind war. Sie und ihre Geschwister liebten die Figuren und spielten gerne auch robust mit ihnen. Sie erinnert sich besonders an einen Esel mit samtigem Fell: "Der war an der Seite schon ganz eingedellt, und mein Vater wollte ihn eigentlich wegtun, aber das wollten wir nicht zulassen."

Den Esel gibt es nicht mehr, aber Lembach hat noch ein altes Schaf von damals, das sie mit einem Lächeln herzeigt. Als die Kinder dann schon groß waren, gönnten sich die Eltern in den Achtzigern eine der schönen, edlen Bernardi-Krippen aus dem Grödnertal mit ihren handbearbeiteten Holzfiguren. Neben dieser imposanten Krippe baut Lembach im Pfarrheim auch ihre kleinere Familienkrippe auf, mit der ihre eigenen Kinder großgeworden sind. Da sie im Geschäft ihres Bruders immer gerne beim Aufbauen der Krippen im Schaufenster hilft, geht ihr das rasch von der Hand.

Wurzeln vom Birnbaum

Die "Felsen" in der Krippenlandschaft sind Baumwurzeln, die sie mit Familiengeschichte verbindet: "Das war ein Birnbaum in Sendelbach, das ist noch von meinem Großvater." Zuhause baut sie die Krippe vor allem dann gerne auf, wenn die Enkel sie besuchen kommen. Sowohl Lembach als auch Schecher bedauern, dass bei immer weniger Familien zu Weihnachten eine Krippe steht. Schecher meint, die Krippenszenen machten das Weihnachtsgeschehen greifbar, gerade für Kinder. Die können sich die Krippen noch nächstes Wochenende im Pfarrheim ansehen. Nach dem 2. Advent werden die Krippenbesitzer ihre Landschaften wieder mitnehmen, um sie rechtzeitig im Weihnachtszimmer aufbauen zu können.

Hintergrund: Krippen zum Besichtigen
Die Lohrer Ausstellung zeigt über 20 Krippen, von der einfachen Familienkrippe bis zu kleinen Kunstwerken aus Holz, Kunststoff oder Stroh. Die Ausstellung ist im Pfarrheim in der Kleinen Kirchgasse 4 noch am zweiten Adventswochende zu sehen: Am Samstag, 7. Dezember, von 14 bis 17 Uhr, und am Sonntag, 8. Dezember, von 11.45 bis 18.45 Uhr. 
Michael Schecher mit dem alten Brunnen von seinem Großvater. Foto: Henrietta Hartl

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