Lohr

Kritik an Gärten mit Schotterbelag

Die Schotterflächen rund um die sanierten Wohnblocks der Baugenossenschaft Lohr ernteten im Stadtrat Kritik. Sie passten nicht mit dem Bemühen zusammen, Lohr als Biodiversitäts-Stadt zu positionieren. Das Bild zeigt noch nicht bepflanzte Schotterflächen vor einem Wohnblock der Ba... Foto: Johannes Ungemach

Wie passen größere Schotterwüsten zu dem Image, welches sich die Stadt Lohr als Modellkommune in Sachen Artenvielfalt geben will? Diese Frage wurde in der jüngsten Stadtratssitzung teilweise hitzig diskutiert.

Entzündet hatte sich der Disput an der Art, wie die Baugenossenschaft Lohr den Umgriff ihrer Wohnblocks gestaltet. Ulla Menzel (CSU) wunderte sich über die »Schottergärten« im Umfeld der in jüngerer Zeit sanierten Gebäude in der Weisenau.

Diese Art der Gartengestaltung passe nicht damit zusammen, dass die Stadt Lohr sich am bayernweiten Modellprojekt »Marktplatz der biologischen Artenvielfalt« beteilige, so Menzel.

Bepflanzung folgt

Bernd Karmann, der Geschäftsführer der Baugenossenschaft, erklärte, dass die derzeit recht nackigen Schotterflächen »noch nicht fertig« seien. Man werde sie bis zum Frühjahr punktuell bepflanzen. Der bereits vorhandene Schotter werde jedoch bleiben.

Der angestrebte Endzustand der nun kritisierten Freiflächen könne jedoch vor dem Wohnblock der Baugenossenschaft an der Rodenbacher Straße betrachtet werden.

Karmann verwies darauf, dass die Baugenossenschaft in manchen Innenhöfen Blumenwiesen angelegt habe, die im Sommer teils über einen Meter hoch seien. Generell sei es jedoch so, dass die Mieter die Betriebskosten für Grünanlagen nicht tragen wollten, begründete der Geschäftsführer das Anlegen der als pflegeleicht geltenden Schottergärten.

»In Frankfurt wäre das verboten«, schimpfte indes Ernst Herr (CSU) über die mit großen, dunklen Schottersteinen belegten Flächen.

Herr kritisiert Paul

Diese seien vielleicht »pflegeleicht, ordentlich und sehen schick aus«, so Herr. Lohr wolle sich jedoch als »die große Biodiversitätsstadt« rühmen. Dann jedoch lasse es der Bürgermeister als Aufsichtsratsvorsitzender zu, dass die Baugenossenschaft, an der die Stadt einen Anteil von 60 Prozent hat, solch verarmte Flächen anlege, so Herrs Frontalangriff auf Mario Paul.

Dieser erklärte, dass die Baugenossenschaft das tue, was »wirtschaftlich machbar ist für die Biodiversität«. Der Schotter diene als Bodendecker. Man solle die nun gescholtenen Flächen bitte erst dann beurteilen, wenn sie bepflanzt seien und sich entwickelt hätten. Paul sprach von einer großen Blütenpracht, die im Sommer Nahrung für Insekten und Bienen bieten werde.

Das Thema der Schotterwüsten spielte bereits vor einigen Monaten in Lohr eine Rolle. Im Juni machten sich verschiedene Akteure bei einem von der Stadt initiierten Auftaktworkshop Gedanken darüber, wie sich Lohr im Rahmen des bayernweiten Modellprojekts zur Biodiversität positionieren und die Artenvielfalt in der Stadt steigern könnte. Ein Maßnahme, die danach als Ziel ausgegeben wurde, war die artenreiche und naturnahe Gestaltung von Gärten.

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