HÖLLRICH

Kunstunterricht im Dornröschenschloss

Die Künstlergruppe in Schloss Höllrich macht Pause, und Kursleiter Hartwig Kolb erfrischt seine Schüler mit der Gießkanne.
Die Künstlergruppe in Schloss Höllrich macht Pause, und Kursleiter Hartwig Kolb erfrischt seine Schüler mit der Gießkanne. Foto: Hans Herr
Als Berater und Helfer steht Kunstlehrer Hartwig Kolb zur Seite.
Als Berater und Helfer steht Kunstlehrer Hartwig Kolb zur Seite.

Nach dem zufriedenstellenden Erfolg des vergangenen Jahres wagte sich der Künstler Hartwig Kolb aus Steinbach bei Lohr an eine Neuauflage der Höllricher Kunsttage. Die Idee ist, mit einem Kunstseminar einerseits die künstlerische Szene in der Region zu bereichern und andererseits anderen Kunstschaffenden über vier Tage hinweg die Möglichkeit zu geben, unter fachkundiger Anleitung Neues zu erfahren, Fähigkeiten zu entdecken oder zu verbessern.

Ganz zufrieden ist Kolb in diesem Jahr jedoch nicht. „Für dieses Projekt ist doch wohl ein langer Atem nötig“, sagte er bei einem Pressegespräch im Hof der Schlossanlage Höllrich. Trotz intensiver Bewerbung der Seminarangebote sei die Resonanz nicht wie erwartet gewesen. Für die geplante Fotofortbildung mit dem Fotografen Thomas Kohnle hätten sich nur zwei Personen interessiert, für die Schreibwerkstatt der Autorin Krystyna Kuhn sogar nur eine. An seinem eigenen Angebot Experimentelles Malen und Gestalten nehmen augenblicklich neun Künstler teil.

„Für dieses Projekt ist doch wohl ein langer Atem nötig.“
Hartwig Kolb, Seminarleiter

Dabei ist das gebotene Umfeld mehr als ideal für die künstlerische Betätigung. Das ehemalige Wasserschloss der Familie von Thüngen aus dem späten 16. Jahrhundert erinnert mit dem idyllischen Hofraum und dem Garten, mit Ruinen und restaurierten Gebäuden an ein verwunschenes, schlafendes Dornröschen-Schloss, das darauf wartet, von Kunstliebhabern wachgeküsst zu werden.

Acht Frauen und ein Mann am Werk

Im wunderschönen weitläufigen, offen gehaltenen Südflügel sind acht Frauen und ein Mann am Werk. Am Vormittag haben sie mit verschiedenen Materialien und Farben Collagen erstellt, diese dann mit einem Passepartout teilweise überdeckt und so den individuell interessantesten Bildausschnitt ermittelt. Jetzt am Nachmittag übertragen sie diese Entwürfe auf Leinwand oder andere Unterlagen.

Da ist zum Beispiel Uta Schäfer, die an einem Bild voller freundlicher Farben arbeitet, das optimistisch stimmt. Gertraud Hohmann hat sich eine Collage mit aufgelegten Papierstreifen vorgenommen. Dabei zeigt sie eine interessante, kontrastreiche Flächenaufteilung, die mit besonderen Farbstrukturen korrespondiert.

Der Hausherr Hans Herr sowie der Maler und Kunsttherapeut Kolb beten den Gästen freien Raum, mit Farben und verschiedenen Materialien zu experimentieren. Frottagen von alten Böden und Mauern können zur Weiterverarbeitung mit Gouache- und Acrylfarben anregen, wobei auch Fundstücke und Erden einbezogen und kompositorisch zu einem eigenen Bild vollendet werden können. Die Kursteilnehmer werden immer aufs Neue aufgefordert, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen, erklärt Kolb.

Am Anfang stand die Abstraktion

Im Mittelpunkt des ersten Arbeitstags am Dienstag stand die Abstraktion. Vom ansprechenden Umfeld inspiriert sollten die Teilnehmer mit Farben und Formen ausdrücken, was sie innerlich bewegt, und dem Betrachter Stimmungen vermitteln. Nach der üblichen Morgenbesprechung geht es an die Arbeit. In den Räumen des Schlosses hat jeder Teilnehmer die Möglichkeit, sich in eine eigene Nische oder gar in ein Nebenzimmer zurückzuziehen oder aber in der Gemeinschaft mit den anderen zu arbeiten.

Der Kursleiter, den die meisten schon aus Steinbach kennen, steht jederzeit mit Rat und Tat zur Verfügung.

Finissage zum Abschluss

Vier Tage lang dauert dieses Kunstseminar. Für Freitagnachmittag laden die Teilnehmer ab 17 die kunstinteressierte Öffentlichkeit zu einer Finissage in den Schlosshof ein, bei der die entstandenen Werke betrachtet werden können. Ab 19 Uhr gibt die Gruppe „deep blue connection“ ein sommerliches Gartenkonzert mit Klassikern und Oldies. Die Band aus dem Raum Bad Kissingen/Main-Spessart will diese Stücke wieder aus der Schublade zu holen und neue Fans mit ihrer Begeisterung gewinnen. Die vier Musiker Ralf Werner (Klavier, Gitarre, Gesang), Marius Werner (Gitarre, Percussion), Thomas Kuhn (Schlagzeug) und Susanne Schreck (Gesang) lieben die Neuinterpretation von alten Klassikern aus dem American Songbook. Es sind leichte, swingende Melodien, aber auch gefühlvolle, berührende Balladen – ideal für einen Sommerabend, so lautet das Versprechen der Veranstalter.

Die Höllricher Kunsttage bieten Gelgenheit, um mit malerischen Mitteln innere Gefühle auszudrücken. Auf dem Foto entsteht ein abstraktes Gemälde in optimistisch stimmenden, hellen Farben.
Die Höllricher Kunsttage bieten Gelgenheit, um mit malerischen Mitteln innere Gefühle auszudrücken. Auf dem Foto entsteht ein abstraktes Gemälde in optimistisch stimmenden, hellen Farben. Foto: Günter Roth
Die Künstlergruppe in Schloss Höllrich macht Pause, und Kursleiter Hartwig Kolb erfrischt seine Schüler mit der Gießkanne.
Die Künstlergruppe in Schloss Höllrich macht Pause, und Kursleiter Hartwig Kolb erfrischt seine Schüler mit der Gießkanne. Foto: Hans Herr
Auch mit der Spachtel werden Ideen kreativ umgesetzt.
Auch mit der Spachtel werden Ideen kreativ umgesetzt.

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