Sackenbach

Kurz vor Weltwirtschaftskrise geweiht

Die Kirche St. Bonifatius in Sackenbach wurde 1928/29 erbaut und am 13. Oktober 1929 vom Würzburger Bischof Matthias Ehrenfried geweiht. Bildunterschrift 2019-10-14 --> Die Kirche St. Bonifatius in Sackenbach wurde 1928/29 erbaut und am 13. Oktober 1929 vom Würzburger Bischof Matthias Ehrenfried geweiht. ?Fotos: Thomas Josef Möhler Foto: Thomas Josef Möhler

Die Sackenbacher Pfarrgemeinde hat am Sonntag das 90-jährige Bestehen ihrer Kirche St. Bonifatius an der Spessartstraße gefeiert. Der Bau des Gotteshauses hatte 1928 begonnen. Am 13. Oktober 1929 weihte es der Würzburger Bischof Matthias Ehrenfried.

Mit dem Kirchenbau habe die kleine Gemeinde etwas Großes geleistet, betonte Pfarrer Sven Johannsen. Die Gemeindemitglieder hätten "viel Mühe und Zeit hineingesteckt und damit die Kirche zu ihrer eigenen gemacht". Die Kirche lebe davon, "dass Menschen Zeit und Kraft investieren".

Bereits am Donnerstag hatte der Sackenbacher Lokalhistoriker Gerd Walter vor 30 Zuhörern im Pfarrheim vom Bau der Kirche berichtet. Dabei bezeichnete Pfarrer Johannsen die Kirchenweihe am 13. Oktober 1929 als "wirklich glückliche Stunde". Denn zwei Wochen später sei die Weltwirtschaftskrise ausgebrochen, an einen Kirchenbau wäre dann nicht mehr zu denken gewesen.

Nach Angaben von Walter gab es in Sackenbach seit 1803 einen Kirchenersatz am heutigen Alten Kirchplatz: Die Gemeinde hatte seinerzeit ein altes Erthal-Hofgut gekauft und verwendete es für Schule und Kirche. Als ringsum in den Dörfern neue Kirchen gebaut wurden, wuchs auch in Sackenbach ein entsprechender Wunsch.

Die Sackenbacher Kirchengemeinde hat die Weihe ihres Gotteshauses St. Bonifatius vor 90 Jahren mit einem Festgottesdienst gefeiert. Foto: Thomas Josef Möhler

Kirchenbaufonds seit 1893

Seit 1893 gab es einen Kirchenbaufonds. Die Finanzierung erwies sich als schwierig, obwohl die Kirchengemeinde bereits 1903 den Bauplatz an der Spessartstraße der Gemeinde abgekauft hatte. Die große Inflation von 1923 kam dazwischen, die Gemeinde hatte nach einem Waldkauf und einer Schulerweiterung wenig Geld.

Erst am 26. August 1928 konnte der Grundstein gelegt werden, der mit einem Ochsenkarren aus dem Wald herantransportiert wurde. Der Kirchenbau kostete schließlich zwischen 60000 und 70000 Reichsmark. Die genaue Endsumme ist nicht bekannt, denn das Bezahlen von Rechnungen zog sich bis in die 1940er Jahre hin.

Der Bau nach Plänen des Stockstadter Architekten Johann Adam Rüppel im Stil des Historismus wuchs rasch in die Höhe, nur gebremst durch den Winter 1928/29, den kältesten des Jahrhunderts. Laut Walter war das Eis auf dem Main damals einen Meter dick, der Fluss konnte von Pferdefuhrwerken überquert werden.

Am Sonntag, 13. Oktober 1929, bewegte sich eine Prozession mit Bischof Matthias Ehrenfried von der alten zur neuen Kirche. Die Reliquien wurden übertragen. Der Kirchenweihe schloss sich ein Festmahl im "Grünen Baum" an. Die Rechnung ist noch im Kirchenarchiv vorhanden: Aufgelistet sind 15 Mittagessen und 16,5 Flaschen Wein.

Doch mit Bau und Weihe "war das Thema noch lange nicht erledigt", betonte Gerd Walter. Denn die letzten Schulden seien erst 1944 bezahlt worden. Schon ein Jahr später, gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, wurde das Gotteshaus schwer getroffen. Es zählte zu den am schwersten beschädigten in ganz Unterfranken.

Glockengeschichte

Eine der beiden Glocken war für Kriegszwecke eingeschmolzen worden, die andere wurde im Krieg zerstört. Erst 1952 bekam Sackenbach vom "Glockenfriedhof Hamburg" zwei neue Glocken, die dem Einschmelzen entgangen waren. 1960 folgten zwei weitere Glocken, 1969 musste eine gesprungene Glocke ersetzt werden. Nach Angaben Walters gab es 1959 und 1983 zwei große Innenrenovierungen des Kirchengebäudes.

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