BURGSINN

Kurze Unruhen in Burgsinn überstanden

Machtübernahme in Burgsinn: In Siegerpose präsentieren die Burgsinner Narren im Foyer des Rathauses ihre aneinandergefesselten Gefangenen und den monströsen Rathausschlüssel als Zeichen der neuen Herrschaft. Die wenigen Gemeinderäte und Bürgermeister Robert Herold ergaben sich kampflos der Übermacht.
Machtübernahme in Burgsinn: In Siegerpose präsentieren die Burgsinner Narren im Foyer des Rathauses ihre aneinandergefesselten Gefangenen und den monströsen Rathausschlüssel als Zeichen der neuen Herrschaft. Die wenigen Gemeinderäte und Bürgermeister Robert Herold ergaben sich kampflos der Übermacht. Foto: Fotos (3): Helmut Hussong

Mittlerweile haben Unruhen, die sich in Gemünden und Umgebung bereits seit dem 11. November bei ganz speziellen Bevölkerungsgruppen in verschieden Städten und Gemeinden entwickelten, auch auf den Sinngrund übergegriffen. Nach Einbruch der Dunkelheit sammelten sich in der Marktgemeinde Burgsinn kleine Grüppchen vor dem Rathaus. Anspannung begann sich breitzumachen, und dann pünktlich um 19.11 Uhr zogen bunt gekleidete Gesellen, lautstark lärmend, vom Rienecker Tor, auch Untertor genannt, bei Fackelschein vor das neue Burgsinner Machtzentrum.

Lauthals bekundeten die Anführer der im Faschingsverein Weiß-Blau organisierten Aufständischen ihre Unzufriedenheit mit der aktuellen Regierung durch Bürgermeister und Gemeinderat. In Rage gekommen, stürmten sie unter dem Applaus und Beifallsrufen der anwesenden Bürger schließlich das Rathaus.

Wenig Verteidigungswille

Das Gemeindeparlament hatte wohl mit diesen Unruhen gerechnet und war nur in verminderter Zahl zur Verteidigung des Regierungssitzes angetreten. Angesichts der närrischen Übermacht gab es erst gar keinen Verteidigungsversuch, sondern die Machthaber versteckten sich in den Zimmern und Irrgängen des Rathauses.

Doch das nutzte nichts. Bereits nach kurzer Suche brachten junge Narren Bürgermeister Robert Herold gefesselt aus dem Keller. Andere durchsuchten die oberen Stockwerke und brachten weitere Gemeinderäte in Reih und Glied gebunden in den Sitzungssaal.

Gemeinderäte gefesselt

Dort verkündeten die närrischen Rädelsführer und Sitzungspräsidenten Anne Schönmeier und Jasmin Neumann, unterstützt vom Vereinsvorsitzenden Thino Baumeister, aus den Fenstern den wartenden Bürgern die Machtübernahme: „Helau, Ihr Närrinnen und Narren, nun müsst ihr nicht mehr länger harren, endlich ist es wieder soweit – in Burgsinn ist Faschingsnarrenzeit.“ Stolz präsentierten sie den riesigen Rathausschlüssel als Zeichen ihrer Herrschaft. Aneinandergefesselt wurden die wenigen Ratsmitglieder, allen voran Bürgermeister Herold, unter dem Jubel der grölenden Menge auf den Rathausplatz geführt. Zuvor hatten sich die Narren mit ihren Gefangenen im Foyer noch zum Siegesfoto gestellt.

Draußen mussten die Räte erst mal in zwei Gruppen gegeneinander antreten, geistig schuften, Fragen beantworten, immer wieder zum Rathauseingang rennen und eine Stromleitung bauen, damit ihnen ein Licht aufgehe. Spätestens damit ist das Stromtrassenthema sichtbar auch bei den Narren angekommen. Den Politikergruppen Rot und Blau standen mit der kürzeren Sinngrundtrasse und der deutlich längeren Saaletaltrasse zwei Alternativen zur Wahl, um möglichst schnell und effizient den Windstrom ans Ziel zu bringen. Beide Gruppen wählten übereinstimmend sofort den kürzesten Weg (hier durch das Sinntal). Für jede erfolgreich beantwortete Frage gab es als Belohnung ein Leitungsstück. Von Frage zu Frage, von Leitungsstück zu Leitungsstück, von Mast zu Mast arbeiteten sich die Politiker voran.

Gefordert war hier Burgsinner Spezialwissen. „Wie viele Einwohner hatte Burgsinn Ende 2013, wie alt ist der älteste Bürger, wie viele Laternen stehen im Burgsinner Park, wann wurden die Sinngrundhalle und das neue Rathaus eingeweiht?“, das waren nur einige der Fragen, die die Gemeindepolitiker richtig beantworten mussten. Auf großem Fuß (mit Schuhgröße 46) lebt Bürgermeister Robert Herold. Allein 91 Fenster hat das neue Rathaus. Im Jahr 2014 stellten sich nur noch 21 Schüler im Burgsinn in der neunten Klasse der Quali-Prüfung. Heuer gab es bis jetzt elf Neugeborene in der Marktgemeinde. Der Faschingsverein Weiß-Blau zählt 235 Mitglieder, das Gremium traf sich bisher zu zwölf Sitzungen, und es gibt vier Metzger in Burgsinn. Das alles sollten die Räte auch wissen.

Als Vorkämpfer startete der Bürgermeister mit dem Leitungsstück in der Gruppe Rot. War es Zufall, Glück oder Können? – Nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Rot und Blau setzte der Bürgermeister für seine Gruppe auch das letzte entscheidende Leitungsstück ein. Unter dem begeisterten Beifall der Burgsinner Bürger ging Herold schließlich ein Licht auf. Die Verliererguppe bekam die abschließende Aufgabe, mit der Sammelbüchse durch die Reihen zu gehen. Wie im Vorjahr auch werden das Ergebnis der Sammlung und der Reinerlös von der Verköstigung der Akteure und Zaungäste wieder den Burgsinner Kinderspielplätzen zugutekommen.

ONLINE-TIPP

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Miss Grahwinkel: Die Symbolfigur der Burgsinner Fasenacht wartete auf dem Behindertenparkplatz den Rathaussturm ab.
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Stromtrassen-Wettbewerb: Mit der schnellen Verlegung eines Stromkabels ging Bürgermeister Robert Herold ein Licht auf.
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