Lohr

Lässt sich das alte Pflaster abschleifen?

Auf dem Kirchplatz in Johannesberg wurde 2016 das holprige Pflaster abgeschliffen. Foto: Melanie Pollinger

Könnte man in der Lohrer Fischergasse Barrierefreiheit schaffen, indem man das holprige Kopfsteinpflaster abschleift? Diese Frage warf Michael Kleinfeller (CSU) in einer Ausschusssitzung des Stadtrates auf. Bürgermeister Mario Paul sicherte zu, dass man Kleinfellers Vorschlag prüfen werde. Es sei jedoch mit höheren Kosten zu rechnen. Überdies habe die Denkmalbehörde erklärt, dass ein abgeschliffenes Pflaster "genauso tot" sei wie ein neues, so Paul.

Um das Kopfsteinpflaster in der Fischergasse hatte es zuletzt wiederholt Diskussionen gegeben. Die Stadt will den historischen Straßenzug 2020 sanieren. Dabei, so die ursprüngliche Planung, hätte das alte Pflaster komplett gegen neues Betonpflaster ausgetauscht werden sollen.

Ringen um altes Pflaster

Dagegen jedoch protestierten die Anwohner. Sie wollen möglichst große Teile des alten Pflasters erhalten. Die Stadt plante daraufhin um. Noch immer gibt jedoch Diskussionen darum, wie breit der nun vorgesehene "Komfortstreifen" werden soll. Die Gasse wieder komplett mit dem alten Pflaster zu belegen, ist laut Aussage des Planers nicht möglich, da bei Aus- und Einbau rund ein Drittel der Steine kaputtgehen könne. Das jedoch zweifeln die Anwohner unter Berufung auf Experten an.

Mittlerweile ist der Konsens zwischen Stadt und Anwohnern der, dass der Rollatorweg so schmal wie möglich werden soll. Ausschlaggebend dürfte dabei sein, wie viel die Stadt noch von dem historischen Pflaster besitzt. Auch im Bauhof lagert noch eine größere Menge davon.

Für das von ihm ins Spiel gebrachte Abschleifen des historischen Pflasters führte Kleinfeller verschiedene im Internet entdeckte Beispiele an. Er sprach von einem Nassschleifen mit einer Spezialmaschine. Anschließend würden die Steine geflämmt, wobei wieder eine Grobporigkeit entstehe. Vielleicht, so Kleinfeller, sie die Methode auch etwas für den Rodenbacher Dorfplatz, wo es immer wieder Klagen über zu laute Abrollgeräusche beim Überfahren der Pflasterflächen gebe.

Beispiel in Johannesberg

Erfahrungen mit dem Abschleifen von Pflaster hat die Gemeinde Johannesberg (Kreis Aschaffenburg) gemacht. Wie Bürgermeister Peter Zenglein gegenüber der Redaktion erklärte, wurde dort 2016 das Pflaster des Kirchplatzes abgeschliffen. Das indische Pflaster sei erst erst 1999 verlegt worden und ausgesprochen holprig gewesen, "holpriger als das in der Lohrer Innenstadt«"so Zenglein.

Die Arbeit habe eine Firma erledigt, die ein patentiertes Verfahren entwickelt habe. Die Fugen seien vor dem Abschleifen mit Beton ausgeschlämmt worden. Es hätten sich keine Steine gelockert. Die Kosten des Abschleifens hätten damals rund ein Drittel dessen betragen, was für ein neues Pflaster fällig geworden wäre, so Zenglein, von Beruf Straßenbautechniker.

Über das Ergebnis sagt er: "Das kann man empfehlen." Die vorher holprige Fläche sei heute problemlos mit dem Rollator befahrbar.

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