Karlstadt

Landkreis Main-Spessart trennt sich von Klinikreferent Gregor Bett

Das kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel: Der Landkreis Main-Spessart teilt mit, dass er sich von seinem Klinikreferenten Gregor Bett trennt.
Dr. Gregor Bett, Klinikreferent im Klinikum Main-Spessart. Foto: Gerald Huter

Der Kreistag des Landkreises Main-Spessart hat beschlossen, sich vom bisherigen Klinikreferenten Dr. Gregor Bett zu trennen. Das unbefristete Arbeitsverhältnis wurde gekündigt und endet zum 31. März 2020, teilt die Pressestelle des Landratsamts am Freitagmittag mit.

Die Begründung lässt wenig Rückschlüsse auf die Ursache zu: "Der Landkreis sieht in den bevorstehenden Aufgaben des Neubaus des Zentralklinikums in Lohr, in der Sicherung der medizinischen Nachnutzung des Marktheidenfelder Krankenhauses und in dem zunehmenden medizinischen Versorgungsbedarf auch im ambulanten Bereich große Herausforderungen, denen man sich mit einer neuen Führung stellen möchte."

Landrat strebt "einvernehmliche Trennung" an

Landrat Thomas Schiebel werde Bett, der sich im Krankenstand befindet, ein Gespräch für eine vorzeitige einvernehmliche Trennung anbieten, schließt die Pressemitteilung. Weiter wollte sich Schiebel am Freitag nicht zu dem Thema äußern. Er werde bei einer Pressekonferenz am Montag oder Dienstag darauf eingehen, kündigte er an.

Vor seinem Dienstantritt im Oktober 2016: Der neue Klinikreferent Dr. Gregor Bett (Mitte) zusammen mit Landrat Thomas Schiebel und Personalleiter Günter Betz. Foto: Klaus Gimmler

Bett trat seine Stelle am 1. Oktober 2016 an. Als Leiter des Klinikums Main-Spessart war er zuständig für die drei Krankenhäuser Karlstadt, Lohr und Marktheidenfeld, zwei große Senioreneinrichtungen in Gemünden und Marktheidenfeld sowie das Bildungszentrum für Pflegeberufe in Marktheidenfeld. Damit war er Chef von 1200 Angestellten.

Aus drei mach eins: das Zentralklinikum war seine Hauptaufgabe

Seine wesentliche Aufgabe war es, den Beschluss des Kreistags umzusetzen, nämlich: die drei Krankenhäuser zu einem neuen Zentralklinikum in Lohr zusammenzuführen.

Das ehemalige Krankenhaus Karlstadt, rechts die Heroldstiftung (Altenheim) Foto: Karlheinz Haase

Das Krankenhaus Karlstadt wurde Ende September 2017 geschlossen. Schon während der Diskussionen um die Klinik in Karlstadt zog sich Bett dort große Antipathie zu. Viele Karlstadter wehren sich nach wie vor gegen eine Einlieferung nach Lohr und beklagen die dortige Versorgung.

Karlstadter Krankenhaus ist verkauft

Die Liegenschaft in Karlstadt verkaufte der Landkreis Main-Spessart für rund 1,82 Millionen Euro an die Gesundheitszentrum Karlstadt GmbH, hinter der als Projektentwickler die Würzburger Beethovengruppe steht. Vertreten wird diese durch Geschäftsführer Alexander Weigand und den Zellinger Allgemeinarzt Dr. Johannes Kromczynski. Um das Gebäude weiterhin als Sitz der Klinikverwaltung nutzen zu können, reduzierte der Landkreis den Kaufpreis um 765 000 Euro.  Der reine Kaufpreis belief sich demnach auf 1,05 Millionen Euro. Der Vertrag wurde mit dem Jahreswechsel 2018/19 wirksam.

Das Krankenhaus Marktheidenfeld Foto: Luftaufnahme Kremen

Der Stand der Dinge in Marktheidenfeld

In Marktheidenfeld bemüht sich eine Bürgerinitiative intensiv um die Nachnutzung des dortigen Krankenhauses, dessen Aufgaben nach und nach schon nach Lohr verlagert wurden. Erst im Februar informierte Senioreneinrichtungsreferent Michael Pfab in der Sitzung des Werkausschusses des Landkreises über den aktuellen Stand der Dinge. Demnach gibt es im Krankenhaus Marktheidenfeld derzeit eine Akutgeriatrie mit 32 Betten, eine Abteilung für innere Medizin mit 28 Betten, eine geriatrische Rehabilitation mit 45 Betten und ein Pflegeheim mit 86 Plätzen.

Daneben gebe es im ambulanten Bereich Facharztpraxen für Frauenheilkunde, Zahnheilkunde und - seit Januar - Neurologie und Psychiatrie. Ferner seien ein Schlaflabor vorhanden sowie Angebote in Sachen psychologische Psychotherapie, Logopädie und Physiotherapie. In Planung seien eine geriatrische Institutsambulanz sowie eine radiologische Facharztpraxis. Untergebracht sind weiterhin Schulen für Krankenpflege, Altenpflege und Altenpflegehilfe sowie das Gesundheitsamt. Der ehemalige Operationsbereich, die ehemalige Notaufnahme und die ehemalige Intensivstation sind derzeit ungenutzt. 

So soll das künftige Zentralklinikum in Lohr aussehen.  Foto: Sander.Hofrichter Architekten GmbH

Den Bau eines neuen, zentralen Klinikums mit 280 Betten in der Nähe des Bezirkskrankenhauses in Lohr beschloss der Kreistag auf Initiative von CSU und SPD am 2. Dezember 2015 mit 49:8 Stimmen. Dessen Gesamtkosten werden derzeit mit 143 Millionen Euro kalkuliert. Mit der Eröffnung sei im Jahr 2023 zu rechnen, kündigte Bett im Juni 2018 an.  Im Dezember billigte der Stadtrat Lohr den vorhabenbezogenen Bebauungsplanentwurf für das neue Klinikum.

Anfang Februar forderte die CSU-Kreistagsfraktion, einen "Kümmerer" zur Wahrnehmung der Bauherrenaufgaben des Landkreises einzusetzen. Er solle die Koordination der diversen Akteure und die Verbindung zum Kreistag Main-Spessart als oberstem Beschlussorgan sicherstellen. Ebenfalls Anfang Februar mahnte die grüne Kreistagsfraktion an, endlich die Arbeitsgruppe zu installieren,die eigentlich schon im Herbst 2018 tätig werden sollte.

Erste Reaktionen

Laut dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Franz Wolf hat sich die Trennung von Bett schon länger angebahnt. Als der Unmut über den Klinikreferenten auch im Lohrer Krankenhaus immer lauter geworden sei, "haben wir die Reißleine gezogen". Die Fraktionssprecher Brigitte Riedmann (Freie Wähler), Walter Höfling (CSU) und Gerhard Thumes (Freie Bürger) wollten sich zu dieser Personalangelegenheit nicht öffentlich äußern. Gerhard Kraft von den Grünen kommentierte die Angelegenheit mit einem einzigen Satz: "Wir Grünen stehen zu dieser Entscheidung."

Dieser Beitrag wurde im Laufe des Tages mehrfach aktualisiert.

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