Massenbuch

Landwirt klagt: Man wird für seine Arbeit beschimpft

Man werde für seine Arbeit beschimpft, beschwert sich Landwirt Thomas Riedmann in Massenbuch. Sein Hof war die erste Station der Landkreisbereisung des Bauernverbands.
Die Teilnehmer der Landkreisbereisung des Bauernverbands auf dem Hof von Gerhard und Robert Klüpfel in Steinfeld.
Die Teilnehmer der Landkreisbereisung des Bauernverbands auf dem Hof von Gerhard und Robert Klüpfel in Steinfeld. Foto: Klaus Gimmler

Es ist schon Tradition. Einmal im Jahr lädt der Bauernverband Main-Spessart zur Landkreisbereisung ein. Erste Station war diesmal der Bauernhof von Thomas Riedmann in Massenbuch. Er stellte seinen Hof vor, nutzte aber auch die Gelegenheit, seinem aufgestauten Ärger Luft zu machen.  "Es fehlt an Wertschätzung der Arbeit der Landwirte, man wird für seine Arbeit beschimpft", sagte er.

Gut 20 Personen waren der Einladung von Elmar Konrad, Geschäftsführer des Bauernverbands Main-Spessart, gefolgt, darunter Landrat Thomas Schiebel, einige Mitarbeiter des Landratsamts und der Bayerischen Staatsforsten, Kreisobmann Reinhard Wolz und Kreisbäuerin Maria Hoßmann.  Thomas Riedmann stellte zusammen mit seinem Sohn Julian seinen Betrieb vor, der umfangreiche land-, forstwirtschaftliche und kommunale Dienstleistungen anbietet – beispielsweise Lohndrusch, Durchforstung, Winterdienst und Mulcharbeiten. Zudem liefert er Hackschnitzel zur energetischen Nutzung. Ein Anliegen war es Thomas Riedmann aber, auf die seiner Meinung nach immer größer werdenden Konflikte der Landwirte mit der Bevölkerung hinzuweisen.

Auf dem Hof von Bauer Thomas Riedmann in Massenbuch: Unser Bild zeigt von links an einer Insektenstation der Universität Würzburg Bauernkreisobmann Reinhard Wolz, Landrat Thomas Schiebel, Julian und Thomas Wolz und Maria Hoßmann.
Auf dem Hof von Bauer Thomas Riedmann in Massenbuch: Unser Bild zeigt von links an einer Insektenstation der Universität Würzburg Bauernkreisobmann Reinhard Wolz, Landrat Thomas Schiebel, Julian und Thomas Wolz und Maria Hoßmann. Foto: Klaus Gimmler

Riedmann nannte als Beispiel Mountainbiker, die sich beschweren, sollte von seinem Fahrzeugen Dreck auf den Waldweg fallen, er sprach von Hundehaltern, die sich mit ihren Lieblingen auf Äckern und Wiesen trollen und dabei die Pflanzen niedertrampeln. Andere wiederum würden sich an Mais und Sonnenblumen bedienen. Enttäuscht zeigte er sich vom Ausgang des Volksbegehrens "Rettet die Bienen". Auch die Diskussion um den Nationalpark Spessart bezeichnete er als grotesk .

Landwirte müssen Ernährung der Bevölkerung sichern

Die Umwelt werde zunehmend zu Freizeitzwecken genutzt, dabei fehle es an Respekt und auch am Wissen um die Arbeit der Landwirte, so Riedmann, deren wichtige Aufgabe es schließlich sei, die Ernährung der Bevölkerung zu sichern. Auf Verständnis für seinen Ärger stieß Riedmann unter anderem bei Bauernverbands-Kreisobmann Reinhard Wolz. Er empfahl im Gespräch den Ausgleich zu suchen. Landwirte seien auch Botschafter. 

Gerhard und Robert Klüpfel (von links) bei ihrer Biogasanlage in Steinfeld.
Gerhard und Robert Klüpfel (von links) bei ihrer Biogasanlage in Steinfeld. Foto: Klaus Gimmler

Die nächste Station nach dem Mittagessen war die Biogasanlage von Heinz Seufert, Gerhard und Robert Klüpfel in Steinfeld. Dort werden mittlerweile zwei Generatoren mit einer Leistung von 500 Kilowatt mit Biogas angetrieben. Wie nützlich eine Biogas-Anlage im Energiemix und als Ergänzung zu Wind-, Sonnen- und Wasserkraft sein kann, verdeutlichte Robert Klüpfel. Statt in Grundlast rund um die Uhr Strom zu produzieren, lassen sich beide Anlagen in den Zeiten hochschalten, in denen der Bedarf besonders groß ist, erklärte er. Dies sind von 5 bis 9 Uhr und von 17 bis 21 Uhr. Da sich der Strom nur schwer speichern lässt, sei es sinnvoll, ihn dann zu produzieren, wenn er gebraucht wird.

Umstellung auf Biobetrieb

Verknüpft ist die Biogasanlage mit der Landwirtschaft. Während Vater Gerhard Klüpfel seinen Betrieb konventionell führt, hat Sohn Robert auf einen Biobetrieb umgestellt. Derzeit befindet er sich in der zweijährigen Umstellungsphase, in der er noch nicht für den Biomarkt produzieren darf. Nachdem er den Meister gemacht hatte, habe er sich für diesen Weg entschieden und er hoffe, dass es funktioniert. "Auf jeden Fall ist es eine spannende Zeit",  meinte er zuversichtlich. Die Abwärme, die beim Betrieb eines Blockheizkraftwerks auf dem Hof Klüpfel entsteht, wird für das Trocknen von frisch gespaltenem Holz genutzt. 

Heike Seufert öffnet die Tür zu ihrer Hütte, in der sie die Gäste unterbringt, die ihren Hof in Steinfeld besuchen.
Heike Seufert öffnet die Tür zu ihrer Hütte, in der sie die Gäste unterbringt, die ihren Hof in Steinfeld besuchen. Foto: Klaus Gimmler

Letzte Station der Landkreisbereisung war der Hof von Erlebnisbäuerin Heike Seufert, ebenfalls in Steinfeld. Zusammen mit ihrem Mann betreibt sie dort eine Bullenmast. Die Kälber sind ab einem Alter von vier Wochen bis eineinhalb Jahren in ihren Ställen und sie hofft, dass dies noch weiter gut funktioniert. Um sich ein weiteres Standbein aufzubauen, bietet Heike Seufert seit 2010 Erlebnisführungen für Kinder und Schulklassen an. Dazu wurde auch das Umfeld des Hofes entsprechend hergerichtet. Es gibt Toiletten und auch einen Raum, in dem Kaffee und Kuchen angeboten werden kann. 

Australische Schiffstouristen als Besucher

Mittlerweile ist dieses Angebot kräftig gewachsen. Über Vermittlung des Bauernverbands gibt es eine Kooperation mit einem australischen Reiseveranstalter, der Schiffsreisen auf dem Main anbietet. Im Rahmen dieser Schiffsreise wird für die Passagiere auch eine Führung zu einem typisch fränkischen Bauernhof angeboten. Mit zwei anderen Höfen in Franken ist der Hof der Familie Seufert in diesem Programm. 

"Es läuft recht gut", sagt Heike Seufert. 22 Führungen mit zirka 20 Leuten habe sie alleine dadurch in diesem Jahr. Froh ist sie, dass ihre Familie mitzieht. Sie will dieses Angebot noch weiter ausbauen. Aus einer Scheune im Hof soll ein großer Event-Raum werden, in dem zirka 60 Personen Platz haben. Ihr Plan ist, diesen beispielsweise für Geburtstage oder Hochzeitgesellschaften anzubieten.  Zusammen mit Landrat Thomas Schiebel besprach sie im Anschluss das Projekt, für das sie noch die Genehmigung des Landratsamts beantragen muss.

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