KARLSTADT

Langenfeld: Eine Gemeinde rüstet sich für die Zukunft

Die „Dorflinde“ in Langenfeld gilt als das „öffentliche Wohnzimmer“ im Dorf. Neben dem Café gehört die Scheune als Veranstaltungsraum dazu. Hier ist auch alles angesiedelt, was mit Ehrenamt zu tun hat. Foto: Christine Halbrichter

Schritt für Schritt hat sich die Gemeinde Langenfeld mit ihren lediglich 1000 Einwohnern in den vergangenen 15 Jahren zu einem Vorzeigedorf entwickelt. Jetzt gibt es in dem Ort zwischen Würzburg und Nürnberg unter anderem einen Tegut-Dorfladen mit 300 Quadratmetern Verkaufsfläche, Annahmestelle für Post, Lotto Toto und Reinigung, direkt daneben einen Arzt und eine Physiotherapiepraxis, Geldautomaten von Sparkasse und Raiffeisenbank, das Gasthaus „Zum Hirschen“, ein Mehrgenerationenwohnen mit Tagespflege, eine ambulant betreute Wohngemeinschaft, ein selbstverwaltetes Jugendzentrum und die „Dorflinde“, die als „öffentliches Wohnzimmer“ Langenfelds gilt.

Dabei hatte es vor einigen Jahren ganz mies ausgesehen: Die Bäckerei mit Lebensmittelladen geschlossen, Bahnhof, Dorfwirtshaus, Raiffeisenbank, Sparkasse – alles geschlossen, Nachfolge beim Getränkemarkt nicht gesichert, Praxisräume des Allgemeinarztes gekündigt . . . Die Einwohnerzahl war rückläufig.

Typisch für viele andere Orte

Was das mit dem Landkreis Main-Spessart zu tun hat? Der Langenfelder Bürgermeister Reinhard Streng stellte am Donnerstag beim Kommunalforum in Karlstadt vor Bürgermeistern, Mitgliedern von Seniorenbeiräten und sonstigen Interessierten seinen Ort vor, dessen Situation so typisch war für viele andere auf dem flachen Land.

Die Initialzündung erfolgte in der Ortsmitte Langenfeld, wo ein leer stehender Bauernhof in ein Mehrgenerationenhaus namens „Dorflinde“ mit Tagescafé umgewandelt wurde. Jetzt gibt es dort einen Mittagstisch. 30 bis 50 Essen am Tag werden unters Volk gebracht – vom Kindergartenkind bis zur Uroma. Einige Ältere bekommen das Essen nach Hause. Das ganze ehrenamtliche Engagement wird von hier aus gemanagt. Das reicht von Fahrdiensten über Schülerhilfe bis zu Gedächtnistraining und Vermittlung von Babysittern bis zur Strickgruppe und zum Sport. Die Räume können auch gemietet werden. Und die frühere Scheune wurde zum Veranstaltungsraum umgebaut.

Mehrere Generationen unter einem Dach

Auf die „Dorflinde“ folgte bald nebenan ein Mehr-Generationen-Wohnprojekt mit professioneller Tagespflege. Eine Althofstelle und drei Scheunen wurden dafür abgerissen. Es entstanden die ersten vier barrierefeien Wohnungen in Langenfeld. Zudem wurde dort eine Tagespflege eröffnet, um Angehörige zu entlasten.

Damit nicht genug. Nächster Baustein wurde eine ambulant betreute Wohngemeinschaft. Die ehemalige Bäckerei – wieder gleich neben den anderen Objekten – wurde abgerissen. In der Wohngemeinschaft entstanden zwölf private Zimmer mit eigener Nasszelle und gemeinsam genutzter großer Küche, Ess- und Wohnzimmer. Einige Bewohner sind dement. Wichtig ist, dass sie täglich in die Essenzubereitung mit eingebunden sind. Streng: „Das ist Teil der Therapie.“

Komplettiert wurde der „neue Ortskern“ mit der Wiederbelebung des denkmalgeschützten Gasthauses „Zum Hirschen“.

Lebensmittel, Arzt und Physiotherapie

Als dem Allgemeinarzt die Räume gekündigt wurden, war schnelles Handeln entscheidend. „Wenn der erst mal weg ist, bekommen Sie nie mehr einen“, sagte der Bürgermeister. Die Gemeinde kaufte die ebenerdige Werkstatt und das Büro einer ehemaligen Zimmerei und sanierte die Gebäudehülle. Dort ist seit dem vergangenen Jahr jetzt nicht nur der Arzt eingezogen, sondern auch eine Physiotherapiepraxis. Unterm selben Dach ist jetzt ein Dorfladen. Das Sortiment besteht aus vielen lokalen Produkten. Es wird komplettiert von Tegut und der Filiale eines kleinen Bäckers. Streng: „Und die Sparkasse und Raiffeisenbank waren so gnädig, Geldautomaten aufzustellen.“

Vorbehalte im eigenen Dorf

In seinem Vortrag machte der nebenberufliche Bürgermeister, der im Hauptberuf Studiendirektor an der Wirtschaftsschule Bad Windsheim ist, deutlich, immer wieder deutlich, dass Förderprogramme in der Regel nicht auf kleine Gemeinden zugeschnitten sind. Auch im Ort selbst habe es reichlich Widerstand gegeben. Die Diskussion um die „Dorflinde“ hatte 2003 begonnen. 2007 folgte die Umsetzung

In die Wohnprojekte zog zunächst auch von der eigenen Bevölkerung niemand ein. Streng: „So ist der Franke: erst mal ablehnen.“ Auch der Diakonie und der Caritas schien das Risiko zu groß. Und zum Förderbescheid in Höhe von lächerlichen 5000 Euro für das denkmalgeschützte Gasthaus kommentierte Streng: „Da hat das Landesamt für Denkmalpflege hart daran gearbeitet, dass man es als Gegner sieht.“ Inzwischen hat Langenfeld bundesweit Preise für sein Konzept errungen.

Weitere Themen

Nach seinem Vortrag referierten unter anderem der Kreuzwertheimer Bürgermeister Klaus Thoma über „seinen“ Seniorenbeirat, der Retzstadter Bürgermeister Karl Gerhard über verschiedene Seniorenprojekte im Ort sowie der Triefensteiner Bürgermeister Norbert Endres und die Koordinatorin Ines Riermeier über den Marktplatz der Generationen.

Im Gebäude des Dorfladens Langenfeld ist vieles unter einem Dach – auch ein Allgemeinarzt und eine Physiopraxis. Foto: Reinhard Streng

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