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Lebendige Kunst auf Harfe und Cembalo

Deirdre Campbell-Shaw stellte mit Michael Günther in Homburg Werke für Gesang, Cembalo und keltische Harfe vor.
Deirdre Campbell-Shaw stellte mit Michael Günther in Homburg Werke für Gesang, Cembalo und keltische Harfe vor. Foto: Martin Harth

Eine Annäherung von Folklore und klassischen Werken Alter Musik erlebten die Gäste des jüngsten Schlosskonzerts in Homburg.

Dies ist immer dann naheliegend, wenn man sich mit der britisch-irischen Musiktradition auseinandersetzt, wie dies die in Großostheim lebende Sängerin und Harfenistin Deirdre Campbell-Shaw und Hausherr Michael Günther im Stucksaal des Gebsattel-Schlosses taten. In England, Schottland und Irland bestand immer eine reger Austausch von Volksmusik und höfischer Musik, so dass die bei uns so gewohnte strikte Trennung gerade im Bereich des Liedes nicht entstand. Zum Konzert waren so viele Zuhörer gekommen, dass noch schnell ein paar Zusatzstühle herbeigeschafft werden mussten.

Im ersten Teil trug Deirdre Campbell-Shaw zunächst bekannte typische Weisen der Renaissance zur Begleitung von Michael Günther auf dem Cembalo vor. Darunter befanden sich mit „Fortune my Foe“ und „Flow my Tears“ zwei bekannte Klagelieder des Lautenisten und Dichters John Dowland (1557-1626).

Michael Günther spielte auf einem gerade restaurierten Instrument aus seiner Sammlung, das zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Neapel entstand. Das vom Umfang her mit vier Oktaven begrenzte Cembalo überzeugt durch seine wieder gewonnene, reine Klangqualität der Besaitung in zwei Chören im Achtfußregister. Im virtuosen Spiel wurde die Kunstfertigkeit der englischen Virginalmusik deutlich, die ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erlebte.

Im zweiten Teil stand mit der keltische Harfe die teils sehr kunstvolle Folk-Musik aus Schottland und Irland im Mittelpunkt, deren poetischer Reichtum so weit über die bei uns so gefeierten Trink- und Kneipensongs hinausreicht. Werke von Nationaldichtern wie dem Schotten Robert Burns (1759-1796) oder dem Iren William Butler Yeats (1865-1939) wurden in Liedern wie „Ae Fond Kiss“, „My Love is Like a Red, Red Rose“ oder „Salley Gardens“ zu populären Dauerbrennern, die Deirdre Campbell-Shaw zu ihrem einfühlsam, sanften Harfenspiel mit einwandfreier Artikulation vorstellte.

Die keltische Harfe besitzt im Vergleich zur Konzertharfe einen geringeren Tonumfang, kann aber mittels Klappenmechanik an den 34 Saiten durchaus Tonarten verändern.

Lieder ohne musikalische Begleitung wie „Jock O'Hazledean“ oder „Last May“ hoben den stark erzählerischen Charakter der irischen und schottischen Volkslieder hervor. Auch die aus Schottland stammende Sängerin erlag an diesem sich durchaus in die Länge ziehenden Konzertabend bei ihren Moderationen solchem mitteilsamen Bedürfnis.

Zum Mekka der Freunde des schottischen Whiskys auf einer Hebriden-Insel führte Deirdre Campbell-Shaw mit dem selbst geschriebenen Song „Spirit of Islay“. Mit dem Volkslied „Suilean Dubh“ über die dunklen Augen der großen Liebe durfte eine Zugabe in schottischem Gälisch am Ende natürlich nicht fehlen.

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