MAIN-SPESSART

Leserforum: Unnötiger „Krieg gegen Füchse“ oder „Pflege des Ökosystems“?

Zum Artikel „Jäger erlegen im Spessart 92 Füchse“ vom Freitag, 8. Februar, erreichten uns Leserzuschriften:

Kaum ein Tier wird hierzulande so gnadenlos verfolgt wie der Fuchs. Mit Flinten, Fallen, Fangeisen wird ihm nachgestellt. Schonzeit gilt für ihn nicht. Im Gegensatz zu Bären und Wölfen schützt den Fuchs keine EU- und Bundesverordnung, kein bayerisches Wildtiermanagement.

Das makabre Jagdspektakel „Fuchswoche" im Spessart glich einem regelrechten Krieg gegen eine gefährliche Raubmörderbande, die Füchse. Der Streitmacht von 15 mit Hightech-Jagdwaffen, Funk und Fernglas hochgerüsteten Jägern hatten die tierischen Feinde nichts entgegenzusetzen. 92 Tierleichen zählte die „Strecke“. Das ist Rekord, vermerkte der Zeitungsbericht anerkennend. Mit dem „Verblasen“ des großen Halali wurde der Sieg gebührend gefeiert. In seiner Pressemitteilung rechtfertigte des BJV das Massaker im Spessart als „vorbeugende Bejagung“, um einer „Seuchengefahr durch Tollwut, Fuchsbandwurm und Räude entgegenzuwirken". Hier muss man eher der Angstmacherei entgegenwirken.

In Deutschland gilt seit 2008 nach den Kriterien der Weltorganisation für Tiergesundheit OEE als tollwutfrei. Zwischen 1977 und 2000 wurden in der Bundesrepublik fünf Todesfälle durch Tollwut registriert. Ebenso sind der Fuchsbandwurmbefall und die Übertragung der Tier-Räude auf den Menschen äußerst gering, wie in einschlägigen Statistiken nachzulesen ist. Rechtzeitige medikamentöse Behandlung kann vor tödlichem Ausgang der Tollwut- und Fuchsbandwurminfektion schützen. Keine Angst vor Waldbeeren, Seuchenexperten schließen Infektionen völlig aus.

Dass Friede mit den Füchsen möglich ist, beweisen Pilotstudien in Naturschutzparks; gerade die intensive Bejagung des Fuchses steigert die Fruchtbarkeit und die Population, was die Vermehrung kranker, parasitenbefallener Tiere forciert. Das Gegenteil zeigt Wirkung: Keine Bejagung bedeutet stabile, gesunde Familien, kranke Tiere sterben weg und die Population geht zurück. Die Natur regelt sich selbst.

Jäger „halten Füchse auch deshalb kurz“, belehrt uns der BJV, weil sie „mit Vorliebe junge Hasen und Rebhühner fressen“. Dem „Niederwildschädling“ Fuchs wird also die Schuld am Bestandsrückgang der Niederwildarten zugeschoben. Irrtum. Die Gründe für die Dezimierung von Hase und Rebhuhn sind vielmehr in der extensiven Flurbereinigung und dem hemmungslosen Einsatz von toxischen Spritz- und Düngemittel der industriellen Agrarwirtschaft zu suchen. Entlarvt man den sogenannten Hegeauftrag der Jäger als pure Verschleierungstaktik, dann heißt die schlichte Wahrheit: Der Jägerkonkurrent und „Wilderer“ Fuchs frisst den Jagdherren ihre Beute weg – und schmälert somit die Lust am Jagen und Töten. Wilderei wurde früher mit dem Tode bestraft.

Wer es noch nicht weiß: Höhere Tiere sind laut Bundesgerichtsurteil von 1958 „lebende, fühlende Wesen“, die eine „kreatürliche Würde" haben. Zurecht hat auch der Fuchs ein Recht auf ein tierwürdiges Leben.

Ulf Mattiesen 97838 Erlenbach

 

Nachdem die Jägerschaft in Internetforen und in Leserbriefen nach solchen Berichten wie den über die Fuchswoche regelmäßig zerrissen wird, möchte ich auch einmal Partei für die Jäger ergreifen und erwähnen, dass es genug Menschen gibt, die die Arbeit unserer Jäger zu schätzen wissen, dies aber nicht ständig in Foren kundtun.

Wenn wie im vergangenen Sommer zahlreiche Füchse mehrmals mitten durch unseren Ort spazieren (unter anderem direkt an unserem Kindergarten vorbei) und mehrere Hühnerställe plündern, dann scheint doch Handlungsbedarf zu herrschen um dem Einhalt zu gebieten.

Auch wenn die Räude wie sie bei einigen Füchsen festgestellt wurde, nicht lebensgefährlich für den Menschen ist, so möchte man sich oder sein Kind doch nicht der Gefahr aussetzen, von Milben befallen zu werden, die sich durch die Haut bohren und dort Kot und Eier absetzen, um einmal in Worten auszudrücken, was Räude eigentlich bedeutet. Auch mir tun die Füchse leid, wenn sie abgeschossen werden müssen, aber sie hatten wohl einen weniger leidvollen Tod als die zahlreichen Hühner, die von den Füchsen niedergemetzelt wurden.

Ich bin froh dass es noch Jäger gibt, die trotz ständiger Anfeindungen ihre Freizeit opfern um das Ökosystem Wald zu hegen und zu pflegen.

Michael Gram 97851 Bergrothenfels

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