Lohr

Lieblingsthemen Tod und Bürokratie

Nach den einzelnen Kurzfilmen diskutierten Stattkino-Betreiber Richard Winter und Filmemacher Hussen Ibraheem (vorne von links) mit dem Publikum. Foto: Thomas Josef Möhler

Drei Kurzfilme von Hussen Ibraheem hat das Stattkino am Mittwoch im Kulturkeller des Weinhauses Mehling in Anwesenheit des Regisseurs gezeigt. Durch die drei sehr unterschiedlichen Streifen des libanesischen Filmemachers zieht sich als gemeinsames Thema der Tod.

"Tod und Bürokratie sind meine Lieblingsthemen", sagte der 1985 in Beirut geborene Regisseur im Gespräch mit unserem Medienhaus. Zunächst studierte Ibraheem Architektur, um sich dann seiner wahren Leidenschaft zuzuwenden: "Ich liebe Filme, ich liebe das Geschichtenerzählen."

Seine Chance kam, als er vom Red Sea Institute of Cinematic Arts im jordanischen Akaba als Student aufgenommen wurde. Dieser Ableger der University of Southern California (USC) in Los Angeles lässt jedes Jahr nur zwölf neue Studenten zu. Dort machte er seinen Master.

Seit einem Jahr in Berlin

Die Anregungen für seine Filme nimmt Ibraheem vor allem aus seinen persönlichen Erfahrungen. Seit etwa einem Jahr lebt er in Berlin. Denn in keiner anderen Stadt gehen mehr Filmprojekte über die Bühne. Nach einer Reihe von Kurzfilmen steht der erste Spielfilm Ibraheems in den Startlöchern.

Die Dreharbeiten sollen 2020 beginnen, die Finanzierung ist gesichert. Themen sind, wie könnte es anders sein, Bürokratie und Tod. Ein Ehepaar wolle den Leichnam seines ertrunkenen Sohnes aus der Klinik mitnehmen, bekomme aber mit der Bürokratie Probleme, skizzierte der Filmemacher die Grundzüge der Geschichte.

Richard und Renate Winter, die Betreiber des Stattkinos, haben Ibraheem über einen Freund ihres Sohns Claudio kennengelernt. Er war einer der wenigen Regisseure, die sich für das letztlich gescheiterte zweite Lohrer Filmwochenende im August in Lohr gemeldet hatten. »Wir haben ihn in Berlin getroffen, fanden ihn nett und haben uns seine Filme angeschaut«, berichtete Richard Winter.

Die Filme hätten ihnen gut gefallen, "das sind richtige Stilübungen". Das einzige Problem: Die Kurzfilme sind vor allem dafür gedacht, auf internationalen Festivals gezeigt zu werden. Im Original sind sie in Arabisch mit englischen Untertiteln.

Seit Dienstag war Ibraheem bei den Winters in Lohr. Sie setzten sich am Mittwochmorgen zusammen, um "mit heißer Nadel deutsche Untertitel zu stricken", so Winter. Er sei "völlig platt, wie technisch einfach das mittlerweile ist".

Filmemacher Hussen Ibraheem. Foto: Thomas Josef Möhler

"3.30" aus dem Jahr 2012 war Ibraheems Abschlussfilm an der Filmschule und der beste des Jahrgangs. Er erzählt die Geschichte von vier Gangstern, darunter einer Frau, die nach einem Überfall durch die Wüste fliehen und bis 3.30 Uhr ihre Pässe abholen müssen. Sie misstrauen einander und keiner überlebt. Er habe einen Genrefilm machen wollen, erläuterte Ibraheem, "mit Gangstern, einem tollen roten Auto und einer Frau als Heldin".

"Typo" (2013) handelt von einem Mann, der nach seinem Ableben in einem Zwischenreich erfährt, dass er wegen eines Zahlendrehers acht Jahre zu früh sterben musste. Ins frühere Leben kann er nur zurückkehren, wenn er alle seine Erinnerungen löschen lässt. Der Mann willigt ein, weil er – wie eine Zuschauerin in der Diskussion nach dem Film anmerkte – erfahren hat, dass er noch nicht genug gute Taten vollbracht hat.

Autobiografisch gefärbt

"Sweet Discomfort of Missed Connections" ist Ibraheems bislang letztes Werk und autobiografisch gefärbt. Ein Mann kehrt in den Libanon zurück, um die Leiche seines Vaters für die Beerdigung abzuholen. Doch die Leiche ist verschwunden, genau wie sein Vater 1989 im Bürgerkriegsland Libanon verschwand. Der Mann ist unfähig, sich zu entscheiden, was er tun soll, der Film endet ergebnisoffen.

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