Marktheidenfeld

Lobpreis auf König Ludwig I. und die Mainbrücke

Abbildungen "Die neue Brücke bei Markt Heidenfeld" und "Bogen der Brücke bei Markt Heidenfeld" in der Leipziger "Illustrirten Zeitung" vom 19. April 1845. Foto: Repro Deubert

Ein Exemplar der Zeitung "Die Bayerische Landbötin" vom 23. Juli 1842 wurde unlängst im Internet auf dem Online-Marktplatz ebay angeboten. Unter der Rubrik "Bayern" auf der Titelseite dieser Nummer 88 des Jahres 1842 findet sich auch ein Beitrag, der sich mit dem Bau der Marktheidenfelder Mainbrücke beschäftigt: "Vom Main, 14. Juli. Der großartigen Bauten und Kunstwerke, geschaffen durch den hohen Geist und Kunstsinn König Ludwigs von Bayern, ist schon mehrfach und mit Recht in öffentlichen Blättern rühmlich erwähnt worden; nur eines dieser schönen und großen Bauwerke wurde bisher, obwohl schon seit 6 Jahren im Betriebe, so wie uns bekannt, noch wenig besprochen: wir meinen den großartigen Brückenbau über den Main bei Markt Heidenfeld." Bereits 1835 habe Ludwig "zu beschließen geruht", die steinerne Brücke herstellen zu lassen. Inzwischen stünden die "sämmtlichen 6 Bogenpfeiler und die beiden Widerlager; gegenwärtig steht die Überwölbung sämmtlicher Bogen, welche im Laufe dieses Sommers und Herbstes vollendet werden soll, in Arbeit, und beschäftigt an 500 Menschen, welche in ihrer arbeitsamen Rührigkeit den Bauplatz sehr lebendig machen." Nach einem Zusatz in Klammern hat die "Landbötin" den Beitrag von der Zeitung "Nürnberger Correspondent" übernommen, in deren Tradition heute die "Nürnberg Zeitung" ist. Damals war es durchaus üblich, Beiträge aus anderen Zeitungen oder Zeitschriften, eventuell in verkürzter Form, zu übernehmen.

Dank der Suchmaschinen im Internet konnten zwei weitere Druckerzeugnisse ermittelt werden, die sich wohl auch auf den Beitrag des "Nürnberger Correspondenten" stützen:  Das "Regensburger Conversations-Blatt" Nummer 89/1842 vom 29. Juli 1842 und ein "Conversations-Lexikon" aus dem Jahr 1843. Im "Regensburger Conversations-Blatt" finden sich die Ausführungen über den Bau der Marktheidenfelder Brücke in der Rubrik "Mittheilungen aus dem Gebiete der Kunst, Wissenschaft, Technik, Industrie, Haus- und Landwirtschaft". Hier ist der Beitrag umfangreicher als in der "Landbötin". Er beschreibt die Baustelle und die dort eingesetzten Gerätschaften näher, nämlich elf "Rammmaschinen" sowie zwölf "Hebmaschinen" auf einer "doppelten Transportbahn, welche sich über den ganzen Fluß erstreckt". Der Beitrag schließt: Es lasse sich ein großartiges, imposantes Bauwerk erwarten; "es wird wohl eine schönere Brücke nach deren Vollendung in Deutschland nicht geben". "Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände", herausgegeben von Joseph Meyer, 6. Band, Hildburghausen und andere, 1843, nennt die Marktheidenfelder Mainbrücke unter dem Stichwort "Brücken (steinerne, deutsche)" auf Seite 102 unter laufender Nummer 128 und erläutert zusätzlich: "Der geheime Rath von Klenze entwarf den Plan in altrömischem Baustyle. Die Brücke hat 7 Bogen, je von 41 Fuß Spannung. Bezirksingenieur May und Baukondukteur Thelemann leiten den Bau, der ein schönes und großartiges Werk deutscher Brückenbaukunst seyn wird."

Die Mainbrücke wurde also schon während der Bauphase überörtlich gewürdigt. Die nahezu fertige, aber noch nicht eröffnete Brücke "bei Markt Heidenfeld" wird zudem in der Leipziger "Illustrirten Zeitung" vom 19. April 1845 (Nr. 94/1845, Seite 252) beschrieben. Dazu erschienen Holzschnitt-Drucke von Marktheidenfeld mit der Brücke im Vordergrund und von Brückenbogen. Der Beitrag in der "Illustrirten Zeitung" endet mit dem Hinweis, dass "der Berichterstatter, dem schon manche derartige Werke entgegengetreten sind, nicht zu viel zu sagen glaubt", wenn er behaupte, diese Brücke sei "eine der schönsten, die in der neuesten Zeit entstanden sind". Mit der Berichterstattung in der "Illustrirten Zeitung" wurde die Brücke einer breiteren, deutschland-weiten Öffentlichkeit erstmals im Bild vorgestellt. Offiziell eröffnet worden ist die Brücke am 29. Januar 1846.

Als Stahlstich von Fritz Bamberger findet sich dann 1847 eine Abbildung von Marktheidenfeld samt Mainbrücke in dem Buch "Die Mainufer und ihre nächsten Umgebungen". Dort ist auf Seite 287 zu lesen, dass die neue Brücke "eine der schönsten in Deutschland" sei.

"Die bayerische Landbötin" war eine von 1830 bis 1860 in München erscheinende Zeitung. Ende der 1830er Jahre soll sie nach der Augsburger Allgemeinen Zeitung das in Bayern meistgelesene Blatt mit etwa 6000 Abonnenten gewesen sein. Das "Regensburger Conversations-Blatt" war von 1840 bis 1910 eine Beilage des "Regensburger Tagblatts", das von 1836 bis 1931 erschienen ist.

Die "Ur-Auflage" des "Großen Conversations-Lexicons für die gebildeten Stände. In Verbindung mit Staatsmännern, Gelehrten, Künstlern und Technikern" erschien 1840 bis 1855. Es war das erste Lexikonprojekt von Joseph Meyer. Mit diesem Lexikon wollte er im Unterschied zu den bis dahin verbreiteten Lexika ein breites Publikum ansprechen.

Die Leipziger "Illustrirte Zeitung" war die erste illustrierte Zeitung in Deutschland und damit die "Mutter" aller Bilder-Blätter. Sie arbeitete von Anfang an mit in den Text eingefügten Holzschnitt-Illustrationen. Erschienen ist die "Illustrirte Zeitung" von 1843 bis 1944. 1846 hatte sie eine Auflage von 11 000 Stück.

Die Texte im Buch "Die Mainufer und ihre nächsten Umgebungen" wurden von Ludwig Braunfels verfasst, die Stiche der Ortsansichten lieferte Fritz Bamberger. Es ist 1847 in Würzburg erschienen. Sämtliche Veröffentlichungen kann man als Digitalisate im Internet einsehen.

Titelkopf "Die Bayerische Landbötin" vom 23. Juli 1842, in der über den Bau der Marktheidenfelder Brücke berichtet wird. Foto: Repro Deubert

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