Lohr

Lohrer FBG kooperiert und expandiert

Strahlende Gesichter bei der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung: (vorne von rechts) AELF-Leiter Ludwig Angerer,?FBG-Vorsitzender Stefan Pfeuffer, AELF-Abteilungsleiter Christoph Kirchner sowie (hinten von rechts) FBG Geschäftsführer Stefan Gruber, FBG-Koordinator Harry Haas (AELF) und FBG-Geschäftsführer Thorsten Schwab.  Foto: Johannes Ungemach

Der Privatwaldbesitz auch im Landkreis Main-Spessart hat ein Strukturproblem. Es gibt rund 18 000 Waldbesitzer, über Erbengemeinschaften wahrscheinlich noch deutlich mehr. Die Flächen sind durch die fränkische Realteilung beim Vererben oft klein. Viele Waldbesitzer wissen gar nicht genau, wo ihr Grundstück liegt, oder sie wohnen weit weg.

All diese Rahmenbedingungen werden zunehmend zum Problem. Denn Forstexperten sind sich einig, dass der Wald in Zeiten des Klimawandels vor enormen Herausforderungen steht und enge Betreuung braucht. Er muss vielerorts umgebaut werden, um ihn fit für die Zukunft zu machen. Außerdem schlummert in den häufig nicht bewirtschafteten Privatwäldern ein enormes Potenzial an Rohstoff und Wertschöpfung.

Engere Zusammenarbeit

Der Freistaat Bayern setzt daher bei der zum Ziel erklärten Aktivierung des Privatwaldes seit 2018 noch stärker als zuvor auf die Dienste der Forstbetriebsgemeinschaften, also auf die Zusammenschlüsse der privaten und kommunalen Waldbesitzer. Zur Stärkung der Forstwirtschaft und des ländlichen Raumes hat sie mit Interessenvertretern der Waldbesitzer den "Waldpakt" geschlossen. Er sieht unter anderem eine stärkere finanzielle Förderung der FBGs und mehr Unterstützung durch staatliches Forstpersonal vor. Generell sollen die staatliche Forstverwaltung und die FBGs enger zusammenarbeiten.

Dies schlug sich nun in einer Premiere nieder: Am Montag unterzeichneten Vertreter der FBG Main-Spessart West und des Amtes für Ernährung Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Rodenbach eine Kooperationvereinbarung. Sie regelt die Aufgabenverteilung zwischen den beiden Institutionen und ist die erste dieser Art im Amtsgebiet, welches die Landkreise Main-Spessart, Miltenberg und Aschaffenburg umfasst.

Wie Amtsleiter Ludwig Angerer sagt, waren die Verantwortlichen der Lohrer FBG schlicht "die Schnellsten", die beim Amt Interesse an einer Kooperationsvereinbarung bekundet haben. Weitere Vereinbarungen mit weiteren FBGs sollen jedoch folgen.

Allerdings gibt es auch dabei ein Problem. Denn nicht überall sind die Waldbesitzer in Zusammenschlüssen organisiert. So gibt es aktuell im Landkreis Aschaffenburg keine einzige FBG. Auch um die Stadt Miltenberg herum findet sich laut Angerer "ein weißer Fleck in der Karte". Dort seien private Waldbesitzer weitgehend auf sich gestellt, beispielsweise beim Holzverkauf.

Ganz anders sieht es im Raum Lohr aus. Die hiesige Forstbetriebsgemeinschaft gilt von Struktur und personeller Ausstattung her als hoch professionalisiert. Und sie will wachsen. Vor wenigen Monaten hat sie ihr Satzungsgebiet auf nahezu den gesamten Landkreis ausgedehnt, lediglich der Raum Arnstein ist ausgespart.

Der Schritt ist deshalb beachtenswert, weil es im Landkreis durchaus weitere FBGs gibt, beispielsweise in Marktheidenfeld, im Sinn- und Saaletal, in Gemünden. Hinzu kommt die Waldbesitzervereinigung "Fellener Grund". Zu ihnen tritt die Lohrer FBG mit ihrem Dienstleistungsangebot nun also in Konkurrenz.

Gemeinde Karbach kommt hinzu

"Wir sind gut aufgestellt", erklärt der Lohrer FBG-Vorsitzende Stefan Pfeuffer den Expansionskurs. Zuletzt hätten sich wiederholt Waldbesitzer von außerhalb des bisherigen Satzungsgebietes an die FBG gewandt. Ein Ergebnis: Ab kommenden Jahr wird die 400 Hektar Wald besitzende Gemeinde Karbach ihren Holzverkauf über die Lohrer FBG laufen lassen.

Für die FBG selbst ist es ein generelles Ziel, mehr Waldbesitzer für sich zu gewinnen. Derzeit sind in ihrem bisherigen Stammgebiet nur knapp ein Drittel der Waldbesitzer Mitglied in der FBG. Seitens des AELF empfehle man Waldbesitzern dringend, bei der Bewirtschaftung des Forstes die Beratung und Unterstützung der FBG als Hilfestellung in Anspruch zu nehmen.

Die Rahmenbedingungen der Waldwirtschaft seien in Zeiten des Klimawandels ausgesprochen schwierig, so Angerer. Dies werde der FBG sicher einen Zulauf an Rat und Hilfe suchenden Waldbesitzern bescheren. Noch deutlicher formulierte es Thorsten Schwab, einer der beiden FBG-Geschäftsführer: "Der Borkenkäfer und die Stürme werben für uns."

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