Lohr

Lohrer Forensik-Sex-Prozess geht in die zweite Runde

Der Staatsanwalt legte Berufung ein. Die Angeklagte will beweisen, dass sie zu Unrecht verurteilt wurde. Die Hauptrolle im Landgericht wird ein mysteriöses Handy spielen.
Die Forensik in Lohr: Was hat sich hinter diesen Zäunen im November 2018 wirklich abgespielt? Eine sexuelle Affaire zwischen Patient und Schwester oder eine Intrige unter Arbeitskolleginnen? Foto: Roland Pleier

Acht Monate Haft auf Bewährung, zwei Monate Führerscheinentzug und eine Geldauflage von 3000 Euro – so lautete das Urteil in dem Prozess gegen eine heute 39-jährige Frau aus dem Landkreis Main-Spessart, die als Pflegekrankenschwester in der Forensik des Bezirkskrankenhauses Lohr angestellt war. Sie soll eine intensive Liebesbeziehung mit einem verurteilten Straftäter auf Entzug gehabt haben, war sich Richterin Katrin Heiduck nach dem zweiten Verhandlungstag (8. März) am Amtsgericht Gemünden sicher.

Doch wird dieser Prozess eine Fortsetzung haben: Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung legten binnen der Wochenfrist nach dem Urteil Berufung ein. Dies bestätigten beide Seiten auf Nachfrage der Redaktion. 

Die Plädoyers waren unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorgetragen worden. Der Schuldspruch habe dem Antrag der Staatsanwaltschaft entsprochen, ist nunmehr von Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen zu erfahren. Demnach geht es dem Staatsanwalt ums Strafmaß: Das Urteil war ihm wohl zu milde. Die Erfolgsaussichten der Berufung werden jedoch anhand der schriftlichen Urteilsgründe nochmals geprüft. Erst danach wird entschieden, ob die Berufung der Staatsanwaltschaft durchgeführt und näher begründet wird.

Das Handy dürfte die Hauptrolle spielen

Verteidigt wird die Frau, die inzwischen nicht mehr am Bezirkskrankenhaus beschäftigt ist und eine andere Stelle angenommen hat, vom Würzburger Rechtsanwalt Klaus W. Spiegel, der sich selbst als "kämpferischer Strafverteidiger" gibt, "der keinem Richter oder Staatsanwalt etwas schenkt". Bei der Fortsetzung des Prozesses am Amtsgericht Würzburg will er beweisen, dass seine Mandantin unschuldig ist. Eine Schlüsselrolle spielt dabei das Handy der Angeklagten.

 Die Auswertung von dessen Daten waren für die Richterin eindeutiger Beleg für die Beziehung zwischen dem Patienten und der Pflegekrankenschwester im November 2018. Die Angeklagte, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt hatte, stritt diese Beziehung bis zuletzt ab und behauptete, sie habe das Handy erst Wochen später als Weihnachtsgeschenk von ihrem Lebenspartner erhalten – fabrikneu und in Originalverpackung. 

Verteidiger zweifelt Gutachten an

Strafverteidiger Spiegel sprach selbst von einem "Mysterium". Schon im Prozess hatte er das Gutachten, das eine langjährige Angestellte der Kriminalpolizei erstellt hatte, angezweifelt und ein neues vom Landeskriminalamt angefordert. Diesen Beweisantrag aber hatte die Richterin abgewiesen.  

"Wir gehen gehen von Identitätsdiebstahl aus", erklärte Spiegel gegenüber der Redaktion. Er gehe davon aus, dass hinter den mehr als 1000 Kurznachrichten (WhatsApp und SMS), die mit dem Patienten ausgetauscht worden waren, eine Arbeitskollegin steckt. Die Frage sei deshalb: "Wer hatte den Intellekt, das zu machen?" Seiner Einschätzung zufolge sei bei dem Prozess nur "die Spitze des Eisbergs" zutage gekommen.

Der Verteidiger geht davon aus, dass das Berufungsverfahren "nicht mehr heuer" terminiert wird – eine harte Belastungsprobe für die Angeklagte, die seit zwölf Jahren mit ihrem Partner zusammen ist und mit ihm ein Kleinkind hat. Beide hatten im Prozess erklärt, in ihrer Beziehung gelte – was Fremdgehen angeht – die Nulltoleranzgrenze.

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