Lohr

Lohrer Gaukler-Theater bot Premiere aus einem Guss

In der Theatersaison 2019/20 geben die Laienschauspieler im Mehlingskeller 31 Vorstellungen.  Auf dem Programm: die französische Komödie "Oh, diese Männer!"
In der Komödie "Oh, diese Männer!" haben sie als Neu-Singlefrauen den Männern abgeschworen, bei einem allerdings rudern sie zurück: (von links) Ditte Remmel, Inge Schwab, Tanja Nätscher und Lucas Nicht. Foto: Rita Gress

Chapeau, das war eine "Gaukler"-Premiere aus einem Guss! Mit der aus dem Französischen stammenden Komödie "Oh, diese Männer!" von Francoise Dorin eröffnete das Theaterensemble am Freitag seine Spielsaison zum Jubiläum des 25-jährigen Bestehens. Im nahezu ausverkauften Mehlingskeller gedieh die rasante Handlung zum Griff hinein ins pralle Leben.

Seine Nervosität halte sich noch in Grenzen, sagte Regisseur Joe Henselewski unmittelbar vor Spielbeginn. "Ich bin ein abergläubischer Geist. Nachdem die Schauspieler bei der Generalprobe gepatzt haben, werden sie jetzt hochkonzentriert rangehen." Der Profi sollte Recht behalten.

Also Vorhang auf zur männerfreien WG-Zone. Ein festlich gedeckter Tisch, Schampus, drei flotte Grazien namens Simone (Inge Schwab), Betty (Ditte Remmel) und Vera (Tanja Nätscher), die in Kostümen der swinging Sixties eine nicht minder flotte Sohle aufs Parkett legen. Das gibt schon mal reichlich Beifall aus dem Publikum. Das Trio hat den Männern abgeschworen; der erste Jahrtag als Singles muss gefeiert werden.

Drei Frauen schwören den Männern ab

Madame Simone, Mutter von drei erwachsenen Töchtern und "Omimi" ihrer Enkel, verdreht die Augen. 25 Ehejahre lang habe sie neben Maurice, einem Monsieur mit "Verwaltungsschnurrbärtchen", gelebt. Betty plagen gelegentlich Auseinandersetzungen mit ihrer Leber. Viermal war sie verheiratet. Sie schnaubt: "Der Fünfte ist ja nie gekommen." Vera konnte die wachsende Zahl ihrer Liebhaber nicht mehr ertragen. Der Entschluss steht: In die WG kommt kein Mann mehr herein! Keine Vorschriften mehr, keine Diät oder Gymnastik, nie mehr ein Dekolletee bei minus zehn Grad. Rein in Puschen und Morgenmantel.

Und dann steht plötzlich Nachbar Bruno (Lucas Nicht) vor der Tür. Er sehe sich nicht mehr, fühle auch nichts mehr und trage sich mit Gedanken an einen Suizid, heult er und fährt lamentierend fort: "Meine Frau Sophie, hübsch, blond, mit Rehaugen, aber Schweinecharakter hat mich wegen einem anderen verlassen." "Aus!" habe als einziges Wort in ihrem Telegramm gestanden. "Das war grausamer als eine Steuererklärung." Bruno, der adrette Fernsehmoderator – in Wahrheit Muttersöhnchen und Asket – hat den Nerv des weiblichen Dreigespanns getroffen. Die Frauen sind sich einig, dass man den leidenden Gehörnten aus der Gefahrenzone holen muss.

Mitleid mit "geschmerztem Mauerblümchen"

Wider ihrer Überzeugung nehmen sie das "geschmerzte Mauerblümchen" in ihrer WG auf und unter ihre Fittiche. Übergangsweise, versteht sich. Man müsse ein Mittel finden, um seine Heilung zu beschleunigen. "Das geht nur mit Liebe", säuselt Vera. Sie hat Erfahrung. Sie könne als Brunos Klebestoffgeliebte fungieren. "Das macht aus ihm einen Mann, um den sich die Frauen reißen."  Betty hat die Patentlösung: "Ein Date muss her. Eines mit Beinen, Kopf und Küchenschürze." Das männliche Publikum johlt begeistert.

Bei Bruno indes scheinen die Zeichen auf Genesung zu stehen. O lala, der bislang Verschämte greift sich in flegelhafter Manier ans Gemächt. Während unter den Zuschauern lautes Gelächter ausbricht, steuert die Handlung auf den Bühnenbrettern dem Chaos entgegen. Harsche Worte fallen: "Physisch unerträglich! Hier lebt gerade jemand geistig unter seinem Niveau!" Nach fast zweieinhalb Stunden Spiel dankt Henselewski den Seinen: "Ihr habt das Stück grandios umgesetzt!" Die Schauspieler strahlen – und sind platt nach einem Marathon an Sprechen und Konzentration.

Der Spielplan der "Gaukler" in der Saison 2019/20
In der Spielsaison 2019/20 bringen die Gaukler den Vierakter "Oh, diese Männer!" 31 mal auf die Bühne im Kulturkeller Mehling. Gespielt wird in zwei Gruppen. Die Besetzung von Gruppe I: Inge Schwab ("Simone"), Ditte Remmel ("Betty"). Tanja Nätscher ("Vera"), Lucas Nicht ("Bruno"). Gruppe II: Steffi Staub ("Simone"), Petra Zakrzewski ("Betty"), Svetlana Rausch ("Vera") und Herbert Lochner-Grossmann ("Bruno").
Die Termine im November: 2. 11. (Gruppe I), 8. und 9. (Gruppe II; Schwab spielt für Staub), 15. und 16. (I), 22. und 23. (II; Schwab für Staub), 29. und 30. (I). Januar: 10. und 11. (II; Nätscher für Rausch), 17. und 18. (I; Rausch für Nätscher), 24. und 25. (II; Nicht für Lochner-Grossmann), 31. (I). Februar: 1. (I), 7. und 8. (II), 14. und 15. (I), 21. und 22. (II), 28. und 29. (I; Lochner-Grossmann für Nicht). März: 6. und 7. (II) und 13. (I). Mit den Einnahmen und Spenden aus der Benefizvorstellung am 14. März (I) unterstützt das Ensemble den Caritasverband Landkreis Main-Spessart.
Regie: Joe Henselewski, Regieassistenz: Angelika Wagner, Bühne: Christian Sultan, Technik: Manuel Emrich und Julian Lübeck, Kostüme: Hanni Herrmann. Beginn der Vorstellungen ist jeweils um 20 Uhr, Einlass ab 19 Uhr 30. Karten gibt es im Weinhaus Mehling, Telefon 09352/2602.

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