Lohr

Lohrer Wahlkampf mit Format: Was Mario Paul von Nadine Angerer lernt

Gut besucht und stimmungsvoll war die Wahlveranstaltung des Bürgermeisters. Dabei gab die Weltfußballerin des Jahres 2013 Erfahrungen preis, die sich übertragen lassen.
Nadine Angerer bei der Wahlveranstaltung von Mario Paul an dessen 45. Geburtstag in der Alten Turnhalle in Lohr. Foto: Roland Pleier

Wahlkampfveranstaltungen ziehen nicht mehr. Das sagte Dirk Rieb, Bürgermeister-Kandidat der CSU in Lohr, bei einem Redaktionsbesuch am Montagmorgen -ausgenommen Podiumsdiskussionen dort, wo die Bürgermeisterwahl spannend ist - etwa in Marktheidenfeld, Karlstadt oder voraussichtlich - am 3. März um 19 Uhr im Nägelsee-Schulzentrum - in Lohr. Die CSU Main-Spessart beschränkte sich deshalb im Vorfeld der Kommunalwahlen auf Großveranstaltungen mit Friedrich Merz, der aktuell als potenzieller Kanzlerkandidat der CDU gehandelt wird, in Lohr und mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder in Erlenbach.  

Bürgermeister-Kandidat Dirk Rieb setzt auf Klinkenputzen und – wie die Kandidaten der konkurrierenden Parteien auch – auf kleine Stadtteil-Besuche. Dass es auch anders geht, zeigte Bürgermeister Mario Paul am Montag bei einem bemerkenswerten Abend in der Alten Turnhalle in Lohr.

Nadine Angerer mit dem Pokal für die Weltfußballerin des Jahres 2013. Foto: Patrick Seeger

Stimmungsvoll das Arrangement mit einer Anspielung auf den Stadtstrand, locker die Atmosphäre, interessiert das Publikum (neben Genossen und Grünen wurden unter den etwa 180 Besuchern auch Mitglieder anderer Parteien gesichtet) – und im Mittelpunkt der Amtsinhaber selbst, der an seinem 45. Geburtstag die Brücke schlug von Fußball zu Politik. 

Stargast war Nadine Angerer, 17 Jahre Jahre lang Torhüterin der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, Weltmeisterin von 2007 und Weltfußballerin des Jahres 2013.

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Mit dem Bürgermeister von Lohr verbindet sie nicht nur, dass sie hier geboren wurde, sondern auch die Familie: Die 41-Jährige, die erst kürzlich bei "Dancing on Ice" auf Sat.1 zu sehen war, ist die Cousine von Mario Pauls Ehefrau Diana. 

"Wir haben richtig guten Wein hier", witzelte Angerer. "Ich bin sehr gern der Welt unterwegs, aber hier ist meine Heimat. Das Herz hab ich hier gelassen und das bleibt auch hier." Als Paul ihre Familienmitglieder auffordert, sich zu melden, zeigen fünf auf. "Der Ältestenrat", kommentiert Angerer trocken. Und als Paul loslegt, persönliche Bilanz zu ziehen, zieht sie sich diskret zurück.  "Lehnt Euch zurück", empfiehlt Angerer den Publikum.

Paul selbst hat seine eigene Familie mitgebracht, die Frau, die Kinder, die Eltern, die Schwiegereltern. Das verstärkt den familären Charakter.

Angerer verrät, wie man gewinnt

"Wie gewinnt man entscheidende Spiele? Wie bekommt man die richtige Mischung aus Lockerheit, Konzentration und Anspannung?", fragt er. Wieder setzt Angerer die Pointe: "Wieviel Zeit haben wir ..?" Das gehe natürlich nicht über Nacht, sagt sie. Drei Monate kaserniert sein vor einem Turnier sei "nicht immer schön". Dabei wachse man aber als Team zusammen, entwickle eine Vision, aus der dann eine Mission entstehe. Das Team habe nicht immer ans Finale gedacht, sondern Zwischenziele verfolgt und sich mit deren Erreichen Selbstvertrauen geholt. Eine brauchbare Parallele zur Politik? Es schien so.

Fußball-Trainer Jürgen Klopp solle seinem Team die Zwischenziele einmal mit einer Grafik verdeutlicht haben, plaudert Paul. Angerer: "Das hat er uns nachgemacht ..."

Wahlveranstaltung der Grünen/SPD mit Mario Paul und Nadine Angerer in der Alten Turnhalle Foto: Roland Pleier

"Wie schaffst Du es persönlich, bei Dir zu bleiben, selbstbewusst, aber nicht überheblich?" Es schien geradezu, als suche der Bürgermeister einen Ratschlag für sich. "Wir alle machen Fehler", philosophiert Angerer. "Die muss man halt reflektieren." Sich die Fehler eingestehen und weitermachen, sich anpassen oder verändern. "Versuchen ist eben alles. Manchmal klappt's, manchmal nicht – deswegen bin ich kein schlechterer Mensch."

"Und wenn's hart auf hart kommt?", fragte der ehemalige Handballer Paul. Angerer schlagfertig: "Einfach schlauer sein!" Eine andere Lösungstrategie entwickeln, einen Schritt vorausdenken. Im Fußball wie in der Politik.

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