HÄDEFELD

Lorbser-Rathaussturm: Narren rufen Vitaltag aus

Souverän, schlagfertig und völlig angstfrei konterte Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder den Ansturm der Hädefelder Lorbser auf das Rathaus am 11.11.
Gesichert: Lorbser-Sitzungspräsident Michael Höhnlein (links) nahm Kämmerer Karl-Heinz Pilsl (Mitte) den Stadtsäckel ab.
Gesichert: Lorbser-Sitzungspräsident Michael Höhnlein (links) nahm Kämmerer Karl-Heinz Pilsl (Mitte) den Stadtsäckel ab. Foto: Andreas Brachs

Fünf Minuten vor 11.11 Uhr lieferte sich der Lorbser Sitzungspräsident Michael Höhnlein den ersten verbalen Schlagabtausch mit der Hädefelder Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder: sie am Rathausfenster, von oben herab, er, seinem Stand entsprechend, zwei Stockwerke tiefer auf dem Vorplatz des Regierungssitzes.

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Rathaussturm der Lorbser

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Höhnlein dankte schon mal, dass die Hädefelder Narren die Lorbser-Halle mindestens bis 2020 weiternutzen dürften. Schmidt-Neder wusste nichts davon, machte aber gute Miene zum bösen Spiel. Anschließend rief der Sitzungspräsident das Motto des Rathaussturms aus: „Heute ist für uns Lorbser Vitaltag!“ Die Narren wollten örtliche Gaststätten aufsuchen, um sich dort bei Wellness zu entspannen. Möglicherweise werde man sich dann tags darauf bereit fühlen, an den Rehaprogrammen der Seniorentage teilzunehmen, orakelte Höhnlein. Schmidt-Neder hoffte nur, dass die Lorbser nach ihrem Wellness-Tag keinen Krankheitstag einlegen müssten.

Höhnlein kam dann auf den Punkt des närrischen Besuchs: Die Narrenschar forderte den Stadtsäckel, der angesichts aktueller Steuereinnahmen nicht klimpern, sondern knistern müsste. Der Rathauschefin empfahl er überdies, keinen Anteil an der Kreisumlage ans Landratsamt zu überweisen: „Lass das Geld hier und schick es nicht nach Karscht.“ Die Lorbser hätten gute Verwendung dafür, denn Höhnlein schlug vor, den nächsten Faschingswagen mit Blattgold zu überziehen. Da sorgte sich die Bürgermeisterin dann aber doch um die Moral ihrer Bürger und fürchtete, dass der Wagen ganz schnell angekratzt werden könnte.

Es folgte das Ritual: Eine achtköpfige Lorbser-Truppe „stürmte“ bedächtigen Schrittes ins Rathaus und fand die Bürgermeisterin, die sich heuer besonders gut versteckt wähnte, innerhalb weniger Augenblicke zwischen den beiden Türen ihres Besprechungszimmers. Das Stadtoberhaupt hatte seinen taktischen Fehler sofort erkannt: „Irgendeine Spürnase hat mich gefunden. Das nächste Mal werde ich kein Parfüm auflegen.“

Schmidt-Neder rückte den überdimensionalen Rathausschlüssel nach kurzem Gerangel heraus, wohlwissend, dass damit keines der elektronischen Türschlösser zu öffnen wäre. Die Narren legten die Bürgermeisterin nicht in Ketten, sondern umwickelten ihre Hände mit einem Lorbser-Schal und führten sie gentlemanlike links und rechts untergehakt ins Freie.

Dort wartete eine sportliche Aufgabe auf Schmidt-Neder, die an vielen Tagen im Jahr mit dem Rad ins Rathaus fährt. Sie musste im Wettkampf mit Zugmarschall Klaus Endres möglichst langsam einen abgesteckten Parcours durchfahren.

Dafür hatten die Lorbser extra PS-starke Elektrofahrräder von Udo Lermann ausgeliehen. Damit war die Rathauschefin überhaupt nicht einverstanden. „Ich soll langsam fahren? – Ich mache aber lieber Tempo.“ Schließlich schaltete sie den E-Antrieb ab, bremste den Zugmarschall frech aus und fuhr am Ende als Erste über die Ziellinie. Der Unterlegene, der als der Langsamere ja eigentlich gewonnen hatte, nahm's gelassen und überließ der Sportskanone trotz der Verstöße gegen alle Spielregeln den Sieg.

Kämmerer Karl-Heinz Pilsl löste schließlich seine Chefin aus, indem er den Narren den symbolischen Stadtsäckel überreichte oder besser gesagt: ihn sich entreißen ließ. Viel kann nicht drin gewesen sein, denn der Marktheidenfelder Schatzmeister blickte dem Treiben entspannt und gut gelaunt zu. Vereint mit den anderen Lorbsern schunkelte sich die Narrenschar in Faschingslaune. Und im Anschluss setzte das gute Dutzend Aktiver mit der Bürgermeisterin vorneweg zur ersten Polonaise dieser Saison an.

Das kurzweilige Intermezzo der Hädefelder Narren hätte sicher ein paar Zuschauer mehr verdient gehabt, doch um diese Tageszeit fanden sich nur einige wenige Rentner und Passanten als Zaungäste ein. So blieb das närrische Volk beim Faschingsauftakt eher unter sich. Doch das wird sich bei den Faschingsbällen, Prunksitzungen und Umzügen sicher noch ändern.

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Weitere Bilder vom Rathaussturm sehen Sie im Internet: www.mainpost.de/marktheidenfeld

Versöhnt: Zum Ende des Rathaussturms und zum Auftakt der Faschingssaison tanzten alle gemeinsam eine erste Polonaise.
Versöhnt: Zum Ende des Rathaussturms und zum Auftakt der Faschingssaison tanzten alle gemeinsam eine erste Polonaise. Foto: Andreas Brachs
Ausgebremst: Die Rathauschefin kommt dem Zugmarschall in die Quere.
Ausgebremst: Die Rathauschefin kommt dem Zugmarschall in die Quere. Foto: Andreas Brachs
Erwischt: Nachdem die Hädefelder Lorbser Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder in ihrem Versteck im Rathaus gefunden hatten, entrissen sie ihr den Schlüssel für ihr Dienstgebäude.Fotos: Andreas Brachs
Erwischt: Nachdem die Hädefelder Lorbser Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder in ihrem Versteck im Rathaus gefunden hatten, entrissen sie ihr den Schlüssel für ihr Dienstgebäude.Fotos: Andreas Brachs Foto: Andreas Brachs

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