Karlstadt

Main-Spessart: Jugendkriminalität steigt deutlich an

Um 15 Prozent höher waren die Fallzahlen zur Jugendkriminalität im Jahr 2018 gegenüber zu 2017. Foto: Getty Images

Drogendelikte, Körperverletzung und Diebstahl. Diese unschöne Rangfolge zur Jugendkriminalität  musste Jugendamtsleiter Michael Martin im Jugendhilfeausschuss des Landkreises nennen. Nicht nur das: Die Fallzahlen gingen im Jahr 2018 um 15 Prozent nach oben. In 895 Gerichtsverfahren wurde die Jugendgerichtshilfe eingeschaltet. In den beiden Vorjahren waren es noch jeweils unter 780 Verfahren, 2015 nur 736 Verfahren. Bei den Tätern fällt vor allem eins auf: in drei von vier Fällen sind sie männlich.

Jugendkriminalität dehnt sich auf soziale Netzwerke aus

Bei den Delikten kommen auch Sachbeschädigung, Beleidigung, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Erschleichen von Leistungen ("Schwarzfahren"), Hausfriedensbruch, Verbreitung pornografischer Schriften und Verletzung des Persönlichkeitsrechts (etwa Posten von Nacktfotos der Ex-Freundin in sozialen Netzwerken).

Generell gibt es deutlich mehr männliche Täter, ihr Anteil lag in den letzten drei Jahren bei etwa 75 Prozent. Im Jahr 2018 musste sich die Jugendgerichtshilfe für allem um junge Volljährige (18 bis 21 Jahre) kümmern, sie machten 45 Prozent der Fälle aus, gefolgt von den Heranwachsenden (17 bis 18-Jährige) mit 39 Prozent. Deutlich gestiegen ist laut dem Jugendamt der Anteil ausländischer Täter. Von zehn Prozent im Jahr 2015 über 20 Prozent in 2016 und 2017 auf über 24 Prozent 2018. Michael Martin vermutete hier einen Zusammenhang mit den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen.

Zum höheren Anteil ausländischer Täter sagte Karlstadts Polizeichef Michael Miebach, es seien eben auch viel mehr ausländische Bürger da. Manche davon seien ohne Steuerung oder agierten als Gruppe. Das Jugendamt zähle außerdem anders als die Polizei, erklärte er im Ausschuss. Die Polizei zähle nach Tatarten, das Jugendamt nach Fällen, die es bearbeiten muss. 

Polizei entzieht mehr Führerscheine wegen Betäubungsmittel als wegen Alkohol

Nach Delikten gerechnet stünden Betäubungsmittelverstöße auch in der Polizeistatistik ganz oben. Das in den letzten 30 Jahren aufgebaute Bewusstsein "Alkohol und Autofahren passt nicht zusammen" werde nicht aus andere Drogen übertragen, inzwischen würden mehr Führerscheine wegen Betäubungsmitteln entzogen als wegen Alkohol. Cannabis gelte weiter als weiche Droge, doch die "Qualität" habe sich in den letzten Jahren drastisch geändert, hin zum zehnfachen Wirkstoffgehalt.

Am Wochenende "einen durchzuziehen" sei für viele junge Leute ganz normal und die Eltern seien oft schlechte Vorbilder. Denn es gebe auch "Alt-Kiffer", die ertappt würden oder tödliche Unfälle bauen. Aus Sicht einer Jugendrichters berichtete Felix Geppert vom Amtsgericht Gemünden, im Betäubungsmittelbereich gebe es die meisten Wiederholungstäter. Gerade junge Menschen hätten oft auch kaum ein Unrechtsbewusstsein in Sachen Kiffen, vielleicht auch aufgrund der Diskussion um die Legalisierung von Cannabis.

Einen interessanten Vergleich zwischen Stadt und Land nannte Andrea Schön vom Jugendamt. In der Stadt hätten 15 Prozent der jungen Leute Erfahrung mit Cannabis, auf dem Land zwölf Prozent. Bei Alkohol sei das völlig anders, da gaben auf dem Land 69 Prozent an öfter zu trinken.

Wie der Landkreis gegen Jugendkriminalität vorgeht

Kinder unter 14 Jahren sind nicht strafmündig. Hier gab es bei den Fallzahlen in den letzten drei Jahren keine wesentliche Änderung: 89 waren es im Jahr 2018, 83 im Jahr 2017, 87 im Jahr 2016. In den vier Jahren davor lag die Zahl bei über 100, bis hin zu 147 Fällen 2013. Angaben, wie viele Kinder, Jugendliche und Heranwachsende in den jeweiligen Jahren im Landkreis lebten, gab es im Jugendhilfeausschuss aber nicht.

Anders als bei 14-Jährigen bekommen Täter bei der Jugendkriminalität in der Regel Konsequenzen zu spüren. Diese reichen von Auflagen, wie Geldzahlungen an eine gemeinnützigen Einrichtung oder Sozialstunden, Jugendgerichtsverfahren mit Arresten, bis zu Jugendstrafen. "Viele sind nach einem Mal kuriert, andere werden nicht gescheit", fasste Jugendamtsleiter Michael Martin seine Erfahrungen zusammen.

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