Gemünden

Mann soll mit Messer Sex verlangt haben: Randale im Zimmer der Ermittlungsrichterin

Blick auf das Landgericht in Würzburg. Foto: Daniel Karmann

Verhandlungstag Nummer drei im Prozess gegen einen ehemaligen Bewohner der Asylbewerberunterkunft in Gemünden, einen Künstler aus Nigeria, Bildhauer mit abgeschlossenem Kunststudium. Erneut wartet eine Große Strafkammer des Landgerichts Würzburg vergebens auf die wichtigste Zeugin, eine 40-jährige Landsfrau des Angeklagten.  Nach deren Angaben hat der 27-Jährige von ihr an einem Samstagabend im März mit Küchenmesser in der Hand Sex verlangt und der Frau sogar mit dem Tod gedroht. Sie erlitt Schnittverletzungen an einer Hand.

Die Frau hatte nach dem Zwischenfall die Unterkunft in Gemünden verlassen und war, was bei Gericht und Staatsanwaltschaft niemand wusste, ins Ankerzentrum nach Schweinfurt umgezogen. Als man von der neuen Adresse erfuhr, war die bereits wieder "überholt". Die Gesuchte konnte allerdings in einer dritten Unterkunft ermittelt werden. Dort ist die Zeugen-Ladung in der vergangenen Woche, weil die Bewohnerin nicht im Haus war,  in ihrem Zimmer aufs Bett gelegt worden.

Polizei soll Zeugin ins Gericht bringen

Für das Ausbleiben der Zeugin gibt es, mutmaßte man bei Gericht, drei mögliche Gründe: Sie hat ihr Zimmer schon mehrere Tage lang nicht mehr aufgesucht, sie hat die Vorladung zwar gesehen, aber den Inhalt nicht verstanden oder sie mag nicht vor Gericht aussagen. Deswegen soll am 4. Dezember, dem nächsten Verhandlungstag, eine Polizeistreife die Zeugin nach Würzburg bringen – vorausgesetzt, die 40-Jährige ist anzutreffen.

Mit einem "Vulkanausbruch" hat eine Ermittlungsrichterin, die an einem Sonntag im März bei der Würzburger Justiz Bereitschaftsdienst hatte, die "Einlage" des vorgeführten  Beschuldigten in ihrem Dienstzimmer beschrieben. Er sei plötzlich aufgesprungen und habe den Schreibtisch so auf sie zugeschoben, dass sie "wie gefangen" war. Zudem habe er vermutlich geschimpft, bedroht, beleidigt, verstehen konnte man es nicht. Beim Versuch, den auf dem Rücken gefesselten Festgenommenen wieder auf einen Stuhl zu setzen, waren drei Kriminalbeamte mit ihm zu Boden gegangen.

Angeblich gab es mit dem "Opfer" bereits einen Heiratstermin

Bei der Ermittlungsrichterin hatte der Beschuldigte einen Sachverhalt geschildert, der erheblich von der Aussage seines "Opfers" abweicht. Die Frau, von der er angeblich Sex verlangte, sei seine Freundin gewesen und es habe schon einen Heiratstermin gegeben. Zudem sollen sie eine gemeinsame Wohnung besessen haben. Das sei auch der Grund gewesen, warum er kurz vorher von der Unterkunft in Schweinfurt zur Freundin nach Gemünden verlegt wurde.

Am Tattag habe er durch Zufall mitbekommen, dass die Freundin am Telefon mit einem anderen Mann "verhandelte". Deshalb sei er dazwischen gegangen. Dem anderen Mann habe er gesagt, er solle die Finger von seiner Frau lassen. Dieser habe ihn daraufhin massiv bedroht. Schon vorher einmal sei Ähnliches passiert: Als er wegen schizophrener Schübe für eine Woche in der Psychiatrie in Werneck behandelt wurde, habe die Freundin sich, trotz Heiratsabsicht, mit dem anderen Mann etwas „dazuverdienen“ wollen, so der Angeklagte. Dass er schon vor der Flucht aus Afrika "Stimmen hörte" und in psychiatrischer Behandlung war, erwähnte der Beschuldigte bei der Ermittlungsrichterin nicht.

Als Grund für die Flucht aus seinem Heimatland gab der Künstler vor Gericht einen Streit in seinem Dorf um ein Stück Land an. Man habe auf ihn geschossen und er habe um sein Leben gefürchtet. In Italien sei ihm die Aufenthaltserlaubnis für zwei Jahre erteilt worden, dann sei er nach Deutschland gegangen. Wenn er wieder frei ist, möchte der Mann nach Frankreich gehen, wo eine seiner Schwestern lebt. Derzeit ist er in einem Bezirkskrankenhaus untergebracht.

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