Gräfendorf

Marco Weber: "Lindenstraße" darf nicht sterben

Der Laienschauspieler aus Gräfendorf hat selbst schon in der Kultserie mitgespielt. Klar, dass er wie viele andere Fans auch zur Demo nach Köln fuhr.
Marco Weber (vorne links) mit Fans und Schauspielern bei der Demo in Köln, hinten in der Mitte Franz Rampelmann.
Marco Weber (vorne links) mit Fans und Schauspielern bei der Demo in Köln, hinten in der Mitte Franz Rampelmann. Foto: Marco Weber

Marco Weber versteht die Welt nicht mehr. Seine geliebte Fernsehserie "Lindenstraße" wird im Jahr 2020 aus dem Programm genommen. Das darf nicht sein, meint der Fans aus Gräfendorf (Lkr. Main-Spessart), und reiste am vergangenen Samstag nach Köln zur Demonstration am Roncalliplatz, gleich neben der Zentrale des WDR, der für die Absetzung des Programms verantwortlich ist. Weber hat eine besondere Beziehung zur Kultserie, hat er doch selbst schon als Komparse mitgespielt.

Marco Weber, links, mit Marco J. von der Serie 'Schwiegertochter gesucht' bei der Demo in Köln.
Marco Weber, links, mit Marco J. von der Serie "Schwiegertochter gesucht" bei der Demo in Köln. Foto: Marco Weber

Es war für alle Fans der "Lindenstraße" eine Hiobsbotschaft: Die Serie wird nach mehr als 33 Jahren eingestellt. Die Fernsehprogrammkonferenz der ARD hat sich mehrheitlich gegen eine Verlängerung des Produktionsvertrages mit der Geißendörfer Film- und Fernsehproduktion ausgesprochen. Die letzte Folge der Serie soll im März 2020 in der ARD ausgestrahlt werden. Marco Weber ist seit der ersten Folge im Dezember 1985 ein großer Fan der "Lindenstraße" und durfte 2003 selbst einmal in Köln als Komparse mitspielen zu dürfen. "Ich durfte dort zwar nur drei Worte sagen, aber das war schon herausragend, denn die meisten Komparsen erhalten gar keinen Text und sind nur Beiwerk," sagt der 49-Jährige stolz über seinen Beitrag zur Serie, die als erste deutsche Seifenoper gilt. "Die Demonstration ist kein Spaß, das ist eine ernsthafte Kampagne für den Fortbestand der Serie", bekräftigt er seinen Einsatz.

"Ich bin mit der Serie aufgewachsen und sie ist ein Teil meines Lebens.
Marco Weber, Fan aus Gräfendorf

"Ich bin mit der Serie aufgewachsen und sie ist ein Teil meines Lebens. Der Termin am Sonntag um 18:50 Uhr gehört allein mir, das ist meine Fernsehzeit," schildert Weber. Auf dem Roncalliplatz kamen am Samstag etwa 500 Fans zusammen, viele, so wie Weber, waren weit angereist. Die Demonstranten hielten Reden, tanzten oder lasen Gedichte vor. Auf einer Großleinwand wurden Bilder und Grußworte von Fans gezeigt, die nicht kommen konnten, sich aber solidarisch mit den Demonstranten zeigten. Viele der Teilnehmer schwenkten Schilder mit Aufschriften wie "Ein Sonntag ohne Lindenstraße? Nein!", "Kult kennt keine Quote" oder "Ohne Mutter Beimer ist alles im Eimer."

Marco Weber, links, mit Franz Rampelmann, ehemaliger Schauspieler der 'Lindenstraße' verkörperte dort Olaf Kling in Köln bei der Demo.
Marco Weber, links, mit Franz Rampelmann, ehemaliger Schauspieler der "Lindenstraße" verkörperte dort Olaf Kling in Köln bei der Demo. Foto: Marco Weber

Seit der ersten Folge im Dezember 1985 war die Sendung für Weber zu einer festen Größe geworden. Die Figuren Hans (Joachim Hermann Luger) und Helga Beimer (Marie-Luise Marjan) und ihre drei Kinder verkörperten für viele Zuschauer das Idealbild der heilen Familie. In der "Lindenstraße" wird der Alltag der Bewohner möglichst realitätsnah dargestellt. Durchschnittsfamilien, Wohngemeinschaften, Alleinerziehende, Patchwork-Familien, Singles und homosexuelle Paare - alle sind in der berühmtesten Straße Deutschlands zuhause und spiegeln die deutsche Gesellschaft wieder. Auch Themen wie Aids, Mobbing, Teenager-Schwangerschaft, Terrorismus und Rechtsextremismus werden aufgegriffen. Zudem greift die Sendung aktuelle politische und gesellschaftliche Ereignisse auf, wofür einzelne Szenen noch kurz vor der Ausstrahlung gedreht werden.

Bei der Demo Gemündener Festspiel-Kollegen getroffen 

"Die Zuschauerzahlen mit rund 2,5 Millionen Zuschauern stimmen, aber das will die ARD nicht wahrhaben und verweist auf die zu hohen Kosten in der Produktion mit Berufsschauspielern und speziellen Kinderbetreuern für die Kinderdarsteller." resümiert Marco Weber. In Köln habe er langjährige Schauspielkollegen der Gemündener Scherenburgfestspiele wie Till Brinkmann, den ehemaligen Lindenstraßenschauspieler Franz Rampelmann (verkörperte Olaf Kling) oder Marco J. von der Serie "Schwiegertochter gesucht" getroffen habe. Leider seien die aktuellen Schauspieler der "Lindenstraße" nicht da gewesen. "Die haben wohl einen Maulkorb verpasst bekommen und durften nicht demonstrieren", vermutet der Laienschauspieler, der seit vielen Jahren bei den Scherenburgfestspielen in Gemünden mitwirkt.

Marco Weber in der Lindenstraßen-Bäckerei im Jahr 2003 als Komparse für die Kultserie.
Marco Weber in der Lindenstraßen-Bäckerei im Jahr 2003 als Komparse für die Kultserie. Foto: Marco Weber

Am 2. Februar findet die nächste Demonstration zum Fortbestand der Serie statt, dann aber in München. Manche Demonstranten fanden die Resonanz in Köln überwältigend, andere waren enttäuscht, dass nicht mehr kamen. Als nächstes will Marco Weber Briefe an den Vorsitzenden des WDR-Rundfunkrates schreiben. "Einfache Protestbriefe werden dort einfach ignoriert. Nur wenn eine Programmbeschwerde eingereicht wird, wird der Einwand auch gezählt."

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Gräfendorf
  • ARD
  • Demonstranten
  • Franz Rampelmann
  • Joachim Hermann Luger
  • Lindenstraße
  • Marco Weber
  • Mischfamilien
  • Protestbriefe
  • Tod und Trauer
  • Westdeutscher Rundfunk
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
1 1
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!