Lohr

Mario Paul auf Facebook: Durch und durch Bürgermeister

Bürgermeisterwahlen sind Persönlichkeitswahlen. Die Facebook-Profile verraten, wie die drei Lohrer Kandidaten so drauf sind, was sie mögen und ihren Freunden mitteilen.
Facebook-Profil des Bürgermeister-Kandidaten Mario Paul (parteilos, Bündnis90/Die Grünen+ SPD Foto: Roland Pleier

"Das hier ist mein privater Account. Wer sich für meine (kommunal-) politischen Ansichten und meine Kandidatur für das Amt des Lohrer Bürgermeisters interessiert, den möchte ich auf meine öffentliche Seite verweisen." Mario Paul, der Bürgermeister in Lohr bleiben will, leistet sich neben seinem persönlichen Account auch eine so genannte Fan-Page mit 374 Abonnenten. Mit dieser startete er im August 2013 in den Wahlkampf. Doch das ist Schnee von vorgestern. 

Fan-Seite seit sechs Jahren im Dornröschenschlaf

Denn nach gewonnener Wahl tat sich auf dieser Plattform nichts mehr: "So, die letzten Dankesbriefe für die vielen netten Glückwünsche sind geschrieben und eingetütet (ich hoffe sehr, niemanden vergessen zu haben)", verabschiedet sich er am 30. April mit einem Foto von einem kleinen Stapel Briefkuverts. "Morgen geht's dann auch höchst offiziell los: Eröffnung der MSP-Expo ab 9 Uhr mit vielen Gästen. Ich freue mich darauf." Seitdem ruht diese Fan-Seite.

Auch auf dem "privaten Account" als Bürgermeister

Auf seinem "privaten Account" ist er jedoch immer noch aktiv. Privates jedoch muss man suchen wie die Stecknadel im Heuhaufen: Paul agiert auf diesem Profil weitgehend als Bürgermeister. Wie die beiden anderen Kandidaten beschränkt er sich weitgehend darauf, Links zu teilen: Den Programmhinweis auf eine Fernsehsendung auf Vox, bei dem Nadine Angerer porträtiert wird, den Main-Post-Bericht über seinen Wahlsieg am 17. März 2014, ein Foto von sich und Stadtrat Ernst Herr beim Altstadtlauf und Hinweise auf die Homepage der Stadt Lohr (im Oktober 2014 etwa zur Grundsteinlegung der neuen Lohrer Stadthalle).

Was der Bürgermeister so alles postet

Alle einschlägigen Themen greift der Amtsinhaber in seinem "privaten Account" auf – wohl dosiert, oft unkommentiert und fast ausnahmslos städtisch: Einladungen zur Jugendbürgerversammlung und zum Festwochenabend mit den Hot Potatoes ebenso wie die Schwimmbaderöffnung und die Turnhallen-Einweihung, Wittstadts Schneewittchen und das Stadthallenprogramm, Zwergenaufstand, Handballspiele und Skateboardwettbewerb, das Rambourfest, das BayernLab, den Waldkindergarten, das neue Klinikum und die Feuerwehrtage, den Stadtstrand und sein persönliches Lieblingsprojekt, das Starthouse im Spessart.

Privates gibt's herzlich wenig: Danksagungen für Glückwünsche zum Wahlerfolg, zum Geburtstag und zur Hochzeit; ein Hinweis "in eigener Sache", nämlich „Weihnachten im Sägewerk“ bei Mehling & Wiesmann, jener Firma also, mit der er durch die Hochzeit mit der Juniorchefin verbunden ist; und als Weihnachtsgruß einen Doppelregenbogen über der alten Mainbrücke und St. Michael, aufgenommen von dem neuen Domizil seiner sechsköpfigen Famile in Sendelbach aus fotografiert. Die Familie bleibt außen vor.

Wie die Resonanz ist

Bemerkenswert: Paul bleibt selten eine Antwort schuldig, fordert auch mal zur Diskussion heraus, so im März 2015: "Ich stelle die Hintergründe für die Entscheidung und das (halbfertige) Konzept Männertanz-Wettbewerb zur Diskussion." Sehr ausführlich sein Post – die Resonanz mit sieben Kommentaren aber überschaubar. 2016 nimmt er ausführlich Stellung zu dem Konflikt mit Hermann Joha. 

Sporadisch auch in der Lohrer Facebookgruppe aktiv

Allerdings verfolgt Paul auch die Beiträge in der diskussionsfreudigen Facebook-Gruppe "Ob Mopper oder Schnüdel" mit ihren 1550 Mitgliedern, der er schon 2013 beigetreten war. "Hi, Mario Paul, bleibst Du aktives Mitglied dieser Gruppe, wenn Du Bürgermeister werden solltest?", wurde er zwei Wochen vor der Wahl im März 2014 gefragt. Seine Antwort: "Aber sehr gerne doch. Hier werden immer wieder wichtige Themen des Stadtgeschehens aufgegriffen und diskutiert. Da würde ich mich sicherlich das ein oder andere Mal gerne einbringen."

Sieben Jahre später ist festzustellen: Paul hielt Wort. Sporadisch zwar nur, dann aber ausführlich, meist als sachlicher Erklärer, aber ausschließlich zu städtischen Angelegenheiten. Läuft eine Diskussion schräg, mischt er sich ein. So machte er vor zwei Jahren zum Beispiel deutlich, dass die Stadt kein Recht hat, vor dem Altenheim einen von vielen geforderten Zebrastreifen anzulegen, weil für diese Staatsstraße noch das Staatliche Bauamt zuständig ist.

Fazit: Paul gibt sich auch auf seinem "privaten Account" staatsmännisch, städtisch, bürgermeisterlich. An Ausführlichkeit lassen einige Posts nichts zu wünschen übrig. Meist aber beschränkt er sich darauf, Links von anderen Seiten oder Homepages zu teilen, seien es Medienberichte oder Veranstaltungshinweise. 

Mario Paul
Bei Facebook aktiv seit September 2013
Info: geboren am 17. Februar 1975, stammt aus Selb, hat studiert an der TU Chemnitz. Angaben zum Arbeitsplatz und zum Beziehungsstatus: keine.
Freunde: 1075
Fotos von Mario: 2, Marios Fotos: 10, Videos: 2
Sport: FC Barispor Lohr, Borussia Dortmund, Lohrer Handballer, Maximilian Brandl (Mountainbiker aus Wombach), Nadine Angerer (ehemalige Torfrau der Fußball-Nationalmannschaft, in Lohr geboren)
Musik: Stadtkapelle Lohr, Wombacher Blasmusik, Hundreds (Elektropop-Duo aus Lohr), Soundbad, Slingshot (Band aus Lohr), Callmekat (Psychpop aus Kopenhagen)
Fernsehsendungen: Der Tatortreiniger, das BR-Magazin "quer"
Bücher: ---
Gefällt-mir-Angaben: 226

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