MAIN-SPESSART

„Marke Main-Werntal“ etablieren

Gemeinsam handeln: Zur Auftaktveranstaltung für das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept „Main-Werntal“ in Thüngen kamen rund 250 Bürger aus den beteiligten Kommunen. Die politischen Vertreter moderierten die jeweiligen Arbeitsgruppen. Im Bild von links: Xenia von Mansberg u... Foto: Günter Roth

Auf sehr reges Interesse stieß die Interkommunale Bürgerversammlung für das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) „Main-Werntal“. Zahlreiche offizielle Vertreter und viele Bürger aus den fünf beteiligten Kommunen trafen sich in der Werntalhalle in Thüngen, um in Arbeitsgruppen die Eckpunkte für die künftige Weiterarbeit zu erörtern. Im anschließenden Plenum wurden die Ergebnisse allen Beteiligten vorgestellt. Mit dabei sind die Werntalgemeinden Arnstein mit Stadtteilen, Thüngen, Stetten und damit auch die Gesamtstadt Karlstadt, Eußenheim und Gössenheim.

„Es sprudelt so richtig vor Ideen“, schwärmte der Moderator Steffen Moninger vom Planungsbüro BBV LandSiedlung bei der abschließenden Zusammenfassung. In der Tat hatten es die rund 250 Besucher innerhalb einer guten Stunde geschafft, sechs Stellwände mit Visionen und Zielvorgaben, mit Überlegungen und Vorschlägen zu füllen. Die jeweiligen Arbeitsgruppen zu den Themen Wirtschaft und Gewerbe, Dorf und Siedlung, Landwirtschaft und Landschaft, Erholung und Tourismus, Interkommunale Zusammenarbeit sowie Verkehr, Infrastruktur, Daseinsvorsorge und Bildung hatten breiten Raum für alle möglichen Gedankenspiele.

Da sich die Themen selbstverständlich in zahlreichen Bereichen überlagern mussten, stellten sich letztendlich einige klar ersichtliche Schnittmengen heraus: Gemäß seines Auftrags soll das ILEK die Entwicklung des ländlichen Raums stärken und dabei die Dörfer attraktiver sowie lebenswerter machen. Durch gemeindeübergreifendes Handeln sollen Maßnahmen eingeleitet werden, die letztendlich allen helfen.

„Dass ich in meinem Wohnort bleiben will“, berührt Fragen zu nahezu allen Themenbereichen. Am Beispiel Arnstein ließ sich die Beeinträchtigung durch den überbordenden Durchgangsverkehr als massives Entwicklungshindernis nachweisen. Das nach wie vor gravierende Wirtshaussterben in den Dörfern betrifft sowohl das soziale Gefüge als auch die Attraktivität der Gemeinden für den Tourismus. Und die Zunahme von „Donut-Dörfern“, bei denen die Ortskerne verwaisen, während die Außensiedlungen zunehmen, stellt alle vor große Probleme.

Gegensteuern wollen die Bürger, indem sie die gemeindliche Ebene verlassen und interkommunal arbeiten. So könnten zum Beispiel der Tourismus und damit auch die Wirtschaft verbessert werden, indem man das Potenzial des einzigartigen Zusammenspiels von Landschaft und Fluss (Main und Wern) sowie das bereits recht gut ausgebaute Rad- und Wanderwegenetz, womöglich durch professionelles Tourist-Marketing, noch stärker fördert. Die Revitalisierung der Ortskerne möchte man durch umfassende Auseinandersetzung mit dem Denkmalschutz, durch gezielte Willkommenskultur für Neubürger, Förderung neuer Gastronomie und der Angebote für die Grundversorgung vorantreiben.

Damit Menschen in ihren Orten bleiben wollen, müssen auch die Angebote für Kinderbetreuung, Schulen und Gesundheitsvorsorgen verbessert werden. Zwar wünscht man sich verkehrsberuhigtes Wohnen vor der Haustür, doch ebenso auch eine gute, erschwingliche Anbindung. Der Ausbau der Internetverbindung zu „Datenautobahn“ wurde in allen Bereichen gewünscht. Auf diese Weise könnte man versuchen, die „Marke Main-Werntal“ zu etablieren und womöglich zu einer Erfolgsgeschichte zu machen, sagte einer der aktiven Besucher.

Jürgen Eisentraut vom Amt für Ländliche Entwicklung stellte das ILE-Projekt vor. Das Gebiet mit seinen 32 Ortsteilen und rund 30 000 Einwohnern umfasst eine Fläche von knapp 300 Quadratkilometern. Nach einer Vorbereitungsphase mit den politischen Verantwortlichen der Gemeinden gab im März dieses Jahres lokale Expertenrunden in den einzelnen Orten, in denen Handlungsfelder erstellt wurden.

Nach der jetzigen Bürgerversammlung in Thüngen sollen im Juni und Juli zu bildende Arbeitskreise gemeindeübergreifend zu ihrem Handlungsfeld konkrete Vorschläge erarbeiten, die im Herbst in einer zweiten Bürgerversammlung priorisiert werden und von einer Lenkungsgruppe hinsichtlich zeitlicher und finanzieller Machbarkeit beurteilt werden. Im November will man „Leuchtturmprojekte“ ausarbeiten und 2016 in Angriff nehmen. Diese können mit staatlichen Zuschüsse unterstützt werden.

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