MAIN-SPESSART

Markierungen für 70 000 Euro

Auf 147 Kilometer Länge summieren sich die Markierungen, die in diesem Jahr auf den Kreisstraßen des Landkreises Main-Spessart erneuert werden. Den Auftrag für Markierungsarbeiten auf einem Viertel des Kreisstraßennetzes vergab der Bauausschuss an die Firma Jone aus Biebergemünd zum Bruttoangebotspreis von 69 972 Euro. Das günstigste von drei bei der beschränken Ausschreibung eingereichten Angeboten lag damit immer noch fast 20 000 Euro über der Kostenberechnung von 2014.

Das hat mehrere Gründe. So wurde mit 125 Kilometern Länge gerechnet, zudem wurden erstmals Typ II-Markierungen ausgeschrieben. Bei diesen werden die Linien nicht wie bisher aufgespritzt sondern zähe Farbe wird durch ein Sieb gepresst. Die bis zu einem Zentimeter erhabenen Markierungen sind länger haltbar und bei Nacht besser sichtbar. Beim Befahren „singen“, wie die mit gleicher Technik auf Autobahnen aufgebrachten Linien mit Schuppenstruktur, werden sie aber nicht.

Gerhard Pülz vom Kreisbauamt erklärte den Kreisräten auch, warum auf manchen Strecken die alten Mittelmarkierungen nicht erneuert werden: Diese sind zu schmal. Nach der Richtlinie für Markierung von Straßen (RMS) sollen nur ab 5,5 Meter Gesamtstraßenbreite Leitlinien in Form der gestrichelten Mittelmarkierung aufgebracht werden. In Abstimmung mit anderen Landkreisen werde das so gemacht. Zusätzlich bekämen Gefahrenbereiche wie Einmündungen, scharfe Kurven oder Linksabbiegespuren eine Mittelmarkierung.

Früher habe man schon Straßen ab 4,9 Meter Fahrbahnbreite mit Mittelmarkierungen versehen, erklärte Pülz. Es gebe auch Studien, dass innerorts auf Straßen mit Mittellinie fünf Kilometer je Stunde schneller gefahren werde.

Nicht angewendet wird im Landkreis Main-Spessart dagegen die neue Richtlinie für die Anlage von Landstraßen (RAL 2012). Nach dieser müssten praktisch alle Kreisstraßen als Straßen der Entwurfsklasse vier eine unterbrochene Randmarkierung bekommen, und zwar einen halben Meter vom eigentlichen Fahrbahnrand entfernt. Mittelmarkierungen sieht diese neue Richtlinie erst ab acht Meter Asphaltbreite vor (solche Straßen der Entwurfsklasse 3 sind mit Banketten elf Meter breit), kombiniert mit durchgehenden Randmarkierungen mit ebenfalls einem halben Meter Abstand zum Fahrbahnrand. Der Landkreis weicht davon ab und bringt bei den Kreisstraßen eine durchgezogene Linie am Fahrbahnrand auf.

Randmarkierungen ein Stück neben dem eigentlichen Rand riefen bei vielen Kreisräten Kopfschütteln hervor. Zudem orientierten sich selbstständig fahrende Autos an den Randlinien und es sei unklar, ob sie mit gestrichelten klar kämen. Gerhard Pülz ergänzte daraufhin, das käme über den Vereinheitlichungsgedanken aus der EU. In Holland, aber auch in Norddeutschland, seien viele Straßen schon so markiert. Der Landkreis habe dies beim Neubau Rothenfels-Bergrothenfels ausprobieren wollen, doch die Regierung von Unterfranken habe mit der Begründung abgelehnt, der abgetrennte Bereich könnte fälschlicherweise als Fußweg gedeutet werden.

Kreisrat Rudolf Hock befürchtete, solche Markierungen würden Autofahrer verunsichern. Hans-Joachim Stadtmüller führte aus, in anderen EU-Ländern seien die Straßenbankette, anders als in Deutschland, oft gänzlich unbefestigt und dementsprechend nicht befahrbar, da mache eine Markierung mit Abstand eher Sinn. Eine Mittelmarkierung sei außerorts gerade auf bergigen und kurvigen Strecken dagegen ein Sicherheitsgewinn.

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