Marktheidenfeld

Marktheidenfeld 2018: Herausragend, fleißig, schlimm 

Es war ein Jahr der Kraftakte, der Glanzlichter, der Nachdenklichkeit und des bitteren Ringens. In der Schlusssitzung des Marktheidenfelder Stadtrates kam all dies hoch.
Eine der großen Baustellen in Marktheidenfeld ist der Bau der neuen Feuerwache, die rund 13,75 Millionen Euro kosten wird – inklusive des derzeit laufenden Abbruchs. 
Eine der großen Baustellen in Marktheidenfeld ist der Bau der neuen Feuerwache, die rund 13,75 Millionen Euro kosten wird – inklusive des derzeit laufenden Abbruchs.  Foto: Joachim Spies

Das sich dem Ende zuneigende Jahr war für die Stadt am Main und ihre Stadtteile herausragend und schlimm zugleich. „Marktheidenfeld ist bunt, fleißig und erfolgreich«, betonte Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder in der Jahresschlusssitzung des Stadtrates am Freitagabend im Rathaus. Ihre Bilanz, der auch Ehrenbürger Armin Grein und mehrere Ehrenringträger lauschten, war beeindruckend.  Doch CSU-Fraktionschef Christian Menig, der zum dritten Mal die Schlussrede für den Stadtrat hielt, fand auch kritische Worte: „Ich denke sagen zu können, dass das Jahr 2018 nicht das ruhmreichste, erfolgreichste und harmonischste Jahr für den Stadtrat in den letzten Jahren war.«

„2018 haben wir viel gearbeitet – und auch viel gefeiert!«

Zweifellos war es ein Jahr, das machten die Worte Schmidt-Neders deutlich, in dem die Stadt und ihre Beschäftigten, die vielen Ehrenamtlichen in den unterschiedlichsten Bereichen, die Kommunalpolitiker und die Hilfsorganisationen ihre Grenzen ausloteten. Schmidt-Neder: „2018 haben wir viel gearbeitet – und auch viel gefeiert!«  70 Jahre Stadterhebung, 20 Jahre Franck-Haus, 20 Jahre Jugendzentrum, 70 Jahre Laurenzi-Messe, BR-Radltour, sieben Kunstausstellungen mit allein 15.000 Besuchern im Franck-Haus und eine Fülle weiterer (Kultur-)Veranstaltungen: allein auf dem Sektor Kultur und Jubiläen gab es ordentlich zu tun.   

Viele Bauprojekte wurden vollendet, sind am Laufen oder wurden angestoßen, von der neuen Stadtbibliothek, die sich als Treffpunkt bewährt und schon 40.000 Besucher in den ersten sieben Monaten zählte, über die KiTa Baumhofstraße, die Bürgerhäuser in Glasofen oder Michelrieth, den sozialen Wohnungsbau bis hin zum Feuerwehrhaus am Nordring. Dort läuft der Abriss auf vollen Touren. Vollendet sein wird das aktuell mit 13,75 Millionen Euro veranschlagte Projekte wohl erst Ende 2020, so die Bürgermeisterin. 

Wie kann sich die Stadt solche Investitionen leisten?

Vieles ist nur möglich, weil die Stadt finanziell so gut da steht und 40 Millionen Euro auf der hohen Kante hat. So kommt man 2019 bei Investitionen von bis zu 30 Millionen Euro ohne Kreditaufnahme klar. In allen Stadtteilen und in der Kernstadt laufen Projekte, von der Grundschul-Mensa über den Straßenbau, von Investitionen in die Trinkwasserversorgung  bis zu Erschließungen für Gewerbe und Wohnbau. Doch die Stadt und insbesondere der Stadtrat und die Bürgermeisterin haben nicht nur solche Baustellen zu beackern und im Blick zu behalten, sondern stehen auch intern und im Diskurs mit den Bürgern vor Herausforderungen.   

Zweiter Bürgermeister Martin Harth dankt Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder mit Blumen.
Zweiter Bürgermeister Martin Harth dankt Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder mit Blumen. Foto: Joachim Spies

Zweifellos „sehr beansprucht«, wie es Zweiter Bürgermeister Martin Harth in seinen Dankesworten an die Rathauschefin formulierte, war Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder. Harth stellte fest: „2018 war ein Jahr mit vielen Ereignissen. Es gab sehr viele schöne Veranstaltungen, es gab aber auch schlimme Situationen, das muss man so sagen.«  Und damit meinte er zweifellos nicht nur den plötzlichen Tod des Zweiten Bürgermeisters Manfred Stamm im Oktober, an den an diesem Abend alle Redner erinnerten und den sie als „schmerzlichen Verlust« bezeichneten.

Bald Neues in Sachen Nachnutzung des Krankenhauses?

Ein Punkt, in dem die Bürgermeisterin offenbar häufig mit Vorwürfen konfrontiert wird, griff Schmidt-Neder auf. So gehöre das Kümmern um die medizinische Versorgung in und um Marktheidenfeld nach wie vor zu ihren Hauptaufgaben, versicherte sie. Schmidt-Neder:„Was sich nach vielen Gesprächen zur Nachnutzung des Krankenhauses Marktheidenfeld bisher abzeichnet, lässt mich positiv und optimistisch in die Zukunft blicken.« Noch im Januar 2019, so hofft sie, werde die Öffentlichkeit Näheres erfahren können.

CSU-Fraktionschef Christian Menig hält die Jahresschlussrede für den Stadtrat.
CSU-Fraktionschef Christian Menig hält die Jahresschlussrede für den Stadtrat. Foto: Joachim Spies

Dass sich die Freude an der Stadtratsarbeit heuer in Grenzen hielt, machte auch Christian Menig in seiner Rede deutlich. Viele seien, in Worten und Taten, "teilweise übers Ziel hinaus geschossen". Die Kritiker aus der Bevölkerung lud Menig ein, sich aktiv in die Stadtpolitik einzubringen und bei den Kommunalwahlen 2020 zu kandidieren.

Einige Themen, über die kontrovers diskutiert wurde, listete der CSU-Fraktionschef auf: Leerstände, Geschäftsschließungen, Gesundheitsversorgung, Poller, Parkplatz, Kreisumlage, Schulstandort, Kostenentwicklungen, Wahlen. Für 2019 sah er „viel Arbeit vor uns und dringende Projekte anzugehen« und er appellierte: „Wir müssen es gemeinsam anpacken!« 

Marktheidenfeld im Jahr 2018: Auszeichnungen und Zahlen
Die Stadt Marktheidenfeld und ihre Stadtteile zählten Ende November 11.894 Einwohner. Davon sind rund 77 Prozent unter 66 Jahre alt. 1473 Menschen, die hier leben, stammen aus dem Ausland.
21 Stadtratssitzungen und 32 Ausschusssitzungen sowie mehrere Tagungen der verschiedenen Beiräte hatten die Bürgervertreter zu bestreiten. In der Stadtverwaltung stand mit dem Ausscheiden von Heinz Matschiner und Kämmerer Karlheinz Pilsl ein Generationenwechsel an. Neuer Geschäftsleitender Beamter wurde Matthias Hanakam, neue Kämmererin Christina Herrmann.
Zahlreiche Auszeichnungen gab es für die Stadt und hiesige Einrichtungen. Hier eine Auswahl:
- Bürgerenergiepreis für die Projektgruppe Energiebewusstes Marktheidenfeld
- Preis für Schulprofil Inklusion und als Faire Schule für die Mittelschule
- Gütesiegel für die Stadtbibliothek als Partner der Schulen
- Integrationspreis für das Minigolf-Projekt des Jugendzentrums
- Förderpreis für das MovieKino für sein herausragendes Filmprogramm 
Mit der Beteiligung am Projekt „DenkOrt Aumühle« (Gedenken an Deportation und Ermordung jüdischer Mitbürger) und der Teilnahme einer Delegation an der Gedenkfeier „100 Jahre Ende des Ersten Weltkriegs« in der Partnerstadt Montfort wurde deutlich gemacht, dass schreckliche Episoden der Geschichte nicht vergessen werden. 

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