Marktheidenfeld

Marktheidenfeld: Warum auch Heteros diesen Samstag ins Kino müssen

Oskar Winter ist Regisseur. Die Premiere seines Spielfilms "Don't Think! Let's Go!" ist verbunden mit einer Air-Berlin-Party - deshalb trägt er ein Pilotenoutfit. Foto: Lukas Kutschera

Vielen homosexuellen Jugendlichen fällt es schwer, sich ihrer Sexualität bewusst zu werden und sie dem Umfeld mitzuteilen. Das ändern möchte Oskar Winter, der seit vergangenem Jahr in Marktheidenfeld lebt. Mit seinem Film "Don't Think! Let's Go!" will der 21-jährige Hobby-Regisseur jungen queeren Menschen in der Region Mut machen, sich zu outen.

Am Samstag feiert "Don't Think! Let's Go!" Premiere im Marktheidenfelder Kino "Movie im Luitpoldhaus". Dazu gibt es auch eine "Airberlin-Show". Was es damit auf sich hat und wie der Film entstanden ist, erzählt Winter im Gespräch. Und er erklärt, warum auch heterosexuelle Menschen unbedingt ins Kino gehen sollten.

Frage: Worum genau geht es in Ihrem neusten Film "Don't Think! Let's Go!"?

Oskar Winter: Im Film geht um einen Jungen namens Lukas. Der merkt langsam, dass er doch mehr auf Jungs steht. Er trifft Vincent und verliebt sich recht schnell in ihn. Das Problem: Während Lukas sich noch nicht geoutet hat und damit schwer klar kommt, ist Vincent schon geoutet und hat bereits viele Dates mit Jungs gehabt, ist also erfahren. Vincent möchte, dass Lukas sich so langsam auch outet. Aber für Lukas ist das ein Problem. Er schafft es einfach nicht. Da ist es jetzt die Frage, ob es mit dem Outing klappt oder in einem totalen Desaster endet.

Warum haben Sie gerade die Thematik des Coming-Outs, also sich seiner Homosexualität bewusst zu werden und sie dem Umfeld mitzuteilen, gewählt?

Winter: Wir wollen mit dem Film bewirken, dass die Leute sich trauen, sich zu outen. Wir wollen kein Drama draus machen. Uns geht es auch nicht darum, einen Oscar zu bekommen. Sondern darum, Menschen zu helfen.

Wir wollen überwiegend Jungs in Würzburg Mut machen zum Outing. Dazu haben wir auch Würzburger Locations benutzt. Zum Beispiel die Posthalle mit der "Gay-Disco" oder dem WuF, das schwullesbische Zentrum in Würzburg. Die wollen wir vorstellen und zeigen, dass man sich einfach outen kann. Und wo es Unterstützung gibt, wenn man sie braucht.

Was können heterosexuelle Menschen aus dem Film mitnehmen?

Winter: Denen möchte ich einfach zeigen, wie schwierig es ist, sich zu outen. Und dass sie darüber nicht lästern oder "schwul" als Beleidigung missbrauchen sollten. Die Leute sollten einfach offener sein und am besten mit nach Hause nehmen, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt, sich zu outen. Um dann homosexuellen Leuten im eigenen Umfeld helfen zu können.

Das Film wird im Marktheidenfelder Kino zu sehen sein. Auch im Film selbst kommt das "Movie" vor. Wie ist es dazu gekommen?

Winter: Wir wollten den Film nicht nur im Netz, sondern auch öffentlich in einem Kino zeigen. Beim Marktheidenfelder Kino haben wir angefragt, und die waren sehr offen für das Thema. Da haben wir’s dann gleich kombiniert und auch dort gedreht, mit ganz vielen Statisten. Zur Szene verrate ich nur so viel: Es wird romantisch.

Wie haben Sie überhaupt zum Filmen gefunden?

Winter: Ich filme einfach gerne und liebe es, vor Leuten zu stehen. 2015 hat mir dann ein Kumpel gezeigt, wie das mit dem Filmen so funktioniert. Über die Jahre hat sich das dann weiterentwickelt. Eigentlich bin ich Hörakustiker-Geselle in Marktheidenfeld. Aber 2017 habe ich für das Filmen sogar eine eigene Firma angemeldet, "OW-Films". Rund um Würzburg drehen wir Reportagen, Kurzfilme und Interviews.

Und wie kam es dann zu "Don't Think! Let's Go!"?

Winter: Nachdem ich mich mit 18 selbst geoutet hatte und im WuF-Zentrum aktiv wurde, haben mich die Leute dort gefragt, ob wir nicht zusammen einen Film drehen wollen. Dann war die Idee, dass wir doch einen Spielfilm machen könnten.

Wie ist das Drehbuch entstanden? Sind es Ihre autobiographischen Erfahrungen, die im Film vorkommen?

Winter: Tatsächlich war das anfangs die Idee. Aber dann haben wir uns entschieden, dass ich und zwei andere Regisseure jeweils ein komplettes Drehbuch zu dem Thema schreiben. Das war Anfang 2018. Dann wurde von jedem entweder Anfang, Mitte, oder Schluss übernommen und zu dem Drehbuch, wie wir es dann für den Film genommen haben, zusammengefügt. Ich hatte das Ende bekommen.

Bei der Premiere am Samstag wird es auch eine "Airberlin-Show" geben. Was hat es damit auf sich?

Winter: Für den Film haben wir eine eigene Produktionsfirma namens "First Class" gegründet. Und mit "First Class" kann man ja auch die erste Klasse eines Flugzeuges verbinden. Dann haben wir uns gedacht, dass wir damit was bei der Premiere machen könnten.

Als wir mitbekommen haben, dass Airberlin pleitegegangen ist, konnten wir Sachen wie Speisewagen oder Sicherheitswesten abstauben. So ist das entstanden. Bei der Premiere am Samstag wird es dann unter anderem einen Check-In-Schalter am Eingang geben.

Premiere: "Don't Think! Let's Go!"
Wo? Movie im Luitpoldhaus, Marktheidenfeld
Wann? Am Samstag, 26. Oktober
Einlass: 17.45 Uhr
Beginn: 18.30 Uhr

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