Marktheidenfeld

Marktheidenfeld: Was die neuen Eigentümer mit dem Lermann-Areal vorhaben

Mitte Dezember verkündete die Bamberger KRE Group, Teile des Udo-Lermann-Areals übernommen zu haben. Was wird sich ändern? Was soll in die Räumlichkeiten? Wann geht's los?
Das Udo-Lermann-Kaufhaus ist seit längerem das Symbol für gewerblichen Leerstand  in Marktheidenfeld. Foto: Luftaufnahmen Kremen

Das Kaufhaus Udo Lermann ist aktuell so etwas wie das Symbol für den Leerstand in Marktheidenfeld. Das gewaltige Gebäude an der Luitpoldstraße war über Jahrzehnte so etwas wie das Gesicht der Stadt gewesen. Von Schnürsenkel über Koffer bis zum Fernseher: Das alles gab es an einem Ort, bevor das Kaufhaus im März 2019 endgültig die Pforten schließen musste. Lediglich der Fahrrad- und der Elektronikmarkt sind heute noch geöffnet, allerdings verlagert in den ehemaligen Baumarkt. 

Erste Ideen für das Lermann-Areal in Marktheidenfeld stellten beim Redaktionsgespräch Projektentwickler Harald Gerlach und die Marktheidenfelder Architektin Daniela Wagner vor. Foto: Joachim Spies

Wie eine Bombe schlug deshalb Mitte Dezember die Nachricht ein, dass die Bamberger Projektentwickler der KRE Group große Teile des Lermann-Geländes übernommen haben. In Lohr baut das Unternehmen gerade das Gelände der Alten Brauerei um. "Ein fortschrittliches Geschäftshaus mit heller und moderner Fassade" soll dort entstehen. Doch was haben sie in Marktheidenfeld vor? 

Harald Gerlach: "Wir setzen auf breiten Konsens"

Jetzt gibt es erste Antworten und die kommen von Harald Gerlach. Der Ingenieur ist Kooperationspartner der KRE Group, schon seit 25 Jahren ist er Projektentwickler. Auch in Lohr ist er maßgeblich beteiligt. Zum Interviewtermin hat er Daniela Wagner in die Redaktion mitgebracht. Die Architektin hat ihr Büro in der Stadt und ist die "Brücke" zu Marktheidenfeld, wie Gerlach sagt.

Vor den beiden liegt eine Mappe mit ersten Entwürfen. Man sei in einer frühen Phase, betont Gerlach. Projektentwicklung sei ein langwieriges Geschäft. Gerade kommen die beiden von Gesprächen mit der Stadtverwaltung. Gerlach sagt: "Wir setzen auf breiten Konsens. Wir sind nicht die einsamen Entscheider, wir versuchen Wünsche und Machbares kompatibel zu machen." 

Wie soll das Lermann-Areal mal aussehen? 

Stand Heute hat die KRE Group alles erworben, was zwischen Luitpoldstraße, Baumhofstraße, Echterstraße und Ludwigstraße zu Udo Lermann gehörte. Dazu kommen weitere Lermann-Flächen auf der anderen Seite der Ludwigstraße. Immer wieder betont Gerlach, dass es bisher nur erste Überlegungen gibt. Eins sei jedoch schon jetzt sicher: Das Kaufhaus und sein Charakter soll bestehen bleiben. "Wenn man ein solches Objekt schließt, dann hält man der Bevölkerung was vor", sagt Gerlach. Der Rest des Areals soll, nach aktuellem Stand der Ideen, jedoch abgerissen und komplett neu bebaut werden.

Auf die kleinere Fläche auf der anderen Seite der Ludwigstraße sollen dann, mit jeweils 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche, der Elektrofachmarkt und das Fahrradgeschäft wandern. Obwohl die beiden Unternehmen nur zur Miete einziehen werden, werde das Label "Udo Lermann" bestehen bleiben, sagt Gerlach. 

"Lermann wird wieder das geflügelte Wort für 'Einkaufen' werden."
Harald Gerlach

Interessant wird es dann auf der großen Lermann-Fläche. Es soll grob drei Teile geben: das ehemalige Kaufhaus, den gewaltigen Anbau nach hinten und eine Tiefgarage, die unter dem Areal genügend Stellplätze schaffen soll. Nach ersten Plänen soll im vergrößerten Erdgeschoss der Handel zukünftig sein Zuhause finden. Man wolle der Bevölkerung wieder das Einkaufserlebnis bieten, unterschiedlichste Dinge erwerben zu können. Gastronomie verstünde sich von selbst. Gerlach sagt: "Lermann wird wieder das geflügelte Wort für 'Einkaufen' werden."

Vorne im Kaufhaus sollen die übrigen vier Stockwerke ähnlich wie in Lohr besetzt werden. Das bedeutet: "Servicewohnen", Tagespflege und eine Demenzstation. Das einst aufgestockte fünfte Geschoss des Kaufhauses soll wieder abgebaut werden. Auf dem Anbau soll eine Grünfläche entstehen und darum herum Eigentumswohnungen. Ob diese nun zwei, drei oder vier Zimmer haben werden, wisse man noch nicht, sagt Gerlach. Auch die Preisklasse einer solchen Wohnung könne man noch nicht abschätzen. 

Was sind jetzt die nächsten Schritte? 

Das Projekt wird gewaltig sein. Allein der Neubau des Lohrer Projekts kostet etwa 20 Millionen Euro. Marktheidenfeld wird noch größer, ist sich Gerlach sicher, ohne genauer zu werden. Bis Ende 2020 haben Gerlach, Wagner und die KRE Group jetzt Zeit, ein "mit allein Parteien abgestimmtes Konzept" zu erarbeiten. Sollte das aus irgendwelchen Gründen nicht klappen, könnte  die KRE Group noch vom Kaufvertrag zurücktreten.

Noch im Februar, so strebt es Gerlach an, möchte er dem Stadtrat und der Öffentlichkeit das Projekt genauer vorstellen. Gibt es einen Konsens zwischen Bürgern, Stadt und Investor, könnte der Bau bereits 2022 beginnen, meint er. Etwa zwei Jahre veranschlagen Gerlach und Wagner dafür. 2024, fünf Jahre nach dem sie geschlossen wurden, könnten die Pforten zu einem der Gesichter Marktheidenfelds dann wieder geöffnet sein. 

Was ist "Servicewohnen"?
Unter "Servicewohnen" versteht man eine Art betreutes Wohnen. Ältere Menschen könnten sich in die Wohnungen einmieten, erklärt Gerlach. Ein Vertrag sichert ihnen zu, dass sie dort im Pflegefall wohnen bleiben dürfen und dort außerdem betreut werden. Dazu zählen alle Pflegegrade. "So werden Familien nicht auseinander gerissen, sollte ein Mitglied zum Pflegefall werden", erklärt Gerlach die Vorteile. 
Wie in Lohr werde die KRE Group dafür auch in Marktheidenfeld mit der Advita GmbH zusammenarbeiten, sagt Gerlach. Man habe gute Erfahrungen mit dem Unternehmen gemacht. Die advita Pflegedienst GmbH ist, laut ihrer Internetseite, ein seit 1994 überregional tätiger Pflegedienst mit 31 Niederlassungen in Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Baden-Württemberg und zählt mit über 2300 Mitarbeitern zu den größten Pflegediensten Deutschlands.

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