Marktheidenfeld

Marktheidenfeld muss sich jetzt gegen den Klimawandel wehren

In einer Sondersitzung stellte der Bauhof dem Stadtrat ein neues Flächen-, Pflege- und Bewirtschaftungskonzept vor. Das Stadtbild könnte sich dadurch nachhaltig ändern.
Marktheidenfeld geht neue Wege: Dies ist ein Modell zur Straßenbaumbewässerung mit der "MeaClean" Rinne für den innerstädtischen Bereich. Das Abflusswasser der Straße wird durch ein Granulat gereinigt und dann zum Wurzelwerk des Baumes geleitet. Bisher muss Abflusswasser direkt über den Kanal zum Klärwerk geleitet werden.  Foto: Skizze Thorsten Preis

So ein einzelner Baum braucht eine Menge Wasser. Wenn der Regen ausbleibt, der Grundwasserspiegel sinkt und die Temperaturen weiter steigen, kann das für einen Bauhof, der 3000 Bäume pflegen muss, schon kritisch werden. "Trotz Regen benötigen die Stadtbäume von Mai bis August schon jetzt zusätzlich Wasser", sagte der stellvertretende Bauhofleiter Thorsten Preis bei einer Sondersitzung des Stadtrats.

Bei einer wöchentlichen Bewässerung wären das 4,8 Millionen Liter Wasser pro Jahr. Preis: "Wir von der Stadt Marktheidenfeld sollten als gutes Beispiel vorangehen und mit natürlichen Ressourcen, wie dem Trinkwasser, sparsam umgehen. Uns muss bewusst werden, dass nicht mehr alles zu erhalten ist und neue Wege einzuschlagen sind."

4,8 Millionen Liter würden für einen Menschen in etwa reichen, um jeden Tag für 90 Jahre ein Vollbad zu nehmen.
Berechnung der Redaktion

Schon in den vergangenen Jahren haben der Bauhof und die Grünkolonne erste Schritte auf diesen neuen Wegen gemacht. Die Stadt Marktheidenfeld will von einer intensiven Pflege der Begrünung zu einer möglichst extensiven – bedeutet: auf großen Flächen, aber mit möglichst geringem Aufwand – Pflege umsteigen. Mit dem Flächen-, Pflege- und Bewirtschaftungskonzept, das Tobias Willinger von der Grünkolonne und Thorsten Preis erarbeitet haben, liegt nun eine Basis für weitere Schritte vor.

Maßnahmen sollen so schnell wie möglich ergriffen werden

"Wir müssen alle an einem Strang ziehen, damit wir das hinkriegen", sagte Preis am Dienstagabend. Dafür hat er sich mit anderen Kommunen und sogar Wissenschaftlern der TU München ausgetauscht. Das Ergebnis: Die Herausforderungen des Klimawandels ließen sich auch in dicht bebauten bayerischen Städten bewältigen. Allerdings sollten die entsprechenden Maßnahmen so schnell wie möglich ergriffen werden.

Die städtischen Gärtner Jürgen Kern und Tobias Willinger (von links) setzten an den Marktheidenfelder Maradiesseen neue hitzeresistente Bäume und Sträucher ein. Foto: Marcus Meier

Einer seiner wichtigsten Handlungsempfehlungen ist, den Baumbestand zu schützen, obwohl man immer mehr Wasser dafür brauche. Der Grund: Bäume haben den größten Einfluss auf das urbane Mikroklima. Höfe, Straßen und Plätze würden durch Schatten und die Verdunstung gekühlt. Bei Neupflanzungen sollte man, um Wasser zu sparen, auf klimatolerante und trockenheitsresistente Baumarten achten. Die gleichen Argumente gelten für begrünte Dächer und Fassaden. 

Die Vorteile sind, dass so an heißen Tagen die gefühlte Umgebungstemperatur merklich sinken würde. Außerdem würde eine Begrünung von öffentlichen und privaten Flächen die Artenvielfalt fördern und die dadurch geschaffene Sickerfläche könnte Überschwemmungen durch Starkregenfälle vorbeugen. Durch neu anzulegende Blumenwiesen könnte zudem die Artenvielfalt erhalten werden.

So will der Bauhof gegen die Wasserknappheit vorgehen

Damit wären wir wieder am Anfang des Artikels, denn es gibt ein Problem. "Wir müssen Wasser finden, damit wir weiter die Begrünung der Stadt gewährleisten können", erklärte Preis. Die durch den Klimawandel immer öfter auftretenden Phasen mit wenig Niederschlag führten dazu, dass natürliche Quellen versiegen, Bäche austrocknen und Grundwasserspiegel in einigen Regionen Unterfrankens dramatisch sinken würden. Martin Gerberich (CSU) mahnte noch an, sich für Altfeld Gedanken zu machen, damit man kein Wasser von der Stadt nach Altfeld holen müsse.

So sieht die eingebaute MEACLEAN Filtersubstratrinne in der Bayernstraße aus. Foto: Thorsten Preis

Preis nannte ein paar Möglichkeiten zum Sparen von Wasser. Durch Bewässerungssäcke, die um den Stamm gehängt werden würden, könnte Wasser gezielt zur Wurzel laufen und würde nicht verdunsten. Ähnliches gelte bei Baumscheiben, in welche die Stadtbäume schon jetzt gesetzt werden. Durch das eingebaute Drainagerohr könnte die Wurzel direkt bewässert werden. 

Preis hatte für die Stadträte noch eine weitere Idee dabei. In der Masterarbeit einer Hamburger Studentin hatte er gelesen, wie man Strassenabflusswasser zur Baumbewässerung verwenden könnte. Aktuell würden Niederschläge von vorhandenen, versiegelten Flächen in den Kanal geleitet. Mit dem Einbau einer Entwässerungsrinne wäre es jedoch möglich, Stadtbäumen gezielt zusätzliches Niederschlagswasser zuzuleiten. Das Substrat, mit dem die Rinne gefüllt ist, würde das Wasser dann wie in einer Mini-Kläranlage reinigen.

In der Bayernstraße hat der Bauhof bei vier Bäumen schon einen Testlauf mit diesen Rinnen gestartet. Dies werde man nun zwei Jahre beobachten, schlug Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder vor. Fördergelder gebe es dafür leider keine, sagte Preis. Dafür ist die Idee wohl noch zu neu. 

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