Marktheidenfeld

Marktheidenfelds Wald: Hie und da zum Verzweifeln

Angesichts der Schäden können die Förster wohl nur auf himmlischen Beistand hoffen. "Alleine werden wir das nicht schaffen", sagte Forstdirektor Netsch bei der Waldfahrt.
Waldfahrt des Marktheidenfelder Stadtrates: Forstdirektor Wolfgang Netsch (Zweiter von links) erläutert anhand von Grafiken die Dramatik der vergangenen Jahre bei den Temperaturen und der Wasserversorgung des Waldes. Foto: Joachim Spies

Ohne Murren ertrugen die Stadträte am Donnerstagnachmittag bei ihrer Waldfahrt den einsetzenden Regen und das kühle Wetter, denn nichts sehnlicher wünschen sich die Forstleute für die Wälder der Heimat. Trockenschäden und Käferbefall haben auch dem Marktheidenfelder Stadtwald zugesetzt, was Forstdirektor Dr. Wolfgang Netsch zum Auftakt der Fahrt zur Aussage verleitete, man werde die Teilnehmer nun "ins Gruselkabinett des aktuellen Waldzustands entführen". Netsch machte auch deutlich, dass die Forstleute allein der Klimaprobleme und Schädlinge nicht Herr werden können: "Wir brauchen dringend einige kühle und regenreiche Jahre." 

781 Hektar groß ist der Marktheidenfelder Stadtwald und Ziel der Besichtigung waren die beiden Waldabteilungen "Steinbusch" und "Erlendelle" oberhalb von Glasofen. In einem Nadelholzbestand scharten Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder und Stadtförster Thomas Vogel die fast vollzählig beteiligten Stadträte um sich und wiesen auf die wesentlichen Fragestellungen hin. Eine davon ist laut Schmidt-Neder, "ob die für die Baumpflanzungen ausgewählten Bäume überhaupt die richtigen sind".

Welche Bäume auf den Kahlflächen anpflanzen?

Vier Hektar Kahlflächen durch Käferholz, Trockenheit und Windbruch gibt es im Stadtwald in nächster Zeit aufzuforsten. Angesichts der unter Käfern leidenden Fichten und Kiefern, des von der Rindenrußkrankheit betroffenen Ahorn und dem Eschentriebsterben ist Nachdenken angesagt. An der "Erlendelle" folgten die Räte dem Vorschlag der Forstleute, hier auf Eichenmischwald mit Buche, Edelhölzern, Douglasie und Tanne zu setzen.

Organgene Spraypunkte zeigten in der Waldabteilung "Steinbusch", was durch Käfer und Trockenheit geschädigt ist und eingeschlagen werden muss. Foto: Joachim Spies

Die vielen vorgangenen Spraypunkte auf den Fichten im "Steinbusch" zeigten, wie viele Fichten hier eingeschlagen werden müssen, weil sie vom Käfer befallen sind. Es sind viele. Flächen wie am "Steinbusch", größere und kleinere, gebe es rund 50 im Stadtwald, meinte Thomas Vogel. Ein großes Problem für die Förster: "Wir kriegen das Holz gar nicht heraus." Alle Waldarbeiter seien mit Nadelholz beschäftigt, Maschinen seien kaum zu bekommen. Froh ist Vogel, dass er jetzt für kurze Zeit einen Harvester bekommen konnte, der ihm 1000 Festmeter bearbeitet. 

Wie effektiv der Einsatz des Harvesters ist, zeigte sich in den Abteilung "Erlendelle". Foto: Joachim Spies

Dessen effektiven Einsatz konnten sich die Stadträte weniger hundert Meter weiter anschauen. "Das können wir mit unseren Arbeitskräften gar nicht schaffen", betonte Vogel. Bisher wurden 5400 Festmeter Schadholz aufgearbeitet, noch einmal die gleiche Menge dürfte noch im Wald stehen. Die Situation teilt Marktheidenfeld mit vielen anderen Wäldern, ob staatlich, kommunal oder privat. Das drückt die Preise in den Keller. Vogel: "Die Aufarbeitungskosten sind in manchen Sortimenten inzwischen höher als das, was man von den Firmen kriegt." Aufgrund der Fichtenmengen, so ergänzte Netsch, "ist die Kiefer aktuell nicht zu verkaufen". 

Ein Baum – über eine Milliarde Borkenfäfer

Viel ändern wird sich in den nächsten Jahren hier wohl nicht. Auch 2020 ist mit weiterem Käferholz zu rechnen. Untersuchungen hätten gezeigt, dass allein an einem Baum und angesichts von bei drei Borkenkäfergenerationen im Jahr sich bis zu 1,5 Milliarden Schädlinge entwickeln können, informierte Wolfgang Netsch. Die Anregung von Helmut Adam, das Schadholz Privatleuten zur Aufarbeitung anzubieten, nahm Vogel gerne auf, verwies aber auf die Anforderungen an die Holzmacher hinsichtlich Kenntnissen und Maschinen. Den eigentlich geplanten Einschlag von Frischholz hat der Stadtförster angesichts der Holzmarktlage weitgehend eingestellt.

Was Thomas Vogel Hoffnung macht, ist die sogenannte Naturverjüngung. Zwischen den orange gepunkteten Schadbäumen gedeihen am Boden mehrere Baumarten. Flächen groß einzuzäunen, damit die jungen Pflänzchen groß werden können, ist zu teuer, sagt Vogel. Hier setzt der Förster auf die Unterstützung der Jagdpächter.  

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