Karlstadt

Masterplan 2020 kommt: Bostelaar will attraktiveres Krankenhaus und geringeres Defizit

Klinikreferent René Bostelaar hat das Ziel, das Defizit der Kliniken weiterhin jährlich um eine Million zu verringern, bis es ausgeräumt sei. Wie will er das schaffen?
Das Krankenhaus in Lohr. Foto: Thomas Obermeier

Das Defizit des Klinikums Main-Spessart soll in diesem Jahr unter fünf Millionen Euro liegen; 2018 betrug der Verlust 6,8 Millionen, für 2019 wird mit 5,8 Millionen gerechnet. Mit Blick auf das im Wirtschaftsplan 2020 mit 4,96 Millionen Euro angesetzte Defizit sagte Klinikreferent René Bostelaar in der Kreistagswerkausschusssitzung am Montag im Sitzungssaal des Landratsamtes, dass es sein Ziel sei, das Defizit weiterhin jährlich um eine Million zu verringern, bis es ausgeräumt sei.

Er machte deutlich, dass er dies durch zahlreiche Veränderungen, festgehalten in einem Masterplan 2020, erreichen wolle. Mit dem Klinikdirektorium und den Geschäftsbereichsleitungen seien bereits Richtlinien zur Zusammenarbeit und Kommunikation sowie ein modifiziertes Organigramm und Leitsätze erarbeitet worden.

Masterplan soll bis Oktober 2020 stehen

Am 10. März soll es seinen Worten nach bei einer Veranstaltung mit 120 Mitarbeitern aller Berufsgruppen und über die Hierarchien hinweg zu einer breiten Beteiligung der Belegschaft kommen. Die Ergebnisse würden dem Werkausschuss Ende März vorgestellt, der Masterplan solle im Oktober dieses Jahres stehen.

Unter anderem geht es laut Bostelaar, dem ab April ein Assistent zur Seite stehen soll, darum, einige Bereiche neu aufzustellen, beispielsweise das Finanz- und Rechnungswesen sowie das Marketing. Ferner sei an die Einführung eines Belohnungssystems für die Mitarbeiter gedacht. Um das Krankenhaus in Lohr für Patienten attraktiver zu machen, will Bostelaar durch Verlagerung der Verwaltung zusätzliche Patientenzimmer schaffen.

Mit Blick auf eine Betten-Auslastung von knapp 74 Prozent sah Gerhard Kraft (Grüne) darin zunächst einen Widerspruch, Bostelaars Erklärung überzeugte ihn jedoch. Der Klinikreferent machte deutlich, dass er möglichst viele Drei- und Zwei-Bett-Zimmer in Einzelzimmer umwandeln möchte, weil die meisten Patienten dies wünschten.

Gesundheitsstrategie für den Landkreis entwickeln

Bis 2030 soll laut Bostelaar gemeinsam mit Akteuren aus allen Gesundheitsbereichen eine Gesundheitsstrategie für den Landkreis auf die Beine gestellt werden. Für die Entwicklung eines Gesundheits- und Pflegekompetenzzentrums als Modellprojekt in Marktheidenfeld habe der Freistaat Bayern Fördergelder in Höhe von 200 000 Euro in Aussicht gestellt. Dafür werde derzeit das Erdgeschoss des dortigen Krankenhausgebäudes freigeräumt.

Erfolgreich sind laut Bostelaar Verhandlungen mit der AOK verlaufen, so dass die Entgelte für Schlaganfall-Komplexbehandlung im Jahr 2019 – es geht um rund 1,9 Millionen Euro – nun doch gezahlt würden.

"Sehr beeindruckend", sagte Brigitte Riedmann (FW) nach Bostelaars ausführlichem Vortrag zur Weiterentwicklung des Klinikums Main-Spessart. Ob er "die nötige Manpower im Haus" habe, um diese Mammutaufgabe umsetzen zu können, wollte sie wissen. Er werde mit der bestehenden Mannschaft beginnen, antwortete der Klinikreferent. Wobei die Abteilungsleiter durch neue Strukturen künftig mehr Verantwortung bekämen und über vieles mitentscheiden könnten.

Bis zum Sommer Praxis mit MRT in Marktheidenfeld

Auf die Frage von Heidi Wright (SPD), wann in Marktheidenfeld was umgesetzt werde, sagte Bostelaar, dass dort bis Sommer eine Praxis mit Magnetresonanztomographie eingerichtet werden solle; diese werde weitere Praxen nach sich ziehen, dann werde sich dort etwas bewegen.

Mario Paul (Grüne) fragte, wie man die Kreissenioreneinrichtungen in Marktheidenfeld und Gemünden zukunftsfähig aufstellen könne. Durch Erhöhung der Einzelzimmerquote lautete die Antwort von Landrat Thomas Schiebel (FW). Um dies zu erreichen, seien bauliche Maßnahmen erforderlich. Eventuell müsse man auch über die Errichtung eines Schwesternwohnheims nachdenken. In Gemünden werde es ohne Neubau "wahrscheinlich nicht gehen", meinte Gerhard Kraft. Man sei deswegen schon im Gespräch mit Grundstücksnachbarn, so Schiebel.  

Jeweils einstimmig gab der Werkausschuss folgende Beschlussempfehlungen an den Kreistag:

  • Für den geplanten Neubau eines Zentralklinikums Main-Spessart in Lohr soll bei der Regierung von Unterfranken der Förderantrag eingereicht werden. Auf Nachfrage von Ernst Prüße (CSU) in welcher Höhe, sagte Landrat Schiebel, man werde "größtmögliche Förderung" beantragen; in Aussicht gestellt seien rund 100 Millionen Euro.
  • Das Jahresergebnis 2018 des Klinikums Main-Spessart mit einem Defizit von rund 6,8 Millionen Euro soll festgestellt, außerdem sollen Landrat und Verwaltung entlastet werden.
  • Vor dem Hintergrund einer Änderung im Pflegeberufegesetz (generalistische Ausbildung) soll die Erweiterung des Bildungszentrums für Pflegeberufe des Klinikums Main-Spessart in Marktheidenfeld um die Ausbildungsrichtung "Pflege" beantragt werden, wobei die bestehende schulrechtliche Anerkennung der Schulen der "alten" Ausbildungsrichtungen fortgelten soll.
  • Dem Wirtschafts- und Stellenplan 2020 soll zugestimmt werden. Vorgesehen sind in dem Plan Investitionen in Höhe von 8,96 Millionen Euro (2,46 Millionen mehr als 2019) und ein Schuldenanstieg von bisher 2,2 auf 2,58 Millionen Euro zum Jahresende. Mit 1050 Mitarbeitern (darunter viele in Teilzeit) liegt das Klinikum 2020 um 0,3 Prozent unter dem Wert von 2019.

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