MARKTHEIDENFELD

Medizinische Versorgung: Ohne die Ärzte geht nichts

Begleiten: ja – selbst machen: nein. So kann man die Strategie zusammenfassen, die die Stadt Marktheidenfeld mit Blick auf ein Ärztehaus im Kreiskrankenhaus verfolgen könnte.

Gunnar Geuter vom Kommunalbüro für ärztliche Versorgung im Bayerischen Landesamt für Gesundheit (Nürnberg) hielt am Donnerstag vor 17 von 24 Stadträten einen internen Vortrag, zu dem die Presse zugelassen war. Die Räte hatten den Medizinaloberrat eingeladen, um sich über Formen von Ärztehäusern aufklären zu lassen. Wie Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder erklärte, sei man „intensiv daran interessiert“, die ärztliche Versorgung in der Stadt aufrecht zu erhalten.

Noch gibt es eher zu viele Hausärzte

Für die hausärztliche Versorgung stellte Geuter fest, dass der Planungsbereich Marktheidenfeld – bestehend aus der Stadt und der VG Marktheidenfeld, der VG Kreuzwertheim und der Marktgemeinde Triefenstein – mit 137 Prozent überversorgt sei. Der bayernweite Bedarfsplan der Kassenärztlichen Vereinigung sieht vor, dass im Raum Marktheidenfeld mit seinen 36 576 Einwohnern ein Hausarzt etwa 1670 Patienten versorgen sollte. Tatsächlich gibt es aber 33 Mediziner, die im Schnitt 1108 Patienten betreuen.

Das sind knapp sechs mehr als gefordert. Die Folge: Zusätzliche Hausärzte dürfen sich nicht ansiedeln; erst, wenn ein niedergelassener seinen Sitz weiterverkauft.

Jeder zweite Hausarzt ist über 60 Jahre alt

Allerdings räumte Geuter ein: Jeder zweite Hausarzt ist 60 Jahre alt und älter. Somit wird sich dieser Versorgungsgrad in den nächsten Jahren ändern. „Es steht ein gewaltiger Generationswechsel bevor“, sagte der Gesundheitsfachmann.

Bei den Fachärzten gilt für die KVB der ganze Landkreis als ein Planungsbereich. Auch hier ein ähnliches Bild: Noch gibt es bei den Fachärzten in Main-Spessart eine Überversorgung, die je nach Fachrichtung von 111 bis 183 Prozent reicht. Die einzige Ausnahme: Die Quote der HNO-Ärzte ist nur zu 52 Prozent erfüllt. Deshalb gelte bei fast allen Fachärzten, dass es keine zusätzlichen Ansiedlungen im Landkreis geben werde. Möglich seien nur die Weitergabe eines Sitzes von einem Facharzt an einen anderen oder der Umzug innerhalb des Landkreises.

Ärzte wünschen sich neue Arbeitsmodelle

Geuter erklärte den Räten auch, dass die kommenden Ärztegenerationen nicht mehr „vom alten Schlag“ seien. Sie wünschten sich statt heutiger Rund-um-die-Uhr-Dienste neue Arbeitsmodelle im Team, in Teilzeit oder als Angestellter statt als Selbstständiger. Und das gelte längst nicht nur für Frauen.

Deshalb konstatierte der Vertreter des Landesamtes, dass sich heute anstelle von Einzelpraxen häufig Ärztehäuser mit vier, fünf Medizinern finden würden.

Damit stellte sich für den Stadtrat die Frage der kommunalen Beteiligung an einem Ärztehaus oder seiner speziellen Form, dem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ). Geuter erinnerte das Gremium daran, dass zunächst die Kassenärztliche Vereinigung für die ärztliche Versorgung in ihren Planungsgebieten zuständig sei. Er empfahl der Stadt, mit den niedergelassenen Ärzten zu sprechen und ihre Zukunftsabsichten zu erfragen.

Er riet, für die nötige Infrastruktur im Stadtgebiet zu sorgen. Doch Geuter sprach sich keinesfalls für ein kommunales, mit Steuergeldern betriebenes MVZ aus. „Bei einer Überversorgung mit Ärzten wird es schwierig, das zu vertreten“, mahnte er mit Blick auf die Kommunalaufsicht. Besser sei es, interessierte Ärzte als Unternehmer für ein MVZ oder eine Gemeinschaftspraxis zu gewinnen.

Dafür könne Marktheidenfeld die Rahmenbedingungen schaffen und sich beispielsweise für die Vermietung von Immobilien stark machen. Wohlgemerkt: Das Krankenhaus gehört nicht der Stadt, sondern dem Landkreis.

Am Ende zählt der Wille der Ärzte

Der Erhalt der ärztlichen Versorgung sei nur im Schulterschluss mit den niedergelassenen Ärzten zu erreichen, lautete das Fazit des Medizinaloberrats. Oder wie Stadträtin Andrea Hamberger es in der Diskussion ausdrückte: „Wir können uns als Politiker alles Mögliche wünschen, aber am Ende zählt nur das, was die Ärzte wollen.“

Gunnar Geuter, Kommunalbüro für ärztliche Versorgung, Nürnberg. Foto: Andreas Brachs

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