Lohr

Messe, Museum und ein Milliardär

Lothar Vormwald präsentiert zwei Exemplare des Isolatoren Hemingray Nr. 19. Der linke ist in Ordnung, der rechte eingeschmolzen beim großen Feuer in der kalifornischen Stadt Paradise im November 2018.  Foto: Thomas Josef Möhler

Sechs Wochen lang haben Lothar Vormwald, der Leiter des Isolatorenmuseums an der Haaggasse, und seine Frau Daniele die USA bereist. Davon mitgebracht haben sie neue Sammlerstücke fürs Museum und unvergessliche Erlebnisse wie den Besuch bei einem etwas seltsamen Öl-Milliardär, der mehr Isolatoren besitzt als alle anderen Sammler weltweit zusammen.

11 000 Kilometer durch acht Bundesstaaten im Nord- und Südwesten der USA haben die Vormwalds nach dem Flug nach Los Angeles mit dem Leihwagen zurückgelegt. Ihre Ziele waren Sammlerfreunde, Isolatorenmessen und Nationalparks. Letztere wollte vor allem Daniele Vormwald sehen. »Sie muss ja auch auf ihre Kosten kommen«, meinte Lothar Vormwald im Gespräch mit unserem Medienhaus.

Gleich nach der Landung ging es nach Fresno zur Isolatorenmesse mit circa 150 Sammlern und Händlern aus den ganzen USA. Die Vormwalds waren die einzigen Deutschen und die Ehrengäste. "Wir durften das Buffet eröffnen", erzählt Vormwald.

Bei Großbrand geschmolzen

Dort bekam Vormwald von Sammlerfreund Lou Hall aus Fresno einen Glasisolator vom Typ "Hemingray Nr. 19" für sein Museum geschenkt. Das Besondere: Er stammt aus der kalifornischen Stadt Paradise, die etwas größer als Lohr war – sie wurde bei den Waldbränden im November 2018 fast vollständig zerstört. Der Isolator ist bei circa 900 bis 1000 Grad geschmolzen.

Wäre es noch heißer geworden, wäre das Glas flüssig verlaufen, ließ sich Vormwald von einem Glasingenieur sagen. So ist wenigstens ein Teil des Gewindes noch zu erkennen. Er will das nicht sehr wertvolle, aber seltene Erinnerungsstück mit einem intakten Pendant aus seiner Sammlung im Museum ausstellen.

Lou Hall war es auch, der einen Kontakt zum menschenscheuen Tommy Bolack in New Mexico vermittelt hat. Dessen Vater hat laut Vormwald im Ölgeschäft Milliarden gemacht und war einen Monat lang Gouverneur des US-Bundesstaates. Sein Sohn legt das Geld in diversen Sammlungen an.

Hallenweise Isolatoren

Lothar Vormwalds Sammlung zählt rund 6000 Isolatoren und ist die größte in Deutschland. Die größte europäische Sammlung, die einem tschechischen Sammlerfreund gehört, umfasst angeblich etwa 10 000 Exemplare. Darüber kann Tommy Bolack nur lachen: Er hat rund 800 000 Isolatoren auf seinem riesigen Anwesen in New Mexico gehortet, berichtet dieser. Nach Vormwalds Schätzung dürfte Bolack mehr Isolatoren besitzen als alle anderen Sammler weltweit zusammen.

Er kaufe ganze Sammlungen auf, die in drei großen Industriehallen aufbewahrt würden. "Ist eine Halle voll, lässt er eine neue bauen." Die vielen Isolatoren seien "ein bisschen chaotisch sortiert", aber Bolack, der Elektro-Ingenieur vom Beruf und schon als Kind mit Isolatoren in Berührung gekommen ist, wisse über praktisch jeden Bescheid.

Cadillac von Elvis

In den drei riesigen Hallen befindet sich aber nicht nur Bolacks Isolatorensammlung, sondern auch Oldtimer, darunter der Cadillac von Elvis Presley, Panzer aus beiden Weltkriegen, Düsenjets, Lokomotiven und Waggons, 700 000 Schallplatten, eine 40 Meter lange Schaltanlage aus Marmor, tausende Wasser- und Stromzähler aus der ganzen Welt, historische Krankenzimmer und OP-Säle und ein elektrischer Stuhl.

Auf dem Gelände stehen Ölfördertürme, ein komplettes Umspannwerk und eine Eisenbahnbrücke herum. Drei Stunden blieben die Vormwalds beim nach ihren Schilderungen nachlässig gekleideten Milliardär mit rustikalen Umgangsformen, der völlig allein und analog ohne Internetanschluss in einem Haus aus versteinertem Holz lebt. "Dann bist du gesättigt", so Vormwald,"aber man könnte sich dort monatelang aufhalten".

2Danach ging's von Sammler zu Sammler weiter", beschrieb der Museumsleiter die restliche Reise. Vormwald hat gemerkt, dass er mit diesem Titel in den USA ganz anders behandelt wird. Die Amerikaner seien besessen von allem, was mit Geschichte und Museen zu tun habe – wahrscheinlich, weil sie selbst auf nur gut 200 Jahre zurückblicken können.

Im Gegensatz zu Deutschland und Europa, wo Porzellanisolatoren hoch im Kurs stehen, sind es laut Vormwald in den USA solche aus Glas, möglichst in seltenen Farben (siehe Infobox). Die Europäer setzten vor allem auf das Tauschen, in den USA werde bevorzugt gehandelt und gekauft. Beim Sammlertreffen in Fresno seien an einem Nachmittag umgerechnet rund 250.000 Euro über den Tisch gegangen.

Am Hoover-Damm bewunderte er Isolatoren aus dem Jahr 1936, "die wären bei uns schon drei Mal 'rausgeflogen". Leider war ein Sammlerfreund nicht vor Ort, der ihm einen hätte abmontieren und mitgeben können. Aber auch so kam Vormwald mit 25 Isolatoren zurück und stand vor dem Rückflug vor einem Gewichtsproblem.

In zwei Jahren wieder drüben

Die Isolatoren als Fracht zu schicken sei viel zu teuer. Also zog er Winterstiefel und eine dicke Jacke vor dem Flug an, um das Gewicht des Gepäcks zu reduzieren. Dazu steckte er sich noch kleinere Isolatoren in die Taschen. In zwei Jahren ist das nächste Sammlertreffen, dann bei Milliardär Bolack, "da bin ich wieder drüben".

Was ist ein Isolator?
Wer könnte besser erklären, was ein Isolator ist, als Lothar Vormwald, der Leiter des Lohrer Isolatorenmuseums? "Ein Isolator ist ein Nicht-Leiter, er leitet keinen Strom", sagt Vormwald. Würde man die Stromleitungen ohne Isolatoren an den Masten befestigen, würde der Strom in die Erde abfließen. Isolatoren verhindern also, dass sich der Strom davonmacht. Bei Stromleitungen oder Verlängerungskabeln erfüllt die Plastikummantelung diese Funktion.
Isolatoren gibt es aus verschiedenen Materialien. Am häufigsten sind Porzellan und Glas. Vormwald hat in seiner Sammlung auch Isolatoren aus Papier und Plastik, aber diese sind nach den Worten des Museumsleiters bei Sammlern nicht sonderlich beliebt. (MEtjm)

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