ROTHENFELS

Michael Gram will Rechtssicherheit für die Bürger

Sanierungsbedürftig: Bürgermeister Michael Gram zeigt auf das marode Eingangsportal des Rothenfelser Rathauses. Das ganze Gebäude braucht eine Renovierung, die sich wegen des Aufwands und der erwarteten Kosten wohl über Jahre hinziehen wird. Foto: Andreas Brachs

Michael Gram hat neulich einen Fernseher wieder richtig eingestellt. Ein verzweifelter Rothenfelser Bürger war am Vorabend eines Feiertags nicht mehr klar gekommen und wusste nicht mehr weiter. Also hat er den Bürgermeister angerufen. – Und der hat geholfen.

Gram muss schmunzeln, als er die Episode erzählt, wenngleich sie einen ernsten Hintergrund hat. In den kleinen Gemeinden ohne Verwaltungsapparat vor Ort ist der Bürgermeister „Mädchen für alles“. Diese Erfahrung hat auch Gram machen müssen, der nach drei Jahren seiner ersten Amtszeit Halbzeitbilanz zieht.

Nicht unvorbereitet ins Amt gekommen

Allerdings hat es ihn nicht kalt erwischt. Gram war zuvor sechs Jahre Stadtratsmitglied und Dritter Bürgermeister. Dennoch ist er seit seinem Amtsantritt 2014 mitunter erstaunt, mit welchen Details sich ein Oberhaupt in der kleinsten Stadt Bayerns beschäftigen muss. Und manchmal eilt es: Während der vergangenen Stadtratssitzung tobte ein Unwetter über dem Städtchen und Gram telefonierte zeitgleich mit den Einsatzkräften, um die ins Rutschen geratenen Hänge sichern und voll gelaufene Keller auspumpen zu lassen.

„Was ich dem einen zugestehe, muss ich auch dem anderen geben.“
Michael Gram, Bürgermeister der Stadt Rothenfels

Bei seinen vielfältigen Aufgaben kommt dem 45-Jährigen zupass, dass er sich in mehreren Bereichen auskennt: Gram hat Maschinenbau studiert, hat fünf Jahre bei Indramat in Lohr, also in der Industrie, gearbeitet. Und inzwischen ist er Beamter in der Gewerbeaufsicht der Regierung von Unterfranken.

In diesem Beruf kontrolliert er Einrichtungen des Gesundheitswesens wie Krankenhäuser, Seniorenheime oder Praxen, aber auch Baustellen zwischen Miltenberg und Alzenau. Bei seinem Arbeitgeber hat Gram auf 80 Prozent reduziert. An zwei Tagen darf er Tele-Arbeit in Rothenfels machen; die Präsenz vor Ort erleichtert den fliegenden Wechsel zwischen Ehrenamt und Brotberuf.

Technisch und in Verwaltungsdingen bewandert

Sich technisch auszukennen und zugleich Verwaltungsfachmann zu sein, hilft dem ehrenamtlichen Bürgermeister enorm. Oft ist er der erste Auskunftgeber für seine Bürger. „Da muss ich rechtsfeste Aussagen treffen und wissen, was ich mir erlauben kann“, sagt Gram, denn er will alle gleich behandeln. „Was ich dem einen zugestehe, muss ich auch dem anderen geben.“ Also muss er gut überlegen, bevor er Zusagen macht.

Gram kann es nicht jedem recht machen, „aber ich versuche, mich in den anderen hineinzuversetzen, wenn wir unterschiedliche Meinungen haben“. Dennoch meint er, dass ein Bürgermeister „durchsetzungsstark“ sein muss, wenn er die Interessen der Kommune vertritt. Deshalb kann er bisweilen auch lautstark verhandeln, wenn es sein muss.

Im Stadtrat herrsche ein gutes Miteinander. Da alle Räte, wie der Bürgermeister, über die Liste Unabhängige Bürger/Freie Bürger/SPD den Weg ins Rathaus fanden, gibt es keine Fraktionen und somit keinen Fraktionszwang.

Nächstes Mal ohne SPD?

Der Wortungetüm des Listennamens könnte übrigens bei der nächsten Wahl kürzer ausfallen, denn Gram zufolge gebe es keinen SPD-Ortsverein mehr. Inhaltlich ist Gram mit dem bisher Erreichen zufrieden. Wie im Wahlkampf versprochen, hat das schnelle Internet in den beiden Ortsteilen Rothenfels und Bergrothenfels Einzug gehalten.

Die ehemalige Firma Christiansen beherbergt mittlerweile eine Verteilstation der Deutschen Post – wenn auch nur vorübergehend. Die Post lässt in der Stadt Marktheidenfeld neu bauen. Das kleine Baugebiet „Halleberg“ in Bergrothenfels ist bereits voll. Sechs Bauplätze hat die Stadt dort vergeben.

Schwerpunkt: neue Bauplätze schaffen

Ansonsten fällt es schwer, Bauplätze zu schaffen: Rothenfels ist von Straßen, Gewerbe und vom Hang umzingelt und Bergrothenfels vom Naturpark. Dennoch will Gram mögliche Lücken ausloten. Denn seiner Meinung nach wohnt man im Städtchen ideal: mitten im Grünen, unweit der Arbeitsplatzzentren Lohr und Marktheidenfeld, mit stündlicher Busanbindung.

Lebenswert sei die Kommune auch durch die intakte Vereinslandschaft. Noch immer gibt es viele Vereine doppelt: unten und in „Berch“. Doch für Gram ist das kein Ausdruck von Abgrenzung oder Konkurrenzdenken. Im Alltag spiele es keine Rolle, woher ein Bürger komme. Nach vielen Rothenfelser Bürgermeistern darf mit ihm nun ein Bergrothenfelser die Stadt repräsentieren.

Aushängeschild über der Stadt: die Burg

Aushängeschild, ortsbildprägend und einer der wichtigsten Arbeitgeber ist die Burg, getragen vom Verein „Freunde der Burg“, die über der Stadt thront und laut Bürgermeister gut mit der Kommune kooperiert.

Gram gefällt es, seine Heimat mitzugestalten. Aus seiner Sicht spricht nichts gegen eine zweite Amtszeit. Auch wenn er nur der kleinsten Stadt Bayerns vorsteht: Er freut sich über diesen Titel. „Dabei arbeite ich ja dafür, dass wir ihn verlieren“, gibt Gram zu. Denn er will die Einwohnerzahl gern über 1000 ausbauen.

Konkurrenz um den Titel „kleinste Stadt Bayerns“

Damit hat das oberfränkische Lichtenberg vielleicht bald Anspruch auf die rote Laterne. Das seit Jahren schrumpfende Städtchen hat nur noch 1012 Bürger. Mit dem Bürgermeister dort ist Gram in Kontakt, um den möglichen Wechsel nicht zu verpassen. Doch hat er erfahren: „Der ist gar nicht scharf darauf.“

Stadt Rothenfels

Die kleinste Stadt Bayerns hat zurzeit 1000 Einwohner, davon 640 im Ortsteil Bergrothenfels und 360 im Ortsteil Rothenfels.

Zu den Hauptaufgaben in diesem Jahr gehören die Gestaltung des Burg-Vorplatzes für rund 235 000 Euro, die Anlage von Urnenfeldern in Bergrothenfels, die Sanierung des Friedhofs in Rothenfels und von Kanalleitungen. Im Sommer stellt die Stadt Pläne und Kosten für die aufwändige Rathaussanierung vor. abra

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