Lohr

Mit 62 rot-grünen Stimmen: Mario Paul soll Lohrs Bürgermeister bleiben

Wie 2014 nominierten SPD und Grüne gemeinsam den parteilosen Amtsinhaber Mario Paul zum Bürgermeisterkandidaten für Lohr. Foto: Roland Pleier

Dass der parteilos Mario Paul erneut nominiert würde, stand außer Frage. Interessant war demnach mehr, wie sich der amtierende Bürgermeister von Lohr den Roten und Grünen, die ihn 2014 zum ersten Mal gemeinsam aufgestellt hatten, bei der formellen Nominierungsveranstaltung am Donnerstag in der Alten Turnhalle präsentierte. Und umgekehrt: Inwieweit die Seinen hinter ihm stehen. 

Fangen wir hinten an: Das Votum war eindeutig und überzeugend. Jeweils 100 Prozent der Stimmberechtigten votierten für den gemeinsamen Bürgermeister-Kandidaten Paul, der mit seinen 44 Jahren zwei Jahre älter ist als sein von der CSU aufgestellter Gegenkandidat Dirk Rieb. Alle 20 Genossen gaben ihm seine Stimme, auch alle 34 grünen Parteimitglieder nebst acht "Anhängern", die als Lohrer ohne Parteimitgliedschaft ebenso stimmberechtigt waren (bei der SPD erlaubt das die Parteisatzung nicht). Alle 62 Stimmen also für Paul. Rieb hatte im Juli 41 der 44 Stimmen seiner Parteifreunde erhalten. 

Die SPD will Paul auch weiterhin auf den Zahn fühlen

"Mario, we rock it again", rief SPD-Kreisvorsitzender Sven Gottschalk dem Amtsinhaber zu. Gefragt, warum die SPD keinen eigenen Kandidaten aufstelle, habe er geantwortet: "Warum – wenn wir der felsenfesten Meinung sind: Einen besseren Kandidaten wie Dich kann Lohr nicht bekommen?!" Dankbar sei er, Paul immer wieder auf den Zahn fühlen zu dürfen. "Und wir werden das weiter machen", versprach Gottschalk.

"Es tut sich was in dieser Stadt" – das sei auch in der Außensicht zu bemerken, stellte der grüne Kreisvorsitzende Gerhard Kraft aus Karlstadt fest. 2014 sei mit der Wahl Pauls der Grundstein gelegt worden. Paul habe Visionen, sagte er. Fairtrade und Biodiversität – "da stehen wir voll dahinter als Grüne". Doch gebe es noch viel Handlungsbedarf, etwa in Sachen B26 neu oder die Umfahrung Lohrs mit der Bahn. Deswegen brauche es mindestens weitere sechs Jahre mit Paul – "weil er der Moderator ist". Der Lohrer Bürgermeister werde auch wieder einen prominenten Platz auf der Kreistagsliste der Grünen bekommen. "Der Anfang ist gemacht – und jetzt geht's weiter. Glückauf!"

Die erste Nachricht am ersten Amtstag barg Sprengstoff

36 Minuten lang nahm sich Paul selbst Zeit für eine Bilanz seiner bisherigen Amtszeit. "Nicht mehr ganz so aufgeregt wie vor sechs Jahren" sei er, gestand er. Bereits an seinem ersten Tag im Dienst, bei der Eröffnung der Expo MSP am 1. Mai 2014, ereilte ihn eine Nachricht, von der er wusste, dass sie Sprengstoff bedeute. Nämlich: dass die Stadthalle erst ein Jahr später fertig und teurer werde. Anstrengend und notwendig sei es aus seiner Sicht gewesen, die weitere Entwicklung transparent zu gestalten. Und obwohl die Gewerbesteuern in den vergangenen fünf Jahren um mehr als die Hälfte im Vergleich zu den Jahren zuvor zurückgegangen seien, sei es gelungen, einen genehmigungsfähigen Haushalt aufzustellen "bis jetzt ohne Steuererhöhung und Kürzung der freiwilligen Leistungen".

SPD und Grüne nominieren Amtsinhaber Mario Paul (hier mit seiner Frau Diana) erneut zum Bürgermeisterkandidaten für Lohr. Foto: Roland Pleier

Themen, die er streifte: Der Lohrer Kunstpreis habe gezeigt, dass viele einzelne zusammen etwas zustande bringen können; für das Gewerbegebiet Sandfeld werde er hart arbeiten; über das City-Management werde seit 2009 geredet – "wir haben es gemacht"; beim Zentralklinikum habe es sich bewährt, ruhig zu bleiben und mit Argumenten zu überzeugen; auf das Verkehrsgutachten ging er ein ("gut, dass wir es haben"), auf die B26n (wenn sie denn komme, dann zeitgleich mit Main-Spessart-Spange und dritter Mainbrücke – "alles andere ist nicht zumutbar"), auf Natur- und Artenschutz und lobenswertes bürgerliches Engagement. 

Mario Paul über Mario Paul

Dazwischen immer wieder Paul über Paul: "Transparenz halte ich für eminent wichtig." Zur Kritik, er sei manchmal zu sachlich: "Das hilft mir, meine Moderatorenrolle zu erfüllen. – Beharrlichkeit ist auch eine Eigenschaft, die mich ausmacht." Gut moderieren und hart arbeiten werde er, versprach Paul und beendete seine Rede angelehnt an ein Zitat des Fußballtrainers Giovanni Trapattoni: "Ich habe noch lange nicht fertig!" 

Christine Kohnle-Weis (SPD), Zweite Bürgermeisterin, bedachte ihn unter anderem mit einem Laufshirt in rot-grün und den Worten: "Du bist unsere Nummer eins und Du bleibst unsere Nummer eins!" 

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