MAIN-SPESSART

Mit Dieter Thomas Heck durch den Spessart

Alles noch ganz entspannt: Der damalige Marktheidenfelder Bürgermeister Armin Grein holt im August 1983 TV-Moderator Dieter Thomas Heck (von links) an der Landkreisgrenze bei Bettingen mit dem Fahrrad ab. Gemeinsam strampelten sie durch den Main-Spessart-Kreis.
Alles noch ganz entspannt: Der damalige Marktheidenfelder Bürgermeister Armin Grein holt im August 1983 TV-Moderator Dieter Thomas Heck (von links) an der Landkreisgrenze bei Bettingen mit dem Fahrrad ab. Gemeinsam strampelten sie durch den Main-Spessart-Kreis. Foto: MP-ArchivRott

Große Klappe – nichts dahinter? Altlandrat Armin Grein erinnert sich angesichts der „Charity-Löwen-Radtour“, die am 30. Juni stattfinden wird, an eine besondere Radfahrt vor 30 Jahren: Damals war Grein mit dem bekannten TV-Moderator Dieter Thomas Heck quer durch den Spessart gefahren.

Ende August 1983 sammelte der damalige Marktheidenfelder Bürgermeister und Landratskandidat Grein nicht nur Wählerstimmen, sondern auch Straßenkilometer, um sich im Wahlkampf von den Mitbewerbern abzuheben. Er hatte gehört, dass der Moderator der „ZDF-Hitparade“, Dieter Thomas Heck, nach einer verlorenen Wette bei „Wetten, dass...“ von seinem Wohnort Bexbach im Saarland 870 Kilometer nach West-Berlin radeln wollte. Die Strecke führte Heck auch durch den Main-Spessart-Kreis.

Da der dauerquasselnde Promi von einem Tross von Fernseh- und Zeitungsjournalisten begleitet wurde und vielerorts ein Bad in der Menge begeisterter Fans nahm, sah der clevere Grein darin eine Chance für seine eigene Popularität. Prompt empfing der Kandidat per Rad den strampelnden Heck an der Landkreisgrenze zwischen Bettingen und Homburg und bot ihm an, ihn den Main entlang über Marktheidenfeld, Lohr, Gemünden bis nach Obersinn zu begleiten, bevor Heck nach Hessen wechseln würde.

Schiebung am Berg

Der Moderator freute sich mit einem „Selbstverständlich, Herr Bürgermeister!“ und strampelte fortan neben Grein her. Der, zwar sportlich, aber zu dieser Zeit nicht im Radfahren geübt, wunderte sich schnell, dass Heck nicht nur mit dem Mundwerk ein beachtliches Tempo vorlegte. Doch bald kam der Lokalpolitiker dem fast gleich alten TV-Macher auf die Schliche: Der Mittvierziger ließ sich an den Anstiegen öfter von einem mitfahrenden Straßenrennradfahrer am „Heck“ anschieben.

Von den Schlichen zum Schleicher: Grein reagierte prompt und rief den bekannten Radfahrer Hans Schleicher aus Karbach an, der damals mit ihm zusammen in der Marktheidenfelder Stadtverwaltung arbeitete. Schleicher ließ sich von seiner Frau Sportkleidung ins Rathaus bringen, sprang auf sein Fahrrad, mit dem er immer zum Dienst fuhr und schob von nun an seinerseits Grein an, wenn der von Heck nur noch das Heck sah. „Ich bin locker mitgekommen“, erinnert sich der Altlandrat heute lächelnd.

Auf diese Weise erreichten die beiden Prominenten gemeinsam Lohr, wo sich Physiotherapeuten nicht nur um den Fernsehstar, sondern auch um den ihn begleitenden Bürgermeister kümmerten. Mit Eis wurden Greins strapazierte Muskeln gekühlt. Ob vom Strampeln oder vom Eis: Kurz nach Lohr ereilte Grein ein Wadenkrampf. „Er sank vom Rad“, schrieb die Bild-Zeitung später über das, was folgte: Grein stieg ab, legte sich auf eine ausgerollte Decke und ließ vom BRK seinen Krampf behandeln, während Heck auf ihn wartete und die umstehende Presse die Szene munter fotografierte. Am Ende schafften Grein und Heck es doch noch gemeinsam bis Obersinn.

Abenteuerliche DDR-Tour

Der Altlandrat erinnert sich, dass Heck später auf dem Weg nach West-Berlin die DDR mit dem Rad durchqueren wollte. Die Ostdeutschen hatten ihm aber die Durchfahrt untersagt, so dass der Moderator kurzerhand einen Bus umbauen ließ: In dessen Inneren strampelte er einfach auf einem Rollenfahrrad weiter, während der Bus die 192 Kilometer auf DDR-Straßen nach Berlin fuhr.

Der Rest ist Geschichte: Heck wurde in Berlin vom Regierenden Bürgermeister Richard von Weizsäcker empfangen, der später Bundespräsident wurde. Armin Grein gewann die Wahl zum Landrat im Main-Spessart-Kreis. Und: Die Landrad(t)stour war geboren. . .

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