Lohr

Mit Modulen und Praktikum zum Erfolg

BQM-Leiterin Susanne Niederhammer besucht Florian Strießbaum, um sich nach seinen Fortschritten im Praktikum zu erkundigen.
BQM-Leiterin Susanne Niederhammer besucht Florian Strießbaum, um sich nach seinen Fortschritten im Praktikum zu erkundigen. Foto: Pat Christ

Florian Strießbaum hat eine Berufsvorbereitende Qualifizierungsmaßnahme (BQM) im Lohrer Bauhof absolviert. Im Winter klingelte der Wecker um 4 Uhr, um 6.30 Uhr war Dienstbeginn. Die Wege in Lohr mussten gestreut werden. "Kälte macht mir nichts aus", sagt der 18-Jährige aus Gräfendorf.

Ein Lehrer habe ihn auf die Idee gebracht, es mit dem BQM zu versuchen, erzählt der junge Mann, der als Internatsschüler die Katharinen-Schule der Lebenshilfe Schweinfurt besucht hat. Dem Lehrer war aufgefallen, dass Strießbaum ein "Schaffer" ist. Im Unterricht zu hocken, fällt dem Sohn eines Maurers schwer.

Elfmonatige Qualifizierung

Strießbaum hat Probleme mit dem Lernen. Deshalb wäre es für ihn nicht möglich gewesen, eine reguläre Ausbildung zu absolvieren. Für junge Menschen wie ihn bietet die Modell Integrationsgesellschaft mbH (Mig), eine Tochterfirma der Mainfränkischen Werkstätten, eine elfmonatige Qualifizierungsmaßnahme an.

Die Jugendlichen sind jede Woche für drei Tage im Praktikum, an zwei Tagen eignen sie sich Theorie in Form von "Qualifizierungsbausteinen" an. Gerade wegen der Praktika liebt Florian Strießbaum die Maßnahme: "Das ist echt ein Glück, dass ich hier bin." Wobei nicht jeder Tag ein Zuckerschlecken ist. "Neulich hat mich ein Kollege angeraunzt", sagt er. Doch das habe er mit Humor weggesteckt. So ist nun mal das Arbeitsleben.

Fünf Berufsfelder

Fünf Berufsfelder stehen zur Auswahl, in jedem werden fünf Module absolviert. Am Ende eines jeden Moduls wird das Wissen überprüft. Ein Modul hat Florian Strießbaum schon bestanden: "Da ging es um den Umgang mit Laubbläsern und ums Heckenschneiden." Das Wissen konnte er an seinem ersten Praktikumsplatz, dem Lohrer Bauhof, gut verwenden. In den vergangenen Wochen lernte Strießbaum viel über Wegebau. Der Jugendliche ist seit Mitte Januar beim Straßenbauamt in Würzburg tätig.

Strießbaum, der gerne im Freien arbeitet, durchläuft bis Herbst 2020 das weite Berufsfeld namens "Agrarwirtschaft". Daneben werden Qualifizierungsbausteine in den Bereichen Hauswirtschaft, Handel/Lager und Gesundheit angeboten. Letzteres absolviert Pia Kohlmann. Die 16-Jährige aus Karlstadt liebt alte Leute. "Ich habe mich um meinen Opa gekümmert, bis er vor einem Jahr gestorben ist", sagt die Jugendliche, die ein Praktikum im Karlstadter Altersheim ableistet.

Auch die ehemalige Schülerin der Leo-Weismantel-Förderschule empfindet es als Glück, dass sie ins BQM aufgenommen wurde. Die Arbeit im Pflegeheim macht ihr großen Spaß: "Wenn ich hier bin, geht die Zeit ganz schnell vorbei." Kohlmann ist es wichtig, mit den Senioren zu reden. "Ein alter Mann, den ich morgens wasche, erzählt mir immer, wie das war, als er noch zur Jagd ging", berichtet sie. Besonders interessant findet die Jugendliche den Umgang mit Menschen, die an Demenz leiden. Was zu beachten ist, wenn man mit altersverwirrten Senioren spricht, lernte sie im Mig-Unterricht bei Pfleger Matthias Franz. "Man darf nicht zu laut sprechen, sonst denken die alten Leute, man sei verärgert", hat Pia Kohlmann gelernt.

Zuvor absolvierte sie ein Modul über die Grundpflege. Die Tests beider Module bestand die Jugendliche mit Bravour. Auch von Mig-Anleiterin Marion Schultheiß, von der sie fast wöchentlich in Karlstadt besucht wird, sowie von Ingrid Grot, Wohnbereichsleiterin in der Herold-Stiftung, erhält Kohlmann positives Feedback.

"Wir haben jede Woche zwölf Stunden Fachunterricht", erläutert BQM-Leiterin Susanne Niederhammer. Im Unterricht lernen die Jugendlichen, was sie brauchen, um gut durchs Praktikum zu kommen. Überflüssige Theorie gibt es nicht. Was Pia Kohlmann lernt, kann sie konkret bei der Betreuung alter Menschen einbringen. Im Juli will sie sich mit dem Wissen, das sie erworben hat, der Prüfung zur Betreuungsassistentin unterziehen. Im Herbst 2020 hofft die Karlstadterin, eine Ausbildung zur Altenpflegehelferin beginnen zu können.

Zahlen und Fakten: BQM
Die Modell Integrationsgesellschaft mbH (Mig) bietet Jugendlichen mit Lern- oder einer leichten geistigen Behinderung seit 2003 die Möglichkeit, die Berufsvorbereitende Qualifizierungsmaßnahme (BQM) zu absolvieren. Gefördert wird sie von der Agentur für Arbeit. Ziel ist es, durch diese Alternative zur Vollausbildung einen Fuß in den ersten Arbeitsmarkt zu bekommen.
Rund 70 Prozent der Teilnehmer nehmen nach dem BQM eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf oder beginnen eine Ausbildung. 2018 durchliefen 14 Jugendliche die Maßnahme, drei stammten aus Main-Spessart. Nach Absolvierung aller Module fanden die Jugendlichen Jobs als Pflege- oder Wohnbereichshelfer, in der Gebäudereinigung oder als Lagerhelfer.
Eine Jugendliche wechselte im Anschluss auf die Fachschule für Altenpflegehilfe, ein Jugendlicher begann, sich zum Fachpraktiker für die Küche ausbilden zu lassen. Ein weiterer Teilnehmer mündete in eine Fachwerkerausbildung für den Garten- und Landschaftsbau. (pat)

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Lohr
  • Altenpflegehelfer
  • Berufsfelder
  • Laubbläser
  • Lebenshilfe Schweinfurt
  • Praktika
  • Wissenschaftliche Theorie und Theorien
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!