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Mit dem Rad durch den größten Salzsee der Welt

Sieht aus wie in der Arktis, ist aber in Bolivien: Das Wunschziel von Michael Dümig aus Marktheidenfeld war der Salzsee Salar de Uyuni auf 3700 Meter Höhe. Foto: Michael Dümig

„Warum mache ich das Ganze?“, fragte sich Michael Dümig auf seiner Reise nur, als er ganz allein sein Fahrrad durch einen heftigen Sandsturm und die einbrechende Dunkelheit schob, zehn Kilometer davon entfernt, wo er die nächsten Menschen auch nur vermutete.

Jeder Durchschnittsmensch hätte sich diese Frage schon gestellt, bevor er sich überhaupt auf das Abenteuer einlässt, mit dem Fahrrad 2600 Kilometer durch Bolivien und Chile zu reisen. Der 69-Jährige aus dem Marktheidenfelder Ortsteil Zimmern wollte die Tour durch Südamerika aber unbedingt machen.

Salar de Uyuni als Traum

Ganz besonders fasziniert war er von dem Gedanken, mit dem Rad durch den Salar de Uyuni in Bolivien zu fahren, den größten Salzsee der Welt. Unerfahren, was große Radtouren angeht, ist der Zimmerner nicht. Mehrere tausend Kilometer ist er schon durch Nordamerika oder Namibia gefahren. Doch die Südamerika-Tour sollte Dümig alles abverlangen.

Kilometer machen auf der Panamericana

Start der Reise war im September im bolivianischen Santa Cruz della Sierra, rund 400 Meter über dem Meeresspiel. „Sehr schön war es da, aber tropisch und drückend heiß“, erinnert sich Dümig. Begleitet wurde er von Wolfgang Felgendreher, einem erfahrenen Radfahrer und Fotografen aus Norddeutschland, den er bei Vorträgen kennengelernt hat. Zusammen machten sie sich auf den Weg. Zum Teil auf dem Schnellstraßensystem der Panamericana. „Das war nicht unbedingt schön, aber da konnten wir Kilometer machen“, sagt Dümig.

Zwangspause in Sucre

Und Kilometer machten die Extremradfahrer auch in die Höhe. Auf 2800 Meter die erste schwere Krise der Reise, Michael Dümig bekam Bronchitis. Die Anstrengungen der ersten Etappe, die schlecht ausgebauten Straßen im Hochland, die Höhenluft, die Temperaturwechsel – all das war selbst für den durchtrainierten Marktheidenfelder zuviel. Er musste eine Woche in der Stadt Sucre verbringen und sich dort behandeln lassen.

Begeistert vom Salzsee

Sengende Hitze war ein häufiger Begleiter der Extremradfahrer Felgendreher (hinten) und Michael Dümig auf ihre Reise durch Südamerika. Foto: Michael Dümig

Noch nicht wirklich wieder fit schwang er sich mit seinem Kollegen Felgendreher auf die Räder und fuhr wieder weiter durch die Anden. Dann endlich erreichten die beiden Radler Dümigs Traumziel – den etwa 120 auf 150 Kilometer großen Salzsee Salar de Uyuni. 3700 Meter über dem Meeresspiel waren die beiden Deutschen nun, ihnen bot sich ein fantastischer Anblick. „Es sieht fast aus wie in der Arktis“, sagt Dümig. Eine beinahe endlose Weite aus mit Rissen durchzogenen, blendend weißem Salz. Tagsüber ein blauer Himmel und um die dreißig Grad. Nachts der für Europäer unbekannte Sternenhimmel der Südhalbkugel und etwa minus acht Grad. Kein gemütlicher Ort, aber wunderschön.

Das Vorankommen mit dem Rad auf der Salzfläche war schwierig, dazu kam die dünne Luft. „Das waren Strapazen; bis dahin war es fast ein Spaziergang“, sagt Dümig heute lachend. Er hatte sich davor hin und wieder gefragt, ob die Reise ein Fehler war, „aber als ich auf dem Salzsee war, habe ich nie gezweifelt, da war ich nur begeistert“, sagt der 69-Jährige.

Irrwege und Durst

Nicht immer war der Weg einfach, es war eine abenteuerliche Radtour von Michael Dümig und Wolfgang Felgendreher. Foto: Michael Dümig

Frustrierende Momente gab es auf der Tour genug. Einmal wurden sie auf einen Weg geschickt, über Berg und Tal, nur um am Tag danach festzustellen, das sie am völlig falschen Ort waren. Also mussten sich die beiden Radfahrer wieder eine Tagesreise zurück quälen. Ein andermal ging ihnen das Wasser aus und sie wurden von Einheimischen an einen Fluss geschickt – der war aber ausgetrocknet. „Das hat dann wenig Spaß gemacht“, sagt Dümig.

Allein im Sandsturm

Kurz nach dem Salzsee trennte sich die kleine deutsche Reisegruppe. Geplant war eigentlich, dass sie gemeinsam den höchsten für Fahrzeuge befahrbaren Pass überqueren. „Aber ich war von der Höhe gezeichnet und kämpfte noch mit meiner Erkältung, ich wollte zurück in die Tiefebene“, sagt Dümig. Also fuhr Felgendreher Richtung Pass und Dümig nach Chile.

Lamas gehören auch zum Landschaftsbild der Anden-Staaten. Foto: Michael Dümig

Und gleich am nächsten Tag kam der Marktheidenfelder in den Sandsturm. „Vorher war es schon sengend heiß, dazu der schlimmste Gegenwind, den ich je erlebt habe“, erinnert er sich. Jetzt eine Panne mit seinem Fahrrad wäre – ganz alleine – fatal gewesen. Er habe dabei an seinen Karbacher Fahrradhändler gedacht: „Robert, lass das Rad durchhalten“, sagt Dümig. Mit letzter Kraft erreichte er in der Nacht einen kleinen Eisenbahnstützpunkt, an dem er übernachten konnte.

Merlot gegen Höhenkrankeit

Ab der chilenischen Grenze wurden die Straßen schlagartig besser, „aber auch extrem einsam“. Er kämpfte sich durch die Atacama-Wüste an Calama und San Pedro vorbei, bis er die Hafenstadt Valparadiso erreichte. „Erst auf Meereshöhe ging es mir wieder gut“, sagte Dümig, „im Weinort La Serena habe ich die letzten Reste der Höhenkrankheit mit sehr gutem chilenischen Merlot kuriert“, sagt er grinsend.

Nächste Reise im Oldtimer?

Zwei Monate lang war Michael Dümig mit dem Fahrrad durch Bolivien und Chile unterwegs. Noch einmal würde er diese Strapazen aber nicht auf sich nehmen. Darum ist die nächste Reiseidee des Zimmerners etwas entspannter: „Mit einem Oldtimer in den USA von West nach Ost fahren, darauf hätte ich Lust.“

 

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