Karlstadt

Mit der Oma durch den Hühnerstall

Jetzt zum Jahreswechsel wurde der endgültige Beweis erbracht. Nicht nur durch das Lied von der Oma, der alten Umweltsau, sondern vor allem durch die objektive Beobachtung der Verhaltensweisen ihrer Mitschweine.

Tausende Tonnen Feinstaub haben die Alten in der Silvesternacht bei ihren Fahrten mit dem Motorrad durch den Hühnerstall in die Luft geblasen. Zu Dutzenden haben sie sich zu mitternächtlicher Stunde auf der Straße zusammengerottet, um auf dem Rollator sitzend einen Böller nach dem anderen hochzujagen. Die leer geschossenen Überbleibsel haben sie natürlich auf dem Asphalt liegen lassen. Das Bücken fällt halt schon schwer. Auf der Straße zwischen der neuen Seniorenresidenz am tegut-Kreisel und der Heroldstiftung gab es einen SUV-Korso, immer mit Vollgas im ersten Gang und angezogener Handbremse.

Nachdem dann unsere Umweltsäue am späten Neujahrsmorgen ihren Rausch weitgehend ausgeschlafen hatten, fielen sie mit reichlich Restalkohol in den verkalkten Venen beim Burgerbrater in der Karlstadter Straße ein und hinterließen anschließend in den Gräben der Ausfallstraßen nach Euße oder Zellingen deutliche Spuren mit Coffee-to-go-Bechern, Pommesschachteln und halbleeren Flachmännern oder eben Flach-Omas.

Aber nicht alle haben herumgeböllert. Viele konnte man auf den Autobahnen in ihren SUVs entdecken, wo der Rollator neben den behindertenfreundlichen Schiern aufs Dach geschnallt war. Schließlich weiß jeder, dass eben die Alten, die Boomer, in jedem Winter, auf jeder künstlich hergestellten Schneeflocke die Berghänge in Tirol hinunter brettern. Die jungen Friday-Kids-for-Future bleiben stattdessen daheim, denn sie müssen die Päckchen vom Onlinehändler zur Rücksendung fertig machen und sich nebenbei noch zwei Netflix-Filme reinstreamen.

Ganz schlimm wird es werden, wenn die Jungen der Umwelt zuliebe ihre Abi-Fahrt mit dem Radl an den Ellertshäuser See machen und die Senilen – pardon die Senioren dafür in die bereits gebuchten Flieger steigen. Eine Granny aus Üchtelstücht hat sich angeblich schon aufgedrängt, anstelle ihrer Enkelin für ein halbes Jahr zum Chillen nach Neuseeland zu fliegen. Wenn schon die Oma im Hühnerstall Motorrad fährt, warum nicht dort?

Ja, wir Alten haben in der Vergangenheit viele Fehler gemacht, teilweise aus Unwissenheit, teilweise aus Bequemlichkeit - weil's eben halt so toll war, wie's war. Vor allem aber haben wir unsere Jugend in eben dieser Lebensweise erzogen. Wir haben ihnen alles gegeben was sie wollten – und oft noch mehr dazu. Das war ein Fehler. Wir haben sie nämlich leider nicht vorbereitet auf die Lebensweise des Verzichts, der nun nach ihrem Willen einsetzen soll. Wie wollen sie das nun schaffen, weil: uns gibt es ja eh' nicht mehr lange! Und der Himmel ist abgasfrei – hoffe ich!

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